Aktuell läuft bundesweit eine Führerschein-Umtauschaktion. Auch im Kreis Böblingen sind Menschen, deren Führerscheine noch kein Ablaufdatum haben, angehalten, ihre Fahrerlaubnis gegen einen neuen EU-Führerschein einzutauschen. Der Zeitpunkt der Abgabe richtet sich nach dem Jahr, in dem der Führerschein erworben wurde. Noch bis Montag, 19. Januar, können all jene den Umtausch beantragen, die zwischen 1999 und 2001 die Fahrprüfung bestanden haben. Eine Ausnahme: Wer vor dem Jahr 1953 geboren wurde, hat dagegen bis zum 19. Januar 2033 Zeit, den Führerschein umzutauschen.
Führerschein-Umtausch nicht vor Ort
Mit dem Ablauf der Frist erlischt nicht die Fahrerlaubnis. Trotzdem ist der Umtausch verpflichtend. Wer nach Fristende in eine Kontrolle kommt, muss unter Umständen mit einer geringen Geldstrafe rechnen. Das Landratsamt Böblingen und der ADAC raten darum, mit dem Umtausch nicht bis zur letzten Möglichkeit zu warten. Wer erst kommendes Jahr seinen Führerschein umtauschen müsste, könne den Prozess jetzt schon starten, damit die Ämter im nächsten Januar nicht überlastet werden.
Den Führertausch-Umtausch selbst würden sich viele Böblinger allerdings einfacher wünschen. Mehrere Zuschriften an unsere Zeitung berichten von komplizierten und langwierigen Abläufen. Das Landratsamt rät nämlich davon ab, zum Umtausch persönlich zur Führerscheinstelle zu kommen. „Aufgrund begrenzter Kapazitäten werden Termine für andere Verfahren vergeben, die ein persönliches Erscheinen verlangen“, erklärt Landkreissprecher Benjamin Lutsch.
Somit müssen die Betroffenen den Antrag auf Erstellung eines Ersatzführerscheins online auf der Webseite des Landratsamts ausfüllen. Der muss ausgedruckt, unterschrieben und zusammen mit Kopien von Personalausweis und Führerschein bei der Führerscheinstelle eingereicht werden. Dann wird eine Befreiung von der Mitführungspflicht des Führerscheins an den Antragsteller geschickt. Der muss dann den alten Führerschein einschicken, um schließlich den neuen EU-Führerschein zu bekommen. Die Bearbeitungszeit wird aktuell auf 16 Wochen geschätzt.
ADAC findet: Vorgang nicht unnötig kompliziert
Ein 42-jähriger Aidlinger, der sich an die Redaktion gewandt hat, ärgert sich über das Verfahren. „Ich dachte, ich könnte das einfach schnell digital machen“, sagt er. Stattdessen sei es nötig, das aktuelle Passfoto, das man für den Antrag braucht, von Hand auf das Dokument zu kleben.
Kreissprecher Lutsch bestätigt diese Beschreibung des Vorgangs. Eine Unterschrift von Hand auf dem Antragsdokument sei nötig. „Die Grenzen eines vollständig digitalisierten Prozesses setzt der Gesetzgeber, nicht das Landratsamt“, so Lutsch. Man wolle den Betroffenen eine Antragstellung ermöglichen, für die sie nicht ins Landratsamt kommen müssten. „Aus unserer Sicht ist der praktizierte Ablauf am bürgerfreundlichsten.“
Für den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) ist die Handhabung des Führerschein-Umtauschs verbesserungsfähig. „Es wäre klasse, wenn man das komplett digital machen könnte“, sagt ein Sprecher des ADAC Württemberg. Aber das sei kein Problem, bei dem der Kreis Böblingen einzigartig sei. „Mehr Digitalisierung wäre überall in Deutschland super.“ Dadurch, dass es theoretisch die Möglichkeit gibt, einen Termin bei der Führerscheinstelle zu machen – auch wenn das Landratsamt davon abrät – sei der Ablauf der Umtauschaktion den Böblingerinnen und Böblingern zuzumuten. Das Fazit des ADAC-Sprechers ist: „Es ist nicht ungewöhnlich kompliziert, aber ein bisschen geschickter könnte man es sicher lösen.“