Frühlingserwachen Stuttgart brütet etwas aus

Ulrich Schmid Foto: Michael Steinert
Ulrich Schmid Foto: Michael Steinert

Im Rosensteinpark stehen viele paarungsbereite Vögel vor derselben Herausforderung, die auch viele menschliche Stadtbewohner bewegt: Der Wohnungsmarkt ist umkämpft und das Angebot deckt nicht die Nachfrage.

Leben: Erik Raidt (era)
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Stuttgart - Der Frühling klingt mitunter ziemlich seltsam, und das muss nicht zwangsläufig daran liegen, dass nachts die Balzrufe paarungsbereiter Großstädter durch die Häuserschluchten hallen. Wer in diesen Tagen durch die Anlagen des Rosensteinparks spaziert, braucht sich nicht zu wundern, falls er über seinem Kopf einen Frosch im Baum quaken hört. Auch wenn es im Geäst eines der alten Riesen plötzlich klingelt, ist das noch kein Grund zur Sorge, sondern vielmehr ein Beleg dafür, dass der Frühling bevorsteht: Als eine der ersten Zugvogelarten sind die Stare nach Stuttgart zurückgehrt.

Jeden Morgen hört Ulrich Schmid ihr vielstimmiges Konzert. Mit der Morgensonne beginnen die Stare in den gewaltigen Platanen vor dem Schloss Rosenstein zu singen. Schmid, der die Öffentlichkeitsarbeit des Naturkundemuseums leitet, kennt ihren Gesang und er weiß auch um eine Eigenart der Tiere, die gerne alle möglichen Laute aus ihrer Umgebung imitieren – auch Frösche und Handy-Klingeltöne.

Wer zuerst kommt, brütet zuerst

Unüberhörbar und unübersehbar hat vielerorts in Stuttgart das Frühlingserwachen begonnen. Das wilde Stuttgart sucht sich seine Nischen, bei den Vögeln läuft die Suche nach geeigneten Brutplätzen auf Hochtouren. Die Nistfrage ist für Stare, Meisen, Papageien und Hohltauben eine Überlebensfrage. Im Rosensteinpark stehen die Vögel vor derselben Herausforderung, die auch viele menschlichen Stadtbewohner bewegt: Der Wohnungsmarkt ist umkämpft, oft deckt das Angebot nicht die Nachfrage. „Bei den Zugvögeln kann es ein großer Vorteil sein, wenn man als erster eine Bruthöhle besetzt“, erzählt Schmid, „das schafft klare Verhältnisse.“

Bei jenen Vögeln, die ihren Nachwuchs in Bruthöhlen aufziehen, lautet die wichtigste Spielregel: „Du brauchst eine Höhle, sonst kannst du keine Familie gründen“, sagt Ulrich Schmid, der sein Fernglas beim Rundgang durch den Park oft dabei hat. Schmid kneift die Augen zusammen, er sucht die Bäume nach dunklen Stellen ab. Die Farbkontraste weisen oft auf Spalten und Löcher hin, in die bereits im Februar die ersten Mieter eingezogen sind.




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