Führender KI-Forscher „KI wird einmal das All erobern“
Fünf Expertinnen und Experten blicken beim Thema Künstliche Intelligenz in die Zukunft. In diesem Gastbeitrag: Jürgen Schmidhuber, einer der führenden KI-Forscher.
Fünf Expertinnen und Experten blicken beim Thema Künstliche Intelligenz in die Zukunft. In diesem Gastbeitrag: Jürgen Schmidhuber, einer der führenden KI-Forscher.
Stuttgart - Zum Abschluss unserer Serie rund um das Thema Künstliche Intelligenz haben wir fünf Expertinnen und Experten um einen Blick nach vorne gebeten. In ihren Gastbeiträgen formulieren sie zwischen visionärem Optimismus und Skepsis die Herausforderungen und Chancen, die mit dieser Technologie verbunden sind.
In diesem Gastbeitrag schreibt Jürgen Schmidhuber, einer der führenden KI-Forscher und wissenschaftlicher Direktor am Schweizer KI-Labor IDSIA:
„Das Universum ist gut 13 Milliarden Jahre alt. Teilen wir dieses Zeitintervall durch 1000. Vor gut 13 Millionen Jahren tauchten die ersten Hominiden auf, unsere Vorfahren. Teilen wir nochmals durch 1000: Domestizierung der Tiere, Ackerbau, erste Siedlungen – der Beginn der Zivilisation. Wir sehen: Die gesamte Zivilisationsgeschichte umfasst gerade ein Millionstel der Weltgeschichte. Aus kosmischer Sicht lebte der erste Bauer fast zur selben Zeit wie die Erbauer des ersten Allzweck-Computers (Konrad Zuse, 1941).
Die vom Menschen dominierte Zivilisationsgeschichte, wie wir sie kennen, könnte sich in kommenden Jahrzehnten ihrem Ende zuneigen. Viele neugierige meta-lernende KIs, die ihre eigenen Ziele erfinden, werden sich schnell verbessern, begrenzt nur durch die fundamentalen Grenzen der Berechenbarkeit und der Physik. Was werden supersmarte KIs tun?
Der Weltraum ist menschenfeindlich, aber freundlich zu entsprechend konstruierten Robotern. Während einige neugierige KIs weiterhin vom Leben fasziniert sein werden, zumindest solange sie es nicht vollständig verstehen, werden die meisten KIs mehr an den unglaublichen neuen Möglichkeiten für Roboter und Software-Leben draußen im Weltraum interessiert sein.
Durch unzählige selbstreplizierende Roboterfabriken im Asteroidengürtel und darüber hinaus werden KIs das Sonnensystem umgestalten und dann innerhalb von ein paar Hunderttausend Jahren die Milchstraße und innerhalb von einigen zig Milliarden Jahren den Rest des erreichbaren Universums. Die sich anbahnende KI-Revolution ist also mehr als nur eine weitere industrielle Revolution. Dies ist etwas Neues, das die Menschheit und sogar die Biologie übersteigt.“
Wie Franziska Mathis-Ullrich, Juniorprofessorin im Bereich Medizinrobotik am Karlsruhe Institute of Technologie, die Zukunft der KI einschätzt, lesen Sie hier. Alle Teile unserer Serie zur Künstlichen Intelligenz finden Sie auf dieser Seite.