Fünf Jahre Là pour Là Mit eigenen Ideen gewinnen

Von Ina Schäfer 

Über Nischen, persönlichen Kontakt und Beratung behaupten sich kleine Läden gegen Onlineshops – in Stuttgart gelingt das einigen seit Jahren erfolgreich. Das Là pour Là etwa feiert am Samstag seinen fünften Geburtstag.

Maria-Assunta Marci   vor ihrem Shop im Fluxus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Maria-Assunta Marci vor ihrem Shop im Fluxus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Vor fünf Jahren lag ein Businessplan unter Maria-Assunta Marcis Weihnachtsbaum. Zumindest geht so die Geschichte, die sie und Hannes Steim über die Anfänge des Là pour Là erzählen. Das eigene Modegeschäft – der Businessplan und die dazugehörigen Räume – waren ein Geschenk Steims und die Erfüllung eines großen Traumes für Marci. Angefangen hat alles in einer wenig schmucken Passage nahe des Hauptbahnhofs, inzwischen befindet sich der Laden im Fluxus in der Calwer Passage. An diesem Samstag feiert Marci den fünften Geburtstag ihres Là pour Là.

Dass sie es mit ihrem kleinen Laden so weit geschafft hat, kann viele Gründe haben. An erster Stelle, hat die gelernte Modedesignerin in Stuttgart eine Nische getroffen. Sie verkauft hauptsächlich skandinavische Mode. Fashionistas wissen, was das heißt: schlichte, lässige Mode, die trotzdem besonders ist. „Ich möchte Stücke verkaufen, die es in der Stadt sonst nirgendwo gibt“, sagt Marci. Kleidung, die sie in Stuttgart selbst vermisst habe, die man in Städten wie Berlin oder Hamburg finde, aber nicht in der schwäbischen Landeshauptstadt. Inspiration holt sie sich – natürlich – in Skandinavien. Vor allem in Kopenhagen. „Was dort getragen wird, kommt erst in ein paar Jahren zu uns“, sagt sie. Marci leistet sozusagen modische Entwicklungshilfe bei den Schwaben.

Der Onlinehandel boomt

Mit einem kleinen Laden eine Nische zu treffen, wird immer wichtiger. Die Hauseingänge stehen voll mit Paketen. Das perfekte Geschenk wird herbeigegoogelt und in den Warenkorb gelegt. Alles bequem vom Sofa aus. Der Onlinehandel boomt. Im Jahr 2015 kauften deutsche Konsumenten Waren im Wert von 46,90 Milliarden Euro online. Damit wuchs der Onlinehandel mit Waren im Jahr 2015 um 12 Prozent – und liegt damit deutlich über dem Wachstum des gesamten Einzelhandels von 3,1 Prozent. Das ergab die groß angelegte Verbraucherstudie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V.

Trotz der ernüchternden Statistik gibt es kleine, inhabergeführte Läden, die sich wie gallische Dörfer gegen die großen Onlinehändler durchzusetzen versuchen. Dazu gehört Marci – doch es gibt auch andere wie Frank Zentler mit seinem Shop Geschwisterliebe. Seit nun elf Jahren betreibt Zentler, der eigentlich Mediziner ist, den Klamottenladen an der Breite Straße 4, es läuft gut, doch auch er spürt die Veränderung: „Der Online-Handel macht dem stationären Handel zu schaffen.“ Nicht so sehr fielen die neuen Shopping Malls Gerber und Milaneo ins Gewicht. „Ich glaube, dass jetzt mehr Menschen von Außerhalb in die Stadt kommen. Unsere Kunden verlieren wir dadurch aber nicht“, sagt er. Auch er versuche sich weiter auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren: besondere Mode anzubieten, die es in Stuttgart sonst nirgendwo gibt und dazu Beratung. Nur so könne man sich gegen Onlineriesen behaupten.

Ein Schutzraum, in dem Ladenkultur gedeihen kann

„Ich liebe das, was ich verkaufe. Und ich liebe es, Kunden zu beraten und zu überraschen, ihnen zu sagen, was ihnen steht“, sagt auch Marci. Identifikation ist ihr bei der Auswahl der Stücke wichtig. Alles, was im Là pour Là hängt, würde sie selbst tragen – so ein Laden ist auch eine Herausforderung für den eigenen Kleiderschrank. „Online vermissen die Menschen oft Nähe und persönliche Beratung“, ist sie sicher.

„Am besten laufen die Läden, hinter denen eine Identifikationsfigur steckt, die selektiert und handverlesene Stücke anbietet“, sagt Katharina Walter. Die Expertin ist Teil der App Findeling, die kleine, inhabergeführte Läden auflistet und damit unterstützt. Gestartet ist die App für Hamburg, später ist Berlin und Köln dazu gekommen. Jetzt arbeiten die Entwickler am Start für Stuttgart. Nicht ganz unbeteiligt an der generierten Aufmerksamkeit ist sicherlich das Fluxus von Hannes Steim. „Wir bieten eine Art Schutzraum mit geringer Ladenmiete, in dem man sich ausprobieren und wo inhabergeführte Ladenkultur gedeihen kann“, sagt er. Auch für einen Laden wie das Là pour Là wäre ohne das Fluxus eine Lage mitten im Zentrum unbezahlbar. Die äußeren Innenstadtbezirke, der Westen oder der Süden werden zwar gastronomisch immer besser erschlossen, hinsichtlich der Ladenkultur sei man größeren Städten wie Hamburg mit seinem Karoviertel im Stadtteil St. Pauli aber weit hinterher, so Steim.

Anfang nächsten Jahres soll es mit der App Findeling in Stuttgart los gehen – noch vor München. „Wir haben das Gefühl in Stuttgart tut sich etwas. Während München noch sehr traditionell ist, entstehen hier viele originelle Konzepte“, sagt Walter. Die Entwicklungsarbeit von Zentler, Marci und Steim scheint in Stuttgart zumindest etwas in Bewegung gesetzt zu haben.

Kleine Läden in Stuttgart

Là pour Là
Der Laden feiert am Samstag, 24. September, von 22 Uhr an, in der Bar Tatti im Fluxus seinen fünften Geburtstag mit Drinks und einem elektronschen Liveset von Baran.

Geschwisterliebe
Der Shop befindet sich an der Breite Straße 4. Mehr Informationen unter www.geschwisterliebeshop.de.

Findeling
Die App Findeling listet kleine, inhabergeführte Läden auf. Sie ist nicht nur online unter www.findeling.de aktiv. Sondern auch offline mit Veranstaltungen wie dem Spät-Shopping-Event „Kleine Läden in der Nacht“.

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