Frühere Erddeponie Malmsheim Solarstrom zwischen Streuobst und seltenen Tieren

Der Aussichtspunkt auf der früheren Erddeponie Malmsheim: Die PV-Anlage ist auf dem Hang in zwei Teilen geplant. Foto: Simon Granville

Dort, wo früher Erdaushub abgeladen wurde, ist ein Naherholungsgebiet mit Biotopen entstanden. Nun plant der Kreis eine PV-Anlage.

Der Ausblick vom Aussichtspunkt auf der renaturierten Erddeponie in Malmsheim ist herrlich. Er reicht über sanfte Hänge voller Magerrasen über Hecken, die die geschützten Zauneidechsen beherbergen, bis hin zu Streuobstwiesen und dem kleinen See am Fuße der Felswand. Sogar den Weil der Städter Teilort Hausen kann man in der Ferne erahnen. Für viele Malmsheimer und Renninger ist das Areal ein beliebtes Naherholungsziel.

 

Um genau dieses Gebiet hat sich im jüngsten Gemeinderat aber eine Debatte entspannt. Hintergrund ist, dass der Landkreis Böblingen, dem die frühere Erddeponie gehört, auf einem Teil der Fläche eine Photovoltaik-Anlage errichten möchte. 2023 hatte der Gemeinderat das erste Mal über das Anliegen beraten und mehrheitlich dafür gestimmt, einen Bebauungsplan aufstellen zu lassen. Nicht nur, damit irgendwann Solarpaneele aufgestellt werden können, sondern um das ganze Gelände planerisch zu ordnen und beispielsweise auch Schutzzonen festzulegen.

Als Ausgleich sind Streuobstbäume geplant

In der aktuellen Sitzung ging es nun um den Vorentwurf des Bebauungsplans sowie ein Artenschutzgutachten, dass vom Büro Stadt Land Fluss erstellt worden war. Die PV-Anlage soll demnach auf der Hangfläche westlich des Aussichtspunkts entstehen, aufgeteilt in zwei Flächen. Eine oberhalb und eine unterhalb des Schotterwegs. „Die PV-Anlage wird aufgeständert. Es geht also nicht viel Fläche verloren und das Wasser kann weiter versickern“, erklärte Christian Küpfer vom Büro Stadt Land Fluss.

Das vorgesehene Baufeld sei innerhalb des Landschaftsparks keine besondere Fläche, andere Bereiche seien biologisch viel wertvoller. Die Qualität des Landschaftsbilds werde durch das Vorhaben sogar verbessert. Denn es sind verschiedene Ausgleichsmaßnahmen geplant. So sollen weitere Streuobstbäume sowie wildes Obst gepflanzt werden. Die Baufelder sollen zudem durch einen Heckenzaun begrenzt werden, der ebenfalls Lebensraum für Tiere biete.

Geballte Kritik seitens der CDU

Wie schon beim Auftakt für die Planungen, kam Kritik an dem Vorhaben hauptsächlich von der CDU. „Für uns ist das ein sehr emotionales Thema“, sagte Anke Haug, Fraktionschefin der Union. „Wir sind nicht gegen Photovoltaik, wir sind gegen diese großflächige PV-Anlage in dieser Perle der Naherholung.“ Ihr Antrag, nur eines der zwei Baufelder zu realisieren, fand jedoch keine Mehrheit. Wolfgang Steudle sah erhebliche Auswirkungen auf „das Schutzgut Mensch“ und sprach sich dafür aus, erst alle Möglichkeiten für private Solaranlagen auszuschöpfen.

Andreas Kindler (alle CDU) stellte die Rentabilität der Anlage infrage, die zwar starke 1,8 Megawattpeak Leistung bringen soll, aber sich nur auf 1,5 Hektar Fläche ausdehnt. Thomas Vattheuer sprach sich für Anlagen an anderer Stelle aus: „Wir haben die B295, die B464 und die S-Bahn, außerdem ein großes Industriegebiet. Wir haben so viele Möglichkeiten.“ Sascha Bossinger (AfD) forderte einen Bürgerentscheid und sah die Solarmodule am Rande einer Autobahn besser aufgehoben. Alle stimmten gegen den Vorentwurf des Bebauungsplans.

Anders sah das bei den übrigen Ratsmitgliedern aus. „Als Gemeinderat haben wir einstimmig beschlossen, unsere Klimaziele zu erreichen. Wir müssen dann auch irgendwo damit anfangen“, verwies Jürgen Lauffer (Freie Wähler) auf das Klimaschutzkonzept von 2023. „In fünf Jahren regt sich keiner mehr drüber auf.“ Lauffers Vorschlag, auf dem Aussichtspunkt Podeste einzurichten, wird nun von der Verwaltung geprüft.

„Wir sind mal wieder am Punkt: Wasch mich, aber mach mich nicht nass“, kommentierte Monika Breitweg von den Grünen. Alle wollten Solarenergie, aber keine die Module in seiner Umgebung. Die Flächen auf den Dächern der Rankbachstadt reichten nicht aus, um die anvisierte Menge von 65 Gigawattstunden pro Jahr zu erzeugen. „Und was ist die Alternative? Wald abholzen? Landwirtschaftliche Flächen nutzen“, fragte Breitweg.

Stadt will an Klimazielen festhalten

Auch Thomas Mauch (SPD) hatte wenig Verständnis für die geballte Kritik vonseiten der CDU. „Die CDU hat bei der kommunalen Wärmeplanung dagegen gestimmt, nach Flächen für PV-Anlagen zu suchen“, machte er deutlich. Dass es sich bei dem Areal auf der früheren Erddeponie um ein sensibles Gebiet handele, werde ausreichend berücksichtigt und kompensiert.

Vor der Abstimmung schaltete sich auch die Renninger Bürgermeisterin Melanie Hettmer in die Debatte ein. „Uns ist es wichtig, dass die Stadt Renningen ein verlässlicher Vertragspartner bleibt“, betonte sie. „Und dass wir unsere Klimaschutzziele angehen.“ Bei sechs Nein-Stimmen und einer Enthaltung wurde der Vorentwurf schließlich gebilligt. Als nächstes folgt die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden. Zudem steht noch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung an.

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