Ludwigsburg will mit dem Start-up „Local to go“ das Angebot von Mehrwegverpackungen vergrößern. Dazu fördert sie Läden, die auf eine nachhaltige Lösung umsteigen. Und: Verbraucher sollen etwas tun.

An den Orten, an denen viele Menschen ihre Mittagspause verbringen, quellen die Mülleimer hinterher oft vor Abfall über. Essenschalen aus Kunststoff, Getränkebecher oder Bäckertüten – häufig vergehen zwischen Theke und Tonne nur Minuten. Ökologisch und nachhaltig geht anders. In der Coronapandemie haben viele Gastronomen gezwungenermaßen einen Abholservice eingeführt oder ausgebaut. Tendenziell verschärfte sich das Problem dadurch noch. Diese Entwicklung will die Stadt Ludwigsburg bekämpfen und forciert Mehrwegverpackungen.

Mit der Werbeaktion „Ludwigsburg bringt’s mit“ will sie dafür trommeln, dass mehr Bürgerinnen und Bürger eigene Gefäße zum Einkauf mitbringen – sei es ein Einmachglas, ein Trinkbecher oder eine Kunststoffschüssel. „Wir hoffen, dass dadurch die Hemmschwelle sinkt“, sagt Anna Hoeffler vom Team Klima und Energie der Stadt. Gelingen soll das mit Bannern oder individualisierten Hinweisen in Geschäften. Was aber tun, wenn man das Gefäß vergessen hat?

Verpackungen „made in Germany“ – und besonders langlebig

Einige Gastronomen und Geschäfte in der Barockstadt bieten bereits Verpackungen an, die man nicht achtlos wegwirft, sondern wieder abgeben kann. Diesen Ansatz will die Barockstadt ausweiten und hat sich dazu mit dem Unternehmen Local to go aus Cleebronn (Kreis Heilbronn) zusammengetan. Das Start-up, das erst seit dem vergangenen Frühling am Markt ist, hat sich gegen drei andere Bewerber durchgesetzt. Bewertet wurden die Anbieter nach den Kriterien Regionalität, Verbreitung, Qualität und Nachhaltigkeit. Unter anderem sprach für Local to go, dass es bereits in Gemeinden um Ludwigsburg zu finden ist.

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Seine Becher und Schalen in verschiedenen Größen und Formen – „made in Germany“ und besonders langlebig, wie Gründerin Stefanie Fischer betont – sollen künftig den Gastronomen und Lebensmittelhändlern in Ludwigsburg angedient werden. Idealerweise können Kunden, die für die nachhaltige Verpackung bis zu fünf Euro Pfand bezahlen, diese später auch in einem anderen Laden abgeben. Ziel ist also ein möglichst flächendeckendes Netz von Betrieben, die mitmachen. Wurst kaufen beim Metzger, die Dose abends beim Italiener im Restaurant wieder abgeben – das ist die Idealvorstellung.

Stadt schießt Hälfte der Gebühren zu

Bislang gibt es das Geschirr zum Mitnehmen aber nur in einem Laden in Ludwigsburg. Damit das nicht so bleibt und weitere dazukommen, unterstützt die Verwaltung Läden finanziell, die das Pfandsystem einführen. Sie übernimmt die Hälfte der Kosten, die Local to go verlangt. Für ein Jahr 39 Euro im Monat, für zwei Jahre 35 Euro. Das Start-up ersetze kaputte Dosen innerhalb einer Woche, verspricht Stefanie Fischer. Auch wenn zu viele Dosen oder Becher verschwunden seien, weil die Kunden sie einfach nicht mehr zurückbringen, werde nachgeliefert. Das sei ein Vorteil gegenüber anderen Anbietern, so die Gründerin.

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Die Stadt setzt bei der Einführung auch darauf, dass die Kunden in Läden nach der nachhaltigen Verpackung fragen. Das Bewusstsein, was man als Konsument an Müll produziere und wie leicht man diesen reduzieren könne, sei bei vielen zuletzt stark gestiegen, sagt Fischer. „Die Nachfrage bei Betrieben aber auch.“

Gesetzgeber macht Druck

Zumal der Gesetzgeber immer mehr Druck bei dem Thema macht. Größere Restaurants müssen vom Jahr 2023 an ohnehin wiederverwendbare Schalen anbieten, kleinere Betriebe dürfen mitgebrachte Schüsseln für die To-go-Mahlzeit dann nicht mehr ablehnen. Die Förderung in Ludwigsburg, die erst einmal auf 20 Antragsteller begrenzt ist, sieht die Stadt deshalb auch als eine Art Starthilfe für diejenigen, die sich bisher mit dem Thema schwergetan haben.

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„Local to go“ ist im Kreis Ludwigsburg bereits in Marbach, Bönnigheim und Steinheim vertreten. Dort wird es ebenfalls gefördert. Den Zuschuss für „Ludwigsburg bringt’s mit“ können Betriebe ab dem 18. Mai beantragen. Mehr Infos: www.ludwigsburg.de/bringtsmit