Sind sich handelseinig, dabei aber nicht überschwänglich: Kreis-Kämmerer Björn Hinck mit Landrat Roland Bernhard, Oberbürgermeister Stefan Belz und Erstem Bürgermeister Tobias Heizmann (v.l.) im Böblinger Landratsamt Foto: Eibner/Roger Bürke
Nach jahrelangem Ringen sind sich die Stadt und der Kreis Böblingen handelseinig über den Verkauf des Krankenhaus-Areals in der Bunsenstraße: Böblingen zahlt 40 Millionen Euro in vier Tranchen. Nach dem Auszug der Klinik soll dort ein Technologiepark entstehen.
Fröhliche Feierstimmung wollte am Freitag nicht so recht aufkommen im fünften Stock des Böblinger Landratsamtes. Dort saßen neben Landrat Roland Bernhard auch der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz sowie Kreis-Kämmerer Björn Hinck nebst Böblingens Erstem Bürgermeister Tobias Heizmann. Es ploppten keine Sektkorken, es zischten nur die Kronkorken des Kreis-Apfelsafts. Dabei hatte man beinahe Historisches zu verkünden: Stadt und Kreis sind sich handelseinig geworden über den Kauf des zehn Hektar großen Krankenhaus-Areals in der Bunsenstraße. Der ausgehandelte Kaufpreis beträgt 40 Millionen Euro, zahlbar in vier jährlichen Tranchen à zehn Millionen Euro.
Der eigentliche Kauf steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Kreistags am 18. November und des Böblinger Gemeinderats am 20. November. Doch sowohl der Landrat als auch der Oberbürgermeister gehen davon aus, dass jeweils ein „Ja“ erfolgt. Noch vor Weihnachten wollen beide zum Notar. Im Grundbuch soll sinngemäß stehen: Sobald die 40 Millionen aufs Kreiskonto geflossen sind und der Klinikbetrieb ausgezogen ist, geht das Krankenhaus ins Eigentum der Stadt über. Schätzungsweise im Jahr 2027 oder 2028 wird es soweit sein. Eine Frist besteht aber nicht.
Soll bald in städtischem Besitz sein: Böblingern Krankenhaus-Areal Foto: Archiv/Stefanie Schlecht
„Nach intensiven Verhandlungen haben wir einen gangbaren Weg für beide Seiten gefunden“, sagt Bernhard, der dabei keine Euphorie versprüht. „Jeder von uns ist ein bisschen unzufrieden“, sagt er und sieht darin aber ein erwartbares Gefühl für eine für beide Seiten erfolgreiche Verhandlung. „Wäre es nach mir gegangen, hätte beim Kaufpreis auch eine Fünf vorne stehen können“, sagt Bernhard und witzelt, „für die Stadt Böblingen wäre wohl auch eine Drei okay gewesen.“ Stefan Belz: „Oder eine Zwei.“
Irgendwann erklärte sich der Kreis bereit zur Parole „Die Vier muss stehen“, sagt der Landrat. Und war nicht überrascht, dass man auf Böblinger Seite dahinter eine Null setzte, statt eine Neun. Dem jetzigen Durchbruch bei den Verhandlungen war ein jahrelanges Tauziehen um das Areal vorausgegangen, seitdem klar war, dass der Klinikbetrieb aufs Flugfeld ziehen würde und sich die Frage der Nachnutzung dieses städtebaulichen Filetstücks stellt. Die Stadt wollte es von Anfang an erwerben – und konnte gleichzeitig die mögliche Bebauung des Gebiets nach eigenen Vorstellungen festlegen. Wäre es nach dem Landkreis gegangen, hätten die Stadtentwickler dort verdichteten Wohnraum erlaubt – und der Grundstückspreis wäre maximal gewesen. Haben sie aber nicht.
Stadt will keine Wohnungen dort
Auf dem Rathaus will man stattdessen das Krankenhaus in einen Technologie- und Innovationspark umwandeln, was einen Grundstückspreis auf dem Niveau von Gewerbeflächen bedeutet. So klafften die Preisvorstellungen dem Vernehmen nach zunächst weit bis sehr weit auseinander. Schon vor sechs Jahren verhandelte Bernhard mit der Böblinger Baugesellschaft – erfolglos. Zeitlichen Druck baute ein Beschluss im Kreistag auf Antrag der CDU-Fraktion im Dezember 2022 auf: Der Kreis solle das Areal bis Ende 2024 zum „bestmöglichen Preis“ veräußern, am besten im Einvernehmen mit der Stadt. Doch auch ein gemeinsam gestarteter Suchlauf nach einem Investor scheiterte: Niemand biss zu den Konditionen an.
Dann wurde das Land Baden-Württemberg auf die Liegenschaft aufmerksam und bekundete starkes Interesse: Das Justizministerium reservierte vorsorglich 52 Millionen Euro im Landeshaushalt für den Kauf. Angedacht war, das Krankenhaus zu einer Landeserstaufnahmeeinrichtung (Lea) für Flüchtlinge umzubauen. Da herrschte Aufruhr in der Stadt: Dieses Szenario wollte man unbedingt vermeiden. Eine Petition in der Bürgerschaft brachte 3300 Unterschriften gegen eine Lea zusammen.
Heute Kreißsaal, bald Brutstätte innovativer Ideen: Krankenhaus in Böblingen Foto: Archiv/Stefanie Schlecht
Zwar kann Böblingen derzeit Rekordeinnahmen bei der Gewerbesteuer verbuchen. Der 40-Millionen-Deal sei für den städtischen Haushalt dennoch „eine Herausforderung“, sagt OB Belz. Man werde die vielen Bauprojekte priorisieren müssen. Er sei dennoch froh, dass jetzt Klarheit über die Zukunft des Areals herrsche und es gelungen sei, „das Spannungsfeld aufzulösen.“ Für die Stadt gehe es jetzt darum, die Schritte der Umwandlung hin zu einem Technologie- und Innovationspark zu organisieren. Wer weiß, ob zu diesem Anlass nicht doch irgendwo die Sektkorken knallen.