Führungskultur Chefs finden sich gut – Untergebene sehen es anders

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Chefs haben ein gutes Bild von sich selbst. Doch der Führungsnachwuchs teilt dieses Selbstbild nicht. Das belegt eine Umfrage der Stuttgarter Initiative Zukunftsfähige Führung (IZF).

Dies ist nicht das Abbild einer modernen Führungsstruktur. Foto: dpa
Dies ist nicht das Abbild einer modernen Führungsstruktur. Foto: dpa

Stuttgart - Laut der im Auftrag der Stuttgarter Initiative Zukunftsträchtige Führung (IZF) erstellten Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Allensbach unter 278 Führungskräften und 273 Nachwuchskräften aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung ist noch viel zu tun, wenn sich in deutschen Unternehmen eine offene, moderne Führungskultur etablieren soll. Das Gesamtzeugnis lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Nur jede fünfte Nachwuchskraft hält den Führungsstil des Vorgesetzten für zukunftsfähig.

Ein wichtiger Kritikpunkt: Arbeitnehmer halten ihre Chefs nicht immer für verlässlich. Aber auch an der Bereitschaft, sich vielleicht auch einmal selber in Frage zu stellen, hapert es. Nur 38 Prozent der Nachwuchskräfte bescheinigen ihren Chefs, ein offenes Ohr für Kritik zu haben. Besonders unzufrieden sind Mitarbeiter allerdings damit, dass ihnen nicht genügend zugehört und Selbstverantwortung zugetraut wird. Während 78 Prozent der Chefs von sich sagen, dass sie Wert auf die Meinung der Mitarbeiter legen, sehen jene es nur zu 55 Prozent so. Es dominiere nach wie vor das Modell einer hierarchischen Führung, sagen die Autoren der Studie. Die Chefs selber sehen das allerdings vollkommen anders: 85 Prozent sind mit ihrer Rolle und wie sie diese ausfüllen ganz zufrieden.

Das führt auch dazu, dass der Elan und die Motivation der Belegschaft nicht genügend ausgeschöpft werden. Nur ein Drittel der Nachwuchskräfte, die in der Studie als akademisch gebildete Berufsanfänger definiert sind, fühlt sich genügend ermuntert. Auch die Erwartungen an eine flexible Arbeitszeit und eine bessere Vereinbarkeit von Familie bleiben offenbar häufig unerfüllt. „Es überrascht, wie viele gegensätzliche Ergebnisse die Studie liefert und wie weit die Wahrnehmungen von Führungskräften und Nachwuchs auseinanderliegen“, sagte der IZF-Vorsitzende Menno Harms, ehemaliger Deutschlandchef des IT-Konzerns Hewlett-Packard: „Die Ergebnisse der Befragung belegen für mich auch, dass Führungskräfte sich zukünftig noch bewusster mit den Bedürfnissen und Lebensvorstellungen ihrer Nachwuchskräfte auseinandersetzen und ihr eigenes Verhalten überprüfen müssen.“

Respektvoller Umgang mit Mitarbeitern?

Die Führungskräfte loben sich selbst etwa für ihren respektvollen Umgang mit den Mitarbeitern (87 Prozent). Doch nur 65 Prozent von denen nehmen das auch so war. Am krassesten ist der Gegensatz bei der Frage, ob der Chef Versprechen und Absprachen einhält: 84 Prozent der Chefs glauben das von sich. Doch nur 55 Prozent der Nachwuchskräfte sieht das so. Nachholbedarf sehen die Chefs vor allem bei ihren digitalen Kompetenzen im Bereich der Mitarbeiterführung.

Weniger als die Hälfte der Untergebenen glaubt, dass in den Firmen, in denen es Leitlinien für die Unternehmenskultur gibt, diese von ihren Chefs auch ernst genommen werden. Auch beim Blick auf die Zukunft klaffen die Sichtweisen auseinander: Neun von zehn erfahrenen Managern halten sich gut oder sehr gut auf kommende Aufgaben vorbereitet. Beim Blick auf ihren Chef bejaht, wie gesagt, nur jeder Fünfte der unmittelbar Untergebenen diese Frage.

Dabei gibt es jede Menge neue Baustellen, etwa die Integration von Beschäftigten unterschiedlicher Herkunft, Kultur oder Alter. Immerhin fast zwei Drittel der befragten Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung halten ihre Integrationsfähigkeit an diesem Punkt in Zukunft für wichtig. Auch eine bessere Balance zwischen Arbeit und Privatleben wird immer wichtiger. Führungsverantwortung wird für Nachwuchskräfte unattraktiv, wenn sie zu viele private Opfer mit sich zieht. Doch auch hier finden die Führungskräfte das für die Nachwuchsgewinnung so wichtige Thema weit weniger bedeutend als ihre Untergebenen.