13 Millionen Menschen in Deutschland durschreiten derzeit ihre 50er – so viele wie nie zuvor. „Wer zu den geburtenstarken Jahrgängen zwischen 1962 und 1972 gehört, ist zumeist gesünder gealtert als die vorherigen Generationen“, sagt Joris Deelen, Forschungsgruppenleiter am Kölner Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns.
Infektionskrankheiten wurden dank medizinischem Fortschritt besser überstanden, die Ernährung war im Gegensatz zu Kriegsgenerationen gesichert, viele sind finanziell abgesichert, besonders jene, die in Westdeutschland aufgewachsen sind. Dennoch: Ab 50 macht sich das Altern richtig bemerkbar. Es zwickt im Knie, eine Lesebrille muss her, die Haut wird trockener. „Der Körper baut ab, denn der Alterungsprozess lässt sich derzeit auch in Wohlstandsgesellschaften nicht aufhalten“, so Deelen. Das Gute: Wer jetzt zur Vorsorge geht und gesund lebt, bleibt meist länger fit. Es ist selten zu spät, um den Lebensstil zu ändern.
Fittes Gehirn durch soziale Kontakte
„Mit 50 ist das Gehirn meist noch sehr aktiv“, sagt Kathrin Brockmann, Parkinson-Forscherin am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen. Mit dem Alter mag es zwar langsamer arbeiten, dafür steigt das Erfahrungswissen – und viele Informationen werden automatisiert verarbeitet.
Wie schnell das Gehirn altert, hängt vom Lebensstil ab. „Je mehr Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Interaktion und Erlernen von Neuem, desto fitter ist unser Gehirn“, sagt Brockmann. Wer schlecht hört, sollte jetzt zum Hörakustiker. „Schwerhörigkeit ist ein Risikofaktor für Demenz. Wer weniger hört, kann sich schlechter an Gesprächen beteiligen, die das Gehirn trainieren.“
Mit zahngesunder Ernährung gegen Parodontitis
Eigentlich sind sie hart im Nehmen – und die Zähne bleiben einem ein Leben lang erhalten, vorausgesetzt, man putzt sie zuverlässig und geht regelmäßig zum Zahnarzt. Parodontitis, also entzündetes Zahnfleisch, kann dadurch allerdings nicht verhindert werden. Fast jeder Zweite über 50 leidet darunter. Parodontitis ist eine der häufigsten Ursachen für Zahnverlust und fördert Entzündungen im Körper. Wichtig ist eine Ernährungsweise, die eine gesunde Mundflora fördert. Das heißt: viel Gemüse, Vollkornprodukte und wenig Zucker, der Karies begünstigt.
Ab wann macht ein Herz- und Gefäßcheck Sinn?
Auch in den 50ern ist das Herz belastbar und fit. „Jetzt zeigt sich allerdings, wie gesund man bisher gelebt hat – und ob ein erblich bedingtes Risiko für Herzerkrankungen vorliegt“, sagt Wolfgang Rottbauer, Leiter des Herzzentrums an der Uniklinik Ulm. Das Risiko für Infarkte und Herzrhythmusstörungen nimmt mit steigendem Alter zu, meist bedingt durch Arterienverkalkungen. Besonders Männer sind betroffen. Ab 40 rät Rottbauer deshalb zu einem Herz- und Gefäßcheck, um Schäden frühzeitig zu erkennen. Ausreichend Bewegung und eine salzarme Kost mit viel Gemüse helfen gegen Bluthochdruck und Diabetes.
Muskeltraining stärkt den ganzen Körper
Bereits ab dem 30. Lebensjahr verlangsamt sich der Stoffwechsel der Muskelzellen, sodass Muskulatur schneller abgebaut und mehr Fett eingelagert wird. Aufhalten kann man den Prozess nicht, ihn jedoch mit gezieltem Training verlangsamen. Zwei bis drei Kraftsporteinheiten á 60 Minuten pro Woche, am besten in Kombination mit gelenkschonenden Ausdauereinheiten, stärken den Körper. Auch andere Organe profitieren: Herz, Lunge und Kreislauf arbeiten besser, der Blutdruck sinkt, ebenso das Risiko für Osteoporose. Und die Blutfettwerte können sich verbessern.
Die Haut liebt gesunde Ernährung
Das Bindegewebe ist nun weniger elastisch, die hauteigene Schutzfunktion wird schwächer, die Haut trockener, dünner, empfindlicher. Der geringere Kollagengehalt führt zu Falten – bei Frauen besonders ab den Wechseljahren.
Neben einer Feuchtigkeitscreme, die die Hautbarriere stärkt und Wasser in der oberen Schicht bindet, braucht die Haut eine gesunde Ernährung. Das Beta-Carotin in vielen gelben, orangenen und grünen Gemüsesorten schützt vor Sonnenlicht und mindert Entzündungen. Vitamin C stärkt die Zellstruktur und findet sich in Sanddorn, Brokkoli, Petersilie und Paprika. Ungesättigte Fettsäuren kurbeln die Hauterneuerung an und sind etwa in Lachs, Makrele, Leinöl und Walnüssen enthalten.
Jetzt ist Zeit für den Augen-Check
„Ab den 40ern passen sich die Augenlinsen immer schlechter an die Entfernung an. Diese Altersweitsichtigkeit ist somit nicht zu vermeiden“, sagt Florian Gekeler, ärztlicher Direktor der Augenklinik im Klinikum Stuttgart. Dinge, die weniger als 50 Zentimeter entfernt sind, sieht man nun nicht mehr scharf. Dazu kommt: Die Linse trübt ein, sie streut und absorbiert vermehrt Licht. In der Dämmerung sieht man schlechter, zum Lesen muss mehr Licht her. „Spätestens mit 50 sollte man seine Augen untersuchen und die Augengesundheit abklären lassen“, sagt Gekeler. Augenkrankheiten wie der Grüne oder Graue Star können so meist rechtzeitig erkannt werden.