Führungskrise beim VfB Stuttgart Gerd Mäuser und der geordnete Rückzug

Der Abgang des VfB-Präsidenten Gerd Mäuser noch vor der Mitgliederversammlung am 22. Juli ist beschlossene Sache. Nun arbeitet Dieter Hundt an einem Notfallplan. Es geht schließlich auch um die Zukunft des Aufsichtsratschefs.

Gerd Mäuser (oben, links) Foto: Baumann 6 Bilder
Gerd Mäuser (oben, links) Foto: Baumann

Stuttgart - Dieter Hundt hat am Samstag das sportliche Entspannungsprogramm gewählt. Der Arbeitgeberpräsident schaute bei den Handballern von Frisch Auf Göppingen vorbei und sah einen Sieg des Bundesligisten im Europapokal gegen den spanischen Club aus Logroño. Während seine Ehefrau Christiane auf der Tribüne mitfieberte und jubelte, saß Dieter Hundt sehr nachdenklich wirkend daneben. Nach dem Stimmungskiller musste nicht lange gefahndet werden. Er war die Zeitungslektüre, die dem Aufsichtsratsvorsitzenden des VfB Stuttgart aufs Gemüt schlug.

In der Stuttgarter Zeitung und dann auch in den „Stuttgarter Nachrichten“ musste Hundt Berichte über den brachialen Führungsstil von Gerd Mäuser und den daraus entstanden Imageverlust des gesamten Vereins lesen. Er sei sehr besorgt über die öffentliche Beurteilung des VfB-Präsidenten, so wurde Hundt am Wochenende zitiert. Am Montag dann ließ er aus dem Chefvorzimmer seiner Allgaier-Werke in Uhingen weitergeben, dass er sich vor Ostern nicht mehr zur Situation beim VfB äußern werde.

Nach StZ-Informationen will Hundt derzeit so ungestört wie möglich und in Absprache mit dem VfB-Ehrenratsvorsitzenden Alfred Grupp den geordneten Rückzug des so unglücklich agierenden Gerd Mäuser vorbereiten. Nach Ostern soll den weiteren Mitgliedern des VfB-Aufsichtsrats der exakt ausgearbeitete Notfallplan vorgestellt werden. Und dieser Plan sieht offenbar vor, dass Mäuser noch vor der Mitgliederversammlung am 22. Juli zurücktreten wird.

Es geht auch um Hundts Zukunft

Aber nicht nur Gerd Mäuser spielt in den Überlegungen des Aufsichtsratschefs eine zentrale Rolle. Es geht schließlich auch um Dieter Hundts eigene Zukunft beim VfB, die nach seinem Willen im nächsten Jahr stilvoll enden soll – und nicht schon in diesem unter zu befürchtenden chaotischen Bedingungen bei der Mitgliederversammlung. Ein solches palastrevolutionäres Szenario könnte Wirklichkeit werden, wenn vorher nicht gehandelt wird. Um die Mitglieder zu besänftigen und sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen, reicht es vermutlich noch nicht, wenn Hundt ohne den von ihm vor zwei Jahren ins Präsidentenamt gehobenen Mäuser in die Hauptversammlung geht. Der Aufsichtsratschef muss auch einen Nachfolger präsentieren, der bei den Mitgliedern auf eine breite Zustimmung stößt.

Diesem Anspruch würde der allseits beliebte Ex-Präsident Erwin Staudt gerecht werden. „Wenn der Verein in Not gerät, stehe ich bereit, aber ich bin keine Lösung“, sagt der 65-Jährige. Übersetzt heißt das: Erwin Staudt stünde allerhöchstens als Präsidentennotnagel für eine Übergangszeit zur Verfügung, lieber würde er dem Verein aber an anderer Stelle helfen. Nicht in vorderster Reihe, eher im Hintergrund – als eine Art Integrationsfigur für die VfB-Mitarbeiter, für die Fans und die Sponsoren. Für Bereiche, in denen zuletzt immer lauter über die technokratische Herangehensweise und den herrischen Umgangston von Gerd Mäuser geklagt wurde.

Weitere Umbauarbeiten in Sicht

Mit der Ablösung des Präsidenten werden die personellen Umbauarbeiten beim VfB aber wohl noch nicht beendet sein. So scheint sich auch die Amtszeit von Gerd Mäusers Vorstandskollegen Ulrich Ruf dem Ende entgegenzuneigen. Besitzt der Finanzchef doch genauso wenig Rückhalt bei den Mitgliedern und Mitarbeitern wie der Präsident. Als Chef der Sparstelle wird Ruf als Transferverhinderer und damit als mitverantwortlich für den Stillstand beim Bundesligisten wahrgenommen. Auch soll die Motivation von Angestellten des Vereins nicht gerade zu den Stärken von Ulrich Ruf gehören. Das könnte auch daran liegen, dass dem 57-Jährigen mittlerweile selbst Motivationsprobleme nachgesagt werden und bei Beobachtern immer häufiger den Eindruck hinterlässt, seinen Ruhestand geradezu herbeizusehnen.

Als Kontrastprogramm zu Gerd Mäuser und Ulrich Ruf gilt im Verein, bei den Fans und Sponsoren Fredi Bobic. Der Manager ist zur Identifikationsfigur geworden, weil er ihm Unterschied zum Vorstand die Leidenschaft für den VfB lebt und dem Verein ein Gesicht gibt. Das könnte ihn zum entscheidenden Teil in Dieter Hundts Personalpuzzle machen.

Der Aufsichtsratschef wird nun sicher auch eine Variante in Betracht ziehen, wie sie beispielsweise beim 1. FC Kaiserslautern praktiziert wird. Dort bildet der ehemalige Sportdirektor Stefan Kuntz ein Vorstandsduo mit dem Unternehmer Fritz Grünewalt, der für den Finanzbereich zuständig ist. Geeignet für diesen möglichen Part beim VfB neben Fredi Bobic erscheint beispielsweise der Vorstandsvorsitzende der Mercedes-Benz-Bank, Franz Reiner. Der 45-jährige Chef des VfB-Hauptsponsors gilt als guter Repräsentant und Teamplayer, der von seinen Mitarbeitern geschätzt wird. Das sind Eigenschaften, die der VfB neben dem Fußballsachverstand von Fredi Bobic jetzt gut gebrauchen könnte. Das weiß auch Dieter Hundt.