Fünf Tote im Kreis Reutlingen Hatte der Jäger die Tat genau so geplant?
Die Ermittlungen zu den fünf Toten im Kreis Reutlingen, die am Dienstag gefunden wurden, laufen weiter. Eine wichtige Frage: Was war das Motiv des Familienvaters?
Die Ermittlungen zu den fünf Toten im Kreis Reutlingen, die am Dienstag gefunden wurden, laufen weiter. Eine wichtige Frage: Was war das Motiv des Familienvaters?
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zu den Hintergründen des mutmaßlichen Vierfach-Mordes in Reutlingen, Pfullingen und der kleinen Gemeinde St. Johann aufgenommen. „Es wird auf Hochtouren ermittelt“, sagte Polizeisprecherin Tina Rempfer am Donnerstagmorgen auf Nachfrage. Für weitere Details sei es noch zu früh. Unklar ist weiterhin das Motiv des 63 Jahre alten Familienvaters, der seine Ehefrau, seine Schwester, seine beiden Söhne und anschließend sich selbst getötet haben soll. „Drei Tatorte, fünf Tote, da gibt es viel zu ermitteln“, so Rempfer.
Es sei eine Ermittlungsgruppe eingerichtet worden. Sie soll versuchen, die offenen Fragen zu klären. Und davon gibt es einige. Unter anderem sollen auch mögliche Zeugen vernommen werden, darunter auch weitere Angehörige der Toten. Die Polizei hatte mitgeteilt, dass die getötete Ehefrau des Mannes nicht die Mutter der getöteten Söhne gewesen sei. Weitere Details, etwa wie viele Beamte für die Ermittlungen abgestellt wurden, wollte die Polizei nicht nennen. Auch die zuständige Staatsanwaltschaft Tübingen wollte am Donnerstag zunächst keine weiteren Informationen zum Stand der Ermittlungen preisgeben.
Dass die drei Tatorte jeweils mindestens 15 Minuten mit dem Auto voneinander entfernt liegen, lässt den Schluss zu, dass der mutmaßliche Täter die Taten geplant hat. Die Polizei wollte das am Donnerstag zumindest nicht ausschließen. Nachdem die 60-jährige Schwester des Familienvaters tot in ihrer Wohnung gefunden wurde, habe sich schnell ein Verdacht gegen den Bruder ergeben. Warum der Mann so schnell ins Visier geriet, auch dazu machte die Polizei keine Angaben.
Eine Frage, die es ebenfalls zu klären gilt, ist der genaue Ablauf der Taten. In welcher Reihenfolge der mutmaßliche Täter seine Familienangehörigen tötete, ist unklar. Auch der Tag ist nicht gesichert. So wurden die fünf Leichen zwar im Laufe des Dienstags entdeckt, als Tatzeitpunkt komme aber auch ein anderer Tag in Frage, heißt es. Man wisse den Todeszeitpunkt der einzelnen Personen bislang nicht, sagte Tina Rempfer.
Der Verdacht erhärtete sich, als Beamte das Wohnhaus der Familie in Pfullingen durchsuchten. In dem schmucken Gebäude fanden Spezialeinsatzkräfte am Dienstagabend die Leichen des 63-Jährigen und seiner 57 Jahre alten Ehefrau. Die mutmaßliche Tatwaffe lag neben den beiden. Ob der Mann, der Jäger war, die Waffe legal besaß, werde derzeit geprüft. Wie der Reutlinger Generalanzeiger berichtet, habe die Familie noch nicht lange in dem Haus gewohnt. Mehrere Medien berichten zudem, dass sich die Bluttat möglicherweise angekündigt habe. „Jeder spinnt auf seine Weise, die einen laut, die anderen leise“, soll der Jäger einige Tage vor dem Auffinden der Leichen in seinem Whatsapp-Status gepostet haben. Menschen, die den mutmaßlichen Mörder kannten, beschrieben ihn laut dem GEA-Bericht als „nett“ und „witzig“.
Auch der dritte Tatort, die Firma in St. Johann auf der Schwäbischen Alb, das zu Pfullingen gehört, beschäftigt die Ermittler weiter. Dort waren die Leichen der beiden 27 und 29 Jahre alten Söhne gefunden worden. Laut übereinstimmenden Berichten seien die Räumlichkeiten zuletzt kaum noch genutzt worden. Früher sei in dem Haus am Rande des Industriegebiets im Teilort Würtingen Berufsbekleidung, mit der die Familie gehandelt habe, gelagert worden. Die darüber liegende Wohnung sei „ab und zu zum Übernachten“ genutzt worden, sagte ein Zeuge unserer Zeitung. Die Söhne seien eigentlich nie in der Firma gewesen.
Mit Material von lsw/dpa.