Fridays for – was? Wer war das noch einmal? Spätestens seitdem die Letzte Generation mit ihren Straßenblockaden die Deutschen auf die Palme bringt, spricht kaum mehr jemand über Fridays for Future.
Die Massenproteste sind nicht mehr das Ziel
Politisch gesehen wurde vor fünf Jahren, am 20. August 2018, allerdings Weltgeschichte geschrieben. An jenem Montag ging Greta Thunberg, ein 15-jähriges Mädchen, am ersten Schultag nach den Ferien in Schweden nicht zur Schule, sondern setzte sich vor den Reichstag in Stockholm, in den Händen ein Schild: „Skolstrejk för klimatet“, also: Schulstreik fürs Klima. In Deutschland demonstrierte Fridays for Future erstmals im Dezember 2018. 2019 war dann das Jahr der Massenstreiks; von Deutschland über Australien bis Osttimor gingen Millionen auf die Straße – großteils junge Menschen.
Heute mobilisiert die soziale Bewegung nicht mehr die ganz großen Massen. Beim letzten globalen Klimastreik im März nahmen in Stuttgart laut Polizei rund 2000 Menschen teil, in Hamburg 5500. Doch offenbar sind die riesigen Proteste auch nicht mehr das Ziel. Stattdessen geht es den Aktivisten mehr um Zusammenarbeit mit anderen Initiativen, Gewerkschaften und Politikern.
Greta Thunberg wurde verehrt und gehasst
Was heute fast in Vergessenheit gerät angesichts der aufgeheizten Debatte rund um die Letzte Generation: Auch Greta Thunberg und Fridays for Future polarisierten anfangs stark, obwohl durch deren Proteste andere viel weniger beeinträchtigt wurden als dies nun bei den Straßenblockaden der Fall ist.
Thunberg erhielt zwar etwa den Alternativen Nobelpreis und wurde vom US-Magazin „Time“ zur jüngsten „Person of the Year“ gewählt. Sie wurde aber zugleich im Internet massiv beleidigt, bedroht und sexualisiert. Kritiker sprachen häufig von „Nervensäge“ oder „Panikmache“. Und Christian Lindner (FDP) sagte, dass Klimaschutz „etwas für Profis“ sei – und meinte damit Erwachsene und eben nicht Jugendliche, die die Schule schwänzten.
Wissen über die Klimakrise transportiert
Heute ist unumstritten, dass Fridays for Future Gewaltiges verändert hat – zum Positiven für den Klimaschutz. Als ein Erfolg gilt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2021. Damals bestätigten Richter, dass das deutsche Klimaschutzgesetz von 2019 in Teilen nicht mit den Grundrechten vereinbar war; es war zu lasch.
Fridays for Future hat zudem Wissen transportiert. Sicherlich durch Vereinfachung und Zuspitzung, aber immer wissenschaftsbasiert. Vor fünf Jahren war es zum Beispiel noch nicht Konsens, dass die Emissionen Deutschlands und anderer Industrienationen viel zu hoch sind. Oder dass es dringend Alternativen braucht zu fossilen Energien und der Massentierhaltung.
Radikaler Protest zeigt vor allem eines: Angst
Vor allem haben Fridays for Future erreicht, dass Klimaschutz mehrheitsfähig geworden ist. Bei der Bundestagswahl 2021 hatten sich fast alle Parteien Klimaschutz ins Wahlprogramm geschrieben. Es scheint heute ganz selbstverständlich, dass zum Wirtschaftsministerium auch das Klimaministerium gehört, oder dass sich Olaf Scholz (SPD) Klimakanzler nennt. Etliche Kommunen, Bundesländer und Nationen haben sich Klimaneutralitätsziele für die kommenden Jahre oder Jahrzehnte gesetzt; nicht nur Deutschland, auch etwa China.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Die meisten Länder – darunter Deutschland – erreichen ihre Klimaziele nicht. Für das 1,5-Grad-Ziel passiert viel zu wenig. Das war vor fünf Jahren so, das ist heute so. Fridays for Future hat deshalb auch immer wieder diskutiert, ob sie radikalere Protestformen wählen müssen. Dass sich nun Menschen auf die Straße kleben, zeigt letztlich vor allem eines: Angst. Angst davor, dass es zu spät sein könnte, die Klimaerwärmung noch in den Griff zu bekommen.