Frühere Firma von Dieter Hundt in Uhingen Chinesischer Eigner Westron zieht Allgaier den Stecker

Teile für Autokarosserien sind eines der wichtigsten Produkte der Allgaier Werke mit Sitz in Uhingen. Foto: dpa/Marijan Murat

Die weitere Zukunft der einstigen Firma von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt liegt nun in der Hand des vorläufigen Insolvenzverwalters. Er will den Betrieb stabilisieren.

Nach nicht einmal einem Jahr ist die Hoffnung geplatzt, dass ein chinesischer Investor Allgaier retten wird. Am 1. Juli 2022 hatte Westron 88,9 Prozent des Autozulieferers und Maschinenbauers aus Uhingen übernommen, zu dessen Kunden beispielsweise Porsche zählt. Jetzt bestimmt ein vorläufiger Insolvenzverwalter die Geschicke, der Stuttgarter Sanierungsexperte Fritz Zanker von der Kanzlei Pluta.

 

„Der Geschäftsbetrieb läuft weiter. Die Kunden werden wie gewohnt beliefert“, sagte Zanker am Mittwoch. Zusammen mit der Geschäftsführung wolle man Gespräche mit Lieferanten und Kunden führen, um den Betrieb zu stabilisieren. Löhne und Gehälter sollen per Insolvenzgeld für drei Monate gesichert werden.

Auch die operativen Bereiche gehen in die Insolvenz

Vom Insolvenzantrag betroffen ist die Holdinggesellschaft der Gruppe, genannt Allgaier Werke, mit 100 Beschäftigten. Insolvenzanträge für die deutschen Tochtergesellschaften würden in Bälde folgen, so Zanker. Insgesamt geht es um 1600 Beschäftigte bei Allgaier Automotive, Allgaier Sachsen, Allgaier Process Technology und Mogensen GmbH. Die ausländischen Gesellschaften mit rund 400 Mitarbeitern sind nicht im Insolvenzverfahren. Zanker kündigte an, alle Sanierungsoptionen zu prüfen und nach Investoren zu suchen.

Noch vor einem Jahr hatte der frühere Eigentümer Dieter Hundt, bundesweit bekannt als langjähriger Arbeitgeberpräsident, in Westron die beste Option gesehen. Nach einem weltweiten Casting potenzieller Käufer könnten die im Auto- und Technologiebereich erfahrenen Chinesen mit ihren finanziellen Möglichkeiten den Allgaier-Mitarbeitern eine hervorragende Perspektive geben, sagte Hundt. Zu diesem Zeitpunkt lagen bereits schwierige Jahre hinter dem Unternehmen, auch eine Restrukturierung samt Personalabbau 2019 brachte keine dauerhafte Besserung – zumal Corona, Rohstoffknappheit und der russische Krieg in der Ukraine die Lage weiter verschärften. Die Finanzmittel wurden knapp – und Hundt, der die Firma seit 1975 als Geschäftsführer und dann als Aufsichtsratschef zu großem Wachstum geführt hatte, sah keine Alternative zum Verkauf. Einen Nachfolger aus der eigenen Familie gab es nicht.

Allgauer war schon seit Jahren auf schwierigem Kurs

Dass Allgaier auf brenzligem Kurs ist, kam für die Mitarbeiter nicht mehr überraschend. In einer Videobotschaft, die bei einem Allgaier-Seniorentreffen gezeigt wurde, ließ der chinesische Aufsichtsratschef Scanny Cai im Frühjahr durchblicken, dass die Insolvenz drohe, wenn sich die Lage nicht schnell ändere. Damals stellte Westron noch in Aussicht, weitere 20 Millionen in den Betrieb zu investieren. In der Belegschaft aber ging das Vertrauen in Westron nach und nach verloren. Führungskräfte wurden ausgetauscht und nicht adäquat ersetzt, hieß es intern, niemand trage die Verantwortung für Probleme in der Produktion. Die „Südwest-Presse“ zitierte Mitarbeiter jetzt mit der Aussage: „Wir wurden angelogen.“

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