Früherer Skandalboxer kommt nach Stuttgart Mike Tyson duldet bei seinen Auftritten keine Journalisten

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Mike Tyson lässt keine Journalisten zu, wenn er am 21. April bei seinem Auftritt im Stuttgarter Cinemaxx seine „wahre Geschichte“ erzählt. Unser Kolumnist Uwe Bogen fragt: Wovor hat der frühere Skandalboxer Angst?

In zehn Städten will Boxlengede Mike Tyson seine „wahre Geschichte“ erzählen – Medienvertreter sind unerwünscht. Foto: dpa
In zehn Städten will Boxlengede Mike Tyson seine „wahre Geschichte“ erzählen – Medienvertreter sind unerwünscht. Foto: dpa

Stuttgart - 289 Euro kostet das Golden-Ticket, das Stephan Hewel gekauft hat. Der Logistik-Unternehmer aus Ditzingen will dabei sein, wenn Mike Tyson an diesem Samstagabend in einem 400 Personen fassenden Cinemaxx-Kinosaal im SI-Centrum in den Ring steigt, den man extra auf die Bühne baut. Dort soll er sich mit Moderator Pietro Polidori einen verbalen Schlagabtausch liefern. An spektakulärem Gesprächsstoff mangelt es nicht.

Hewel, der vor zehn Jahren die Babbelrunde gegegründet hat, in der sich etwa 300 Unternehmer austauschen und für Soziales spenden, versucht, die Faszination zu erklären, die vom Boxer mit dem Tattoo über der rechten Gesichtshälfte ausgeht. „Vielleicht ist es die Achterbahn des Lebens, die Tyson teils selbst verursacht hat oder die von Dritten beeinflusst wurde“, sagt der Unternehmer. Extreme Gegensätze vereine „Iron Mike“ in sich: „Er ist eine starke und schwache Persönlichkeit – Boxer und Taubenzüchter in einem, fürsorglicher Vater und Straftäter, ein Trottel und doch mit Empathie ausgestattet.“ Neben Ali sei Tyson ein „einzigartiger Champ“, den er – bei allem Respekt für seinen Freund Wladimir – „weit über den Klitschkos einreiht“.

„Die Events sind ohne Presse“, schreibt der Manager

Stephan Hewel wird in einem von starken Ordnern gesicherten Kinosaal des SI-Centrums sitzen – bei einer Veranstaltung, die, wie „Der Spiegel“ schreibt, „genial“ werde könne oder „ein Deasaster“. Tysons Tourmanager Radim Tauchen und sein Team packten das Leben des 51-Jährigen „in Watte“ und hofften dabei, dass ihr Schützling nicht aneckt. Manchmal klappe es, manchmal nicht. „Sie haben es nicht in der Hand“, schreibt der „Spiegel“, „niemand hat es.“

Zumindest haben es die Helfer in der Hand, wer kommen darf und wer nicht. Journalisten dürfen nicht kommen. Möglicherweise könnten sie miterleben, wenn Tyson einen schlechten Tag hat.Wie dies üblich ist, wollte sich unserer Zeitung für die Erzähltour des Boxers akkreditieren. Manager Tauchen schrieb uns per Mail zurück: „Vielen Dank fur die Anfrage. Die Events sind ohne Presse. Also ist auch eine Akkreditierung nicht möglich.“

Die Boxlegende gibt keine Autogramme

In Wien startet am Mittwoch die Tour, die Tyson durch zehn Städte in Österreich und Deutschland führt. „Alle Events sind smartphone-freie Veranstaltungen“, steht in der Online-Ankündigung. Selfies sind verboten. Während nach dem Talk Besitzer des silbernen Tickets den Saal verlassen müssen, bekommt man mit dem Iron- und Gold-Ticket ein Foto mit dem früheren Box-Weltmeister, der wegen Vergewaltigung im Gefängnis saß, „in einem schönen Rahmen“. Aus „Zeitgründen“ seien Autogramme nicht möglich. Wer eines wolle, kann sich von ihm bereits signierte Sportsachen kaufen.

Die saftigen Preise erklären die Tourmanager mit „hohen Kosten und hohen Steuern“. Es gebe keine Sponsoren, man bezahle 28 Leute, die in drei Doppeldecker-Tourbusse unterwegs seien. Was Tauchen nicht so deutlich sagt, weiß jeder auch so: Der Ex-Champ braucht ein paar Euros. Acht Kinder von vier Frauen hat er, nach eigenen Angaben seit seinem ersten WM-Sieg 500 Millionen Dollar verprasst.

Keiner will ihm ein Ohr abbeißen

Vielleicht hat Stephan Hewel ein bisschen Mitleid, wenn er ihn am Samstag im Möhringer Cinemaxx sieht – und er sammelt mit seiner Babbelrunde für Tyson.

Auf die Lauer wird sich am Samstag kein Fotograf unserer Zeitung legen, um den früheren Skandalboxer zu erwischen. Keiner von uns will ihm ein Ohr abbeißen und nicht mal eins abschwätzen. Es gibt Wichtigeres in dieser Stadt, als dass ein Amerikaner Geld verdienen will.




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