Führungschaos beim VfB Stuttgart Der Scherbenhaufen von Bad Cannstatt

Der VfB Stuttgart am Rande des Nervenzusammenbruchs: Adam Hlousek nach der 0:1-Heimniederlage gegen Augsburg. Foto: dpa 13 Bilder
Der VfB Stuttgart am Rande des Nervenzusammenbruchs: Adam Hlousek nach der 0:1-Heimniederlage gegen Augsburg. Foto: dpa

Der Trainer ist weg, die Mannschaft Letzter, die Führung ratlos: der VfB taumelt dem Abgrund entgegen. So katastrophal war die Lage seit Jahrzehnten nicht.

Sport: Marko Schumacher (schu)
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Stuttgart - Noch steht ein Bagger am Wegesrand. Daneben türmt sich der Bauschutt, ein Maler erledigt letzte Streicharbeiten. Schon bald aber wird hier alles besenrein sein – und dann leuchtet nur noch das dunkle Rot an der Außenfassade des neuen Nachwuchsleistungszentrums an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt. Am Mittwoch wird es feierlich eröffnet, das zehn Millionen Euro teure Vorzeigeobjekt des VfB Stuttgart, in dem neues Profipersonal ausgebildet und die Zukunft des Vereins gestaltet werden soll.

Das Problem ist nur: die Gegenwart. Sie ist so düster wie seit Jahrzehnten nicht. Wenn am Mittwoch die eine Baustelle geschlossen wird, dann bleiben andere, viel größere offen – und niemand scheint so genau zu wissen, wo man als erstes anpacken könnte. Der VfB, der einstmals stolze Traditionsclub von 1893 und Vierter in der ewigen Bundesligatabelle, sitzt auf einem Scherbenhaufen – und man fragt sich: wie tief kann ein Verein noch sinken?

Zweihundert Meter neben dem Clubgelände, im Bauch der Mercedes-Benz-Arena, hat an diesem Montagmittag die Vereinsführung Platz genommen und versucht, zumindest ein paar Scherben zusammenzukehren. Wieder einmal. Sie hat das, in wechselnder Besetzung, in den vergangenen Monaten und Jahren oft getan, wenn ein Trainer oder Manager mangels Erfolg gefeuert und der Neuanfang ausgerufen wurde. Genau zwei Monate ist es erst her, dass an dieser Stelle die Trennung von dem Sportvorstand Fredi Bobic verkündet wurde.

Veh hat die Hoffnung auf bessere Zeiten verkörpert

Diesmal verabschiedet sich Armin Veh. Seine Mannschaft ist Tabellenletzter, nach zwölf Spielen hat sie erst neun Punkte gesammelt. Veh muss ausnahmsweise nicht entlassen werden. Er hat, aufgrund „des fehlenden Quäntchen Glücks“, wie er sagt, in der Nacht nach der 0:1-Heimniederlage gegen Augsburg selbst das Handtuch geworfen. Doch das macht es nicht entscheidend besser. Denn nun ist auch Veh weg, der Meistertrainer des Jahres 2007, der erst im Sommer nach Stuttgart zurückgekehrt ist und die Hoffnung auf bessere Zeiten verkörpert hat.

Neben Veh sitzt Bernd Wahler auf dem Podium und eröffnet die Runde auch diesmal mit einem herzhaften „Grüß Gott auch von meiner Seite“. Ansonsten aber ist nicht viel übrig geblieben von dem Frohsinn und dem unerschütterlichen Optimismus, die zu seinen wesentlichen Charaktereigenschaften gehören. Kein Wunder: seine Zeit als VfB-Präsident ist geprägt von einer fast beispiellosen Pleitenserie. Von einer „ganz schwierigen Situation“, spricht Wahler und davon, dass es „nicht einfach ist, die Zukunft zu gestalten, wenn man dauernd Krisenmanagement betreiben muss.“ Vier Trainer hat der VfB in seiner knapp 15-monatigen Amtszeit verschlissen. Und sollte nun Huub Stevens zurückkehren, der ewige Feuerwehrmann, wäre dies zwar einerseits die logische Folge, andererseits aber auch der nächste Verzweiflungsakt. Denn mit den ursprünglichen Zielen, mit der von Wahler einst propagierten Sturm-und-Drang-Philosophie des Vereins hat der niederländische Defensivspezialist so wenig gemein wie der VfB mit der Teilnahme am Europapokal.

Mit einem kräftigen „Wow!“ erklomm Bernd Wahler im Juli 2013 die Bühne, nachdem er auf der Mitgliederversammlung mit 97,4 Prozent der Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt worden war. Er trat mit dem Vorhaben an, den Verein neu auszurichten – und musste anschließend erleben, wie sein gewaltiger Vertrauensvorschuss in kürzester Zeit regelrecht zerbröselte.




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