Führung durch die Parkseen in S-West Im Notfall mit dem Eimer an den Pfaffensee

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Tag des offenen Denkmals: Mit dem Fahrrad auf den Spuren der Wasserversorgungs-anlage an den Parkseen. Der Anzahl der Anmeldungen nach scheint das Interesse an den Parkseen recht groß zu sein.

  Foto: Sabine Schwieder
  Foto: Sabine Schwieder

S-West - Spaziergänger, die an den Seen im Stuttgarter Südwesten entlang laufen, wundern sich manchmal über Hinweise auf die Trinkwasserversorgung. Die wenigsten wissen, dass sie es mit einem Denkmal-Ensemble zu tun haben, das im Falle eines außergewöhnlichen Notfalls heute noch für ausreichend Wasser für die Stadt sorgen könnte. Am Tag des offenen Denkmals hatten Interessenten die Gelegenheit, mit dem Fahrrad die historische Wasserversorgung zu erkunden. Eingeladen hatte die EnBW, die für die Parkseen und die damit zusammenhängenden technischen Einrichtungen zuständig ist.

„Im Notfall kriegt jeder einen Eimer und eine Chlortablette“

Das Stuttgarter Trinkwasser stammt unter anderem vom Bodensee, doch die vom 16. Jahrhundert an künstlich angelegten Parkseen sind nach wie vor in Gebrauch. „Im Notfall kriegt jeder einen Eimer und eine Chlortablette“, erläuterte der Teamleiter, der Ingenieur Joachim Gelewski, schmunzelnd. Das sei allerdings noch nie vorgekommen. Und doch ist das der Grund, warum keiner der fünf Seen bislang zum Baden freigegeben wurde. Die Fahrradtour begann am Katzenbacher Hof und führte entlang des schmalen Hangkanals, der zum Teil offen, zum Teil über Rohre verläuft. Von den fünf Parkseen ist der Pfaffensee der älteste, der bereits im Jahr 1566 entstanden ist. Nötig geworden war der Aushub, weil die Fürsten mit ihrer Vorliebe für Wasserspiele den Müllern das Wasser entzogen. Um den Nesenbach besser zu versorgen, ließ man sich im Laufe der Jahrhunderte einige technische Neuerungen einfallen.

Kurioses Denkmal am Hangkanal

1618 folgten der Bärensee und 1833 der Neue See, der ein reiner Speicher ist. Doch das Wasser musste über Berg und Tal gebracht werden, bevor es den Nesenbach erreichen konnte. Und so wurde 1812 der etwa 3000 Meter lange Hangkanal gebaut. Im gleichen Jahr entstanden die jüngsten Errungenschaften: der Katzenbach- und der Steinbachsee, die zusammen etwa 120 000 Kubikmeter Wasser umfassen, also kleiner sind als die übrigen. Ein Kuriosum am Rande stellte Cornelia Engel von der EnBW vor, die ihre Zuhörer auf das Demmler-Denkmal am Hangkanal aufmerksam machte. Es wurde 1622 von einem reichen Tuchhändler errichtet, der auf der Heimreise von Nördlingen nach Calw just an dieser Stelle seinen 13-jährigen Sohn verlor. Ob durch Krankheit oder durch Unfall ist nicht bekannt. Jedenfalls ließ der trauernde Vater an dieser Stelle ein Denkmal aufstellen, was ihm nur erlaubt wurde, nachdem er dem Armenhaus von Stuttgart 200 Gulden geschenkt hatte. 1910, als dort eine Straße gebaut wurde, erstand das Denkmal neu – im Geschmack der damaligen Zeit mit Engelsköpfen und einem Obelisken geschmückt.

Großes Interesse an den Parkseen

Vom östlich gelegenen Pfaffensee führte die Fahrradtour zum Bolzenhäusle, das den Eingang zum bereits 1566 entstandenen Christophstollen markiert. Der Name könnte auf eine Zeit hindeuten, in der Wasser noch nicht in Kubikmetern gemessen wurde, sondern anhand von Holzplatten, in die Bolzen gesetzt waren. „Der Chris­tophstollen, durch den das Wasser transportiert werden sollte, war anfangs gebaut wie eine Achterbahn“, erklärte Thomas Zuber, Meister bei der EnBW, die technischen Probleme des 16. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit wurde die Technik allerdings verbessert. „Hut ab vor der Leistung dieser Leute“, sagte Thomas Zuber anerkennend: An dieser Stelle eine Gussleitung einzuziehen, sei sicherlich nicht einfach gewesen.

Sein Kollege Frank Weber findet einen anderen Aspekt des Stollens faszinierend: Man habe 1566 Fachleute unter anderem aus dem Bergbau im Erzgebirge hinzugezogen, allerdings an den Kosten sparen wollen und so die Besten unter ihnen vertrieben. „Dann musste man nachbessern. Das kommt uns doch bekannt vor“, war sein Kommentar.

Den Abschluss der Tour bildete die Besichtigung der Heslacher Wasserfälle, über die das Wasser 100 Höhenmeter überwindet. „Zu ihrer Zeit waren die Wasserfälle ein beliebtes Ausflugsziel. Heute haben sie ein bisschen ihren Charme eingebüßt“, sagte Frank Weber. Nach einer kurzen Pause für das Team wurde am Nachmittag eine zweite Führung angeboten. Auch hier gab es über 20 Anmeldungen: Das Interesse an den Parkseen scheint recht groß zu sein.

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