Gestankquelle? Als sicher gilt, dass der unangenehme Geruch irgendwo aus dem Gewerbegebiet Brennerstraße kommt. Foto: Simon Granville
Geschichten des Jahres aus Leonberg und Umgebung: Woher stinkt’s in Leonberg? Das vermochten im Jahr 2025 weder Stadt noch Landkreis herauszufinden. Was bleibt, ist Frust.
Was hatten sich die betroffenen Bürgerinnen und Bürger Hoffnungen gemacht: Im Interview mit unserer Zeitung im September hatte der damalige Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn verkündet, die Quelle des ekelerregenden Gestanks ausfindig gemacht zu haben. Der äußerst unangenehme Geruch – heiße Kunststoffbeschichtungen? Bitumen? Etwas völlig anderes? – zieht bereits seit Jahren mal mehr, mal weniger intensiv über Teile des Stadtgebiets – und gibt seitdem Rätsel auf.
Im Frühsommer 2025 kam Schwung in die Nachforschungen. Doch nach wie vor ist für die Öffentlichkeit unklar, woher der nur schwer definierbare Mief kommt. Denn Cohn hatte zwar betont, „ganz nahe an einer Lösung“ zu sein und „besonders wegen des Engagements unseres Katastrophenschutzes“ die Quelle lokalisiert zu haben. Das Hintertürchen ließ er jedoch offen. Es lautete: „Wir wollen uns erst hundertprozentig sicher sein, bevor wir an die Öffentlichkeit gehen.“
Dass auf die Quasi-Ankündigung bis zu Cohns Abschied Ende November keine belastbaren Aussagen folgten, sorgte bei den Betroffenen für Enttäuschung – wie auch zahlreiche Zuschriften an unsere Zeitung zeigten. Anfang Dezember teilte dann auch die Firma Geze auf Nachfrage mit, nichts mit dem Gestank zu tun zu haben. In der Öffentlichkeit war das Unternehmen mit Sitz im Gewerbegebiet Brennerstraße von vielen Betroffenen verdächtigt worden.
Die Kern-Aussage der Geze-Mitteilung las sich so: „Nach Auskunft der Behörden ergaben die Kontrollen keine Beanstandungen und keine Hinweise darauf, dass von unserem Standort Geruchsbelästigungen oder sonstige Beeinträchtigungen der Umweltqualität ausgehen.“ Als Unternehmen, das seit Jahrzehnten in Leonberg ansässig ist, nehme man die Anliegen der Nachbarinnen und Nachbarn sehr ernst. Im aktuellen Fall zu den Geruchswahrnehmungen im Gewerbegebiet Brennerstraße unterstütze man die zuständigen Behörden „selbstverständlich bei deren Untersuchungen transparent und konstruktiv“.
Das Gewerbegebiet Brennerstraße in Leonberg: Irgendwo dort befindet sich die Gestanksquelle, sind sich die Behörden sicher. Foto: Simon Granville
Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt der Gestank jedoch tatsächlich aus dem Gewerbegebiet Brennerstraße. Woher genau, vermag niemand zu wissen. Wenig Hoffnung machte noch vor dem Geze-Dementi auch die Ansage der Stadt. „Die Stadtverwaltung bittet die Bevölkerung um Verständnis dafür, dass die Handlungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund derzeitiger Erkenntnislage ausgeschöpft sind“, hieß es da auf Nachfrage in einer Mitteilung.
Die Gewerbeaufsicht des Landratsamts Böblingen habe „in Anbetracht der Geruchsbeschreibungen und eingegangenen Beschwerden“ zahlreiche Dokumente zu betriebsbezogenen, technischen Anlagen im Gewerbegebiet ausgewertet. Darüber hinaus habe es zu unterschiedlichen Zeitpunkten weitere Betriebskontrollen vor Ort gegeben, um den Verursacher ausfindig zu machen. Mit einbezogen war auch die Landesanstalt für Umwelt. Das Ergebnis: Es gab keines.
Beim Gestank machen Stadt Leonberg und Landkreis gemeinsame Sache
Wenigstens, so könnte man nun sagen, arbeiten Landkreis und Stadt beim Thema wieder zusammen. Denn so ganz einig darüber, wer denn nun in Sachen Gestank nachforschen darf oder muss, war man sich in der Vergangenheit nicht. Cohn machte die Angelegenheit im Juni vermeintlich zur Chefsache. Die Antwort der Kreisbehörde ließ jedoch nicht lange auf sich warten: „Von einer Übertragung der Zuständigkeiten kann keine Rede sein.“ In der Folge hatte man sich wieder gemeinsam auf Spurensuche begeben.
Allerdings erfolglos. Als sicher dürfte daher gelten, dass sich Leonbergs neuer Oberbürgermeister Tobias Degode über kurz oder lang mit dem Thema konfrontiert sehen wird – wenn es nicht schon längst geschehen ist. Der Ausgang der Angelegenheit ist nach wie vor mehr als offen.