Fünf Jahre nach dem Attentat von Hanau Der Attentäter von Hanau zielte mitten in diese Gesellschaft

In ganz Deutschland gedachten Menschen zum Jahrestag den Opfern des Attentats. Foto: /Christian Schauderna

Am 19. Februar 2020 erschoss in Hanau ein Rechtsextremist neun Menschen mit Migrationshintergrund. Der Anschlag betrifft allerdings nicht nur diese Gruppe, kommentiert Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.

Berliner Büro: Rebekka Wiese (rew)

Neun Menschen in zwölf Minuten. Das klingt grausam abstrakt, aber es war sehr konkret, was vor fünf Jahren in Hanau geschah: Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin wurden am 19. Februar 2020 von einem rechtsextremistischen Attentäter erschossen. Zuvor soll sich der Mann noch Videos von ideologischen Rednern angeschaut haben, zum Beispiel vom Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke.

 

Dass Rassismus tötet, klingt oft wie eine Phrase oder wie eine politische Parole. Aber es ist die Realität. Sich das vor Augen zu halten, ist in diesen Tagen besonders wichtig – und zwar für die ganze Gesellschaft.

Rechtsextremistische Straftaten auf Höchststand

Auch wenn es angesichts in der Nachrichtenlage oft untergeht: Die Zahl rechtsextremistischer Straftaten ist seit Langem auf einem Höchststand. Das Bundeskriminalamt verzeichnete im Jahr 2024 fast 34 000 Straftaten in diesem Bereich, gut 17 Prozent mehr als im Vorjahr – so viele wie noch nie seit Beginn der Erfassung.

Nach dem Attentat von Hanau dauerte es etwas, zu verstehen, was passiert war. Und noch länger, zu begreifen, was das für Menschen mit Migrationshintergrund in diesem Land bedeutete. In der Bundesrepublik gab es immer wieder rassistisch motivierte Anschläge, man denke nur an Solingen 1993 oder München 2016. Was in Hanau passierte, bedeutete allerdings eine Zäsur. Dass das Behördenversagen rund um den Anschlag nie aufgeklärt wurde, war dabei umso fataler.

Es wäre falsch zu glauben, dass sich das Attentat nur gegen eine einzelne Gruppe richtete. Fast ein Drittel der Menschen in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Wenn der Terrorist von Hanau auf Menschen mit Migrationshintergrund feuerte, dann zielte er damit mitten in diese Gesellschaft. Auch daran erinnert der 19. Februar.

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