Früherer Bundespräsident Walter Scheels Büro wird nach Berlin verlegt

In jüngster Zeit hat es mehr negative Schlagzeilen gegeben: Barbara und Walter Scheel im Juli 2013 auf dem Weg zu einem Empfang aus Anlass von Scheels 94. Geburtstag. Foto: dpa
In jüngster Zeit hat es mehr negative Schlagzeilen gegeben: Barbara und Walter Scheel im Juli 2013 auf dem Weg zu einem Empfang aus Anlass von Scheels 94. Geburtstag. Foto: dpa

Der frühere Bundespräsident Walter Scheel braucht weder Büro, noch Sekretärin, Chauffeur und Auto. Die Angelegenheiten des fast 95-Jährigen soll künftig ein Mitarbeiter von Berlin aus regeln. Das teilt das Bundespräsidialamt mit.

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Bad Krozingen - Das Büro des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel in Bad Krozingen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) wird zum 1. August aufgelöst. Nur wenige Tage vor dem 95. Geburtstag des greisen, im Pflegeheim lebenden FDP-Politikers bestätigte das Bundespräsidialamt in Berlin auf Anfrage, dass die Angelegenheiten des Ex-Präsidenten künftig in Berlin erledigt werden. Die Akten sollen in das Amt gebracht, der Dienstwagen ausrangiert werden. Der Chauffeur werde in Ruhestand, die Sekretärin in den kommunalen öffentlichen Dienst zurück gehen.

Scheels persönlicher Referent Christoph Höppel wird auch in Berlin weiterhin für seinen Chef zur Verfügung stehen. Lediglich das persönliche Büro von Walter Scheel im Krozinger Rathaus wird noch nicht geräumt, dieses stellt ihm die Stadt zur Verfügung.   Damit wird voraussichtlich das öffentliche Kapitel über den Vizekanzler von Willy Brandt und späteren Bundespräsidenten, der auch als Liedersänger bekannt wurde, geschlossen. Der Pflegebedürftige ist in den vergangenen Jahren, seitdem er 2009 nach Bad Krozingen gezogen war, vor allem wegen seiner dritten Frau Barbara (75) in die Schlagzeilen geraten.

Zweifel an Scheels Statements hat es schon länger gegeben

Schon vor zwei Jahren kamen angesichts der unübersehbaren Hinfälligkeit des prominenten Senioren Zweifel auf, ob Scheels pointierte Statements tatsächlich noch von ihm oder eher von ihr stammen. Dann machte Frau Scheel im April Furore, als sie den Sterne-Koch Alfred Klink im Freiburger Colombi-Restaurant öffentlich als arroganten Schnösel und sein Essen als mangelhaft titulierte.   Und zuletzt hat sich der Träger des Pflegeheims Parkstift St. Ulrich, das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), schriftlich an das Bundespräsidialamt in Berlin gewandt. Mit etwas rätselhaften Formulierungen, wonach ein Lösungsfindungsprozess zum Wohle des Bewohners – gemeint ist Walter Scheel – mangels Vertrauen nicht zustande gekommen sei. Einzelheiten gibt das Amt nicht preis.

In Zeitungen wird berichtet, dass es zu erheblichen Differenzen zwischen Barbara Scheel und Pflegekräften gekommen ist. Die Frau des früheren Präsidenten habe sich von Anfang an in die Betreuung eingemischt und einen unangemessen scharfen Ton gegenüber Heimleitung und Personal an den Tag gelegt, schrieb die „Badische Zeitung“. Barbara Scheel wies alle Vorwürfe zurück, auch den, dass sie ihren Mann vernachlässige und ihn in schmutziger Kleidung sitzen lasse.   Höchst unglücklich über die Rolle der Ehefrau ist seit langer Zeit die regionale FDP. Paul Lauer, der Vorsitzende des Regionalverbandes Markgräflerland, beklagte mehrfach, „dass die Frau Scheel eine ungute Rolle spielt“ – und empfahl ihr mehr Zurückhaltung. Vergebens, ihre Auftritte in lokalen Parteiversammlungen, aber auch in der Öffentlichkeit sind bei den Mitgliedern gefürchtet. Immer wieder müsse sich die örtliche FDP damit auseinander setzen, obwohl sie dafür nichts könne, klagt Lauer. An ihren berühmten Parteifreund kommen sie nicht mehr heran, nicht einmal ein Seniorenkreis um den ehemaligen Europaabgeordneten Manfred Vohrer – „alles wegen dieser Dame“.

Der vierte Bundespräsident war auch kurz Kanzler

Walter Scheel, geboren am 9. Juli 1919 in Solingen, war der vierte Bundespräsident (1974 bis 1979) und der einzige, der zuvor – für neun Tage, nach dem Rücktritt von Willy Brandt – auch Bundeskanzler war. Scheel bezieht den so genannten Ehrensold von 200 000 Euro pro Jahr. Er hat bisher ein Büro mit zwei Mitarbeitern zur Verfügung gehabt. Die Kosten dafür liegen laut Bundespräsidialamt im Jahr bei 180 000 Euro. Scheel darf eine Dienstlimousine in Anspruch nehmen, den Chauffeur stellt die Stadt Bad Krozingen, bezahlt werden die Fahrten vom Bundespräsidialamt

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