Frust im Football-Club Stuttgart Scorpions müssen absteigen
Der deutsche Vizemeister von 2007 steigt aus der German Football League (GFL) ab, weil er für die Relegation zu wenig spielfähige Akteure hat. Doch das ist nur eine Ursache.
Der deutsche Vizemeister von 2007 steigt aus der German Football League (GFL) ab, weil er für die Relegation zu wenig spielfähige Akteure hat. Doch das ist nur eine Ursache.
Stuttgart - Mit einem Snickers kommt die Welt von Roland Pellegrino nicht wieder in Ordnung, wie es der Slogan für den Schokoriegel („Wenn’s mal etwas länger dauert“) vorgaukelt. Es hat deutlich länger gedauert, das Urteil des American Football Verbandes Deutschland (AFVD) zum Spiel der Allgäu Comets, die am 24. Juli wegen eines Coronafalles bei Frankfurt Universe nicht in Hessen angetreten waren. Sieben Wochen hat es gebraucht, bis klar war: Die Partie wird 20:0 für Universe gewertet – damit steht auch fest, dass die Scorpions als Tabellenletzter der GFL gegen GFL-2-Meister Straubing Spiders in die Relegation müssen.
„Es ist kaum akzeptabel“, schimpft Scorpions-Präsident Pellegrino, „dass die finale Entscheidung erst nach dem letzten Vorrundenspieltag feststand, also sieben Wochen nach dem Ereignis.“ Im Club aus Stuttgart fühlen sie sich vorgeführt, weil der Verband am 11./12. September einen Nachholspieltag im Terminplan stehen hatte, der aber nicht genutzt wurde. „Warum hat man das nicht getan?“, fragt Pellegrino. „Die Zeit, das so zu entscheiden, wäre gegeben gewesen.“ Es wäre eine sportliche Entscheidung in Zusammenhang mit Auf- oder Abstieg gewesen, keine am Grünen Tisch. Die lange Unklarheit über die Wertung sowie die Wartezeit seit dem letzten GFL-Spieltag am 4. September bedeuten für die Scorpions eine zweite, weit härtere Folge: Sie haben aktuell nur noch 20 einsatzbereite Footballer, der Rest ist krank, verletzt oder im Urlaub – gemäß Bestimmungen muss ein Team aber mit mindestens 25 Spielern antreten.
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Ergo: Die Stuttgarter können die Relegationsspiele gegen die Straubing Spiders nicht bestreiten. „Wir stehen als Absteiger fest und gehen in die GFL 2“, teilt Pellegrino ebenso zerknirscht wie verärgert mit, stellt aber klar, dass er „den Comets in keiner Weise böse ist“. Den direkten Vergleich mit Frankfurt in der Liga hatten die Scorpions mit 55:20 klar für sich entschieden, somit waren die Punkte am Grünen Tisch entscheidend. „Deshalb schmerzt uns der Lauf der Dinge ganz besonders“, stöhnt der Clubchef.
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Womöglich hätten die ersatzgeschwächten Stuttgarter die Relegation gegen die Spiders, die ordentlich aufgerüstet und den Aufstieg als Ziel proklamiert hatten, sowieso verloren – doch das spielt letztlich keine Rolle mehr. Die Scorpions spielen im nächsten Jahr in Liga zwei, dort waren sie seit 1994 nicht mehr – der Abstieg des deutschen Vizemeisters von 2007, des zweimaligen Südmeisters (1998, 2007) stellt eine Zäsur in Football-Stuttgart dar. Eine, die sich angekündigt hat, nachdem sich der Club in einer Mitgliederversammlung dagegen entschieden hatte, eine Mannschaft in die neue European League of Football (ELF) zu entsenden. So gründete sich Stuttgart Surge, zahlreiche Spieler und wichtige Funktionäre wanderten in die semiprofessionelle Liga ab – ein Aderlass, den die Scorpions nicht verkraftet haben. „Es lief alles gegen uns“, klagt Pellegrino. Nun will der Verein in der Ausbildung von Jugendspielern die Grundlage schaffen, um eines Tages wieder in die GFL aufzusteigen. Auch das könnte etwas länger dauern – egal, ob mit oder ohne Schokoriegel.