„Fucking Red“ Angst vor Energy-Traubensaft

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Red Bull klagt gegen das Patent eines Kleinunternehmers – ohne Erfolg. Dennoch hat der Getränkehersteller versucht, die ungeliebte Marke „Fucking Red“ stark einzuschränken.

Da ist man platt: Red Bull agiert vor Gericht unkonventionell. Foto: factum/Granville
Da ist man platt: Red Bull agiert vor Gericht unkonventionell. Foto: factum/Granville

Vaihingen/Enz - Einen Punkt hatte die dreiköpfige Anwaltsentourage von Red Bull schnell begriffen: mit seiner Klage beim Bundespatentgericht in München gegen die Marke „Fucking Red“ des Vaihinger Kleinunternehmers Hans-Jörg Schaller hatte der Energygetränkehersteller schlechte Karten. Also ließen sich die Anwälte auf einen Kompromiss ein. Schaller dürfe, so die Einigungsformel, unter seiner Marke wie gewünscht Rotwein verkaufen, darüber hinaus Traubensaft und alkoholische Getränke (so lange nichts Aufputschendes drin ist), zudem darf er auch noch Textilien damit bedrucken. Hauptsache, er verkauft damit kein Energygetränk.

Der Verhandlungsführer des Konzerns sicherte sich telefonisch in der Zentrale im österreichischen Fuschl am See ab, dann diktierte er gemeinsam mit Schallers Anwältin Gabriele Mohsler den Kompromisstext. „Wir haben gedacht, damit wäre die Sache erledigt“, sagt Schaller. Doch dann kam der Rückzieher.

Fucking liegt unweit von Fuschl

Der Anwalt von Red Bull versuchte klammheimlich, die ausgehandelten Einschränkungen für Schallers Marke auszuweiten. Er dürfe nur „Traubensaft, (. . .) nicht vermischt mit oder enthaltend Energydrinks, Koffein, Taurin und/oder Guarana“ enthalten, heißt es in einem Schreiben des Anwalts. „So was geht gar nicht“, sagt Schaller. Offenbar habe Red Bull große Angst, dass er mit einem Energy-Traubensaft den Markt überschwemmen wolle. Seine Anwältin Gabriele Mohsler kontaktierte die Red-Bull-Vertreter und ließ sie wissen, dass Schaller gewillt sei, es auf ein Urteil ankommen zu lassen. Prompt machte die Gegenseite einen Rückzieher.

Red Bull hat es bereits mehrfach abgelehnt, zu dem Verfahren Stellung zu nehmen. Schaller sieht in der „Traubensaft-Affäre“ nicht die einzige Panne in einem ohnehin grotesken Verfahren. Der Vaihinger, der unter der Marke „Fucking Hell“ erfolgreich Bier vermarktet, wollte sein Portfolio auf gehobenen, „verdammt roten (fucking red)“ Rotwein erweitern. Doch im Markennamen „Fucking Red“ sah Red Bull eine Verletzung seiner Rechte. Einerseits, weil das Unternehmen sich für seine „Red Edition“ die Wortmarke „Red“ hat schützen lassen. Andererseits lege das Wortspiel mit „Fucking“ – ein englischer Fluch und ein Ort in Österreich zugleich – beim Verbraucher den Schluss nahe, dass es sich um denselben Hersteller handle. Schließlich liege Fucking nur wenige Kilometer vom Red-Bull-Firmensitz Fuschl am See entfernt.

Bier mit Wein verwechselt

Doch diese Argumente überzeugten die Richter in München ebenso wenig wie viele der sonstigen Einwände. Als eine beisitzende Richterin den Anwalt fragte, ob er wisse, was die Gegenseite denn mit ihrer Marke tun wolle, reagierte der Anwalt verunsichert. „Ich denke, Bier verkaufen“, sagte er fälschlicherweise. Auch die Frage der Vorsitzenden Richterin, ob Red Bull denn mal versucht habe, einen Kompromiss mit Schaller zu schließen, konnte der Anwalt nicht beantworten.

Schallers Vertreterin half ihm auf die Sprünge. Sie habe sich bei Red Bull gemeldet, dann aber nie einen Rückruf erhalten. Daraufhin habe sie die Sache auf sich beruhen lassen. „Schließlich sind wir keine Bittsteller“, sagte Gabriele Mohsler.

Schaller ist jedenfalls zufrieden mit dem Ausgang des Verfahrens. Und: er hat mit Bertram Haak einen ersten potenziellen Lizenznehmer gefunden. Der ehemalige Geschäftsführer der Kellerei Roßwag-Mühlhausen sucht zurzeit eine neue berufliche Herausforderung – und er mag Rotwein – am liebsten wenn er „Fucking Red“ ist.