Fünf Jahre Landesmesse auf den Fildern Events gehören nicht zum Geschäftsmodell

Von Thomas Braun 

Und wenn nichts los ist auf der Messe, dann wäre auf einer noch größeren Fläche nichts los?
Bleinroth: Wir stehen, was die Auslastung angeht, ganz an der Spitze der deutschen Messestandorte. Wir waren schon 2008 in unserem ersten Jahr die Nummer eins beim Hallenumschlagsfaktor, der die Auslastung beschreibt. Die Schlussfolgerung des Rechnungshofs ist da einfach falsch. Bei unseren Flaggschiffen AMB, R+T oder CMT haben wir die Wachstumsgrenzen bereits erreicht. Bei der CMT ließe sich deutlich mehr Fläche verkaufen, als angeboten werden kann, insbesondere im Caravanbereich. Natürlich müsste eine neue Halle sich wirtschaftlich rechnen, das ist für uns und unsere Gesellschafter oberstes Gebot.

Über wie viele Quadratmeter und von welchen Investitionskosten reden wir denn?
Kromer: Eine Erweiterung würde auf je­den  Fall auf eigenem Gelän­de durchgeführt, ohne Zugriff auf andere Grundstücke. Demnach besteht ein maximales Potenzial von 25 000, vielleicht 35 000 Quadratmetern. Die Kosten muss man berechnen. Klare Voraussetzung: wir müssten es selbst ­finanzieren.

Zur Messe gehört eine Veranstaltungshalle, die für Großveranstaltungen und Fernsehshows geeignet wäre. Seit „Wetten, dass . . ?“ im Jahr 2008 wartet man vergeblich auf solche Events. Wetten, dass auch 2013 nichts Vergleichbares im Messekalender auftaucht?
Kromer: Wenn es machbar ist und sich finanziell darstellen lässt, sind wir am Markt. Für die ganz großen Veranstaltungen muss man allerdings heute teilweise bezahlen beziehungsweise auf Mieteinnahmen verzichten. Warum sollten wir uns damit ­befassen?
Bleinroth: Es gehört auch nicht zu unserem Geschäftsmodell, solchen Events nachzujagen. Natürlich ist es nett, mal im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen, aber es muss sich auch ökonomisch lohnen. Und wenn man möglicherweise dadurch sogar einen zahlenden Kunden verdrängt, dann sehen wir solche Events eher kritisch.

Die Messe Stuttgart ist ja auch im Ausland aktiv. Welche Trends lassen sich ablesen, und wer drängt auf den deutschen Markt?
Bleinroth: Wir wollen durch unsere Auslandsaktivitäten eine Rückkoppelung nach Stuttgart herstellen und unsere Messe ­weiter internationalisieren. Aussteller und ­Besucher sollen also zu uns kommen, vor allem zu den Fachmessen. Und das funktioniert. Wir haben die ausländische Beteiligung bei unseren Fachmessen deutlich steigern können. Wir sind in der Türkei mit einer Tochtergesellschaft aktiv, die dort Messen veranstaltet, ebenso seit ein paar Jahren in China. In Russland wird im Oktober zum ersten Mal die Messe Rollladen und Tore veranstaltet. Und auch in anderen wachsenden Märkten wollen wir präsent sein. Beispiel AMB: im vergangenen Jahr sind wir mit einer entsprechenden Veranstaltung im chinesischen Nanjjing an den Start gegangen; in diesem Jahr machen wir dort den zweiten Aufschlag mit beträchtlichen Steigerungen. Und die Rückkoppelung funktioniert bestens. Wir hatten dieses Jahr zum ersten Mal einige chinesischen Marktführer als Aussteller hier zu Gast, und auch eine Einkaufsdelegation aus China war hier. Das Konzept mit der Präsenz der Messe im Ausland geht auf.

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