Fund aus Azteken-Zeit in Mexiko Forscher entdecken Mauer aus Hunderten Schädeln

„Huei Tzompantli“: Die „Wand der Schädel“ stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts. Foto: APA/AFP/INAH
„Huei Tzompantli“: Die „Wand der Schädel“ stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts. Foto: APA/AFP/INAH

Mitten in Mexiko-Stadt, eine der größten Metropolen der Welt, haben Archäologen auf den Ruinen eines ehemaligen aztekischen Tempel eine Mauer aus Schädeln entdeckt.

Leben: Markus Brauer (mb)

Mexiko-Stadt - Archäologen haben nach fünfjährigen Ausgrabungen in einer Azteken-Ruine in Mexiko-Stadt mehr als 600 Menschenschädel entdeckt. Es handelt sich um eine kreisförmige Mauer mit eingeschlagenen Schädeln geopferter Menschen, die bereits 2015 bei Ausgrabungen in der Nähe des größten Azteken-Tempels im Zentrum der mexikanischen Hauptstadt gefunden worden war.

In dem jetzt entdeckten Teil der Mauer seien zuletzt 119 Schädel gefunden worden, die zu den 484 zuvor bekannten hinzukämen, teilte das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH) mit. Darunter seien die Schädel von Frauen wie Männern und von mindestens drei Kindern.

Die Archäologen gehen davon aus, dass viele der Überreste feindlichen Kriegern gehörten und die Mauer aus Totenschädeln als Warnung errichtet wurde. Einige könnten demnach auch Göttern geopfert worden sein.

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Einer der wichtigsten Funde seit Jahren

Den Forschern zufolge wurde die kreisförmige Mauer einem Durchmesser von 4,7 Metern gegen Ende des 15. Jahrhunderts errichtet. Der neu ausgegrabene, äußerste nordöstliche Teil stammt demnach spätestens aus der Zeit zwischen den Jahren 1486 und 1502. Sie ist bis zu 3,5 Meter unter der heutigen Straße gelegen.

Die Azteken brachten hier vermutlich ihrem dem Kriegsgott Huitzilopochtli Opfer dar. Die Anlage befindet sich auf dem Gelände des Templo Mayor, einem der Haupttempel der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán im historischen Viertel von Mexiko-Stadt. 

„Huei Tzompantli“ – Wand der Schädel

Nach Behördenangaben handelt es sich bei dem „Huei Tzompantli“ – was so viel wie „Wand oder Gestell der Schädel“ in der indigenen Sprache Nahuatl bedeutet – um einen der wichtigsten archäologischen Funde in Mexiko seit Jahren. Die Azteken-Hauptstadt Tenochtitlán wurde im Jahr 1521 von spanischen Eroberern gestürmt und zerstört. Auf den Ruinen errichteten sie das heutige Mexiko-Stadt. 

Der 2015 entdeckte Teil der „Huei Tzompantli“ war nach damaligen Angaben etwa 34 Meter lang und 45 Zentimeter hoch und lag rund zwei Meter tief.

Das Ende der Azteken

Zwischen 1519 und 1521 wurden die Azteken von den Spaniern unter Hernán Cortés besiegt. Ihre Kulter verschwand nach und nach fast völlig. Auf den Ruinen ihrer Hauptstadt Tenochtitlan wurde Mexiko-Stadt erbaut. Dort findet man noch heute Spuren dieses präkolumbianischen Reiches, die an dessen vergangene Größe erinnern.

Tenochtitlan hatte bei der Ankunft der Spanier mindestens 250 000 Einwohner. Die in mehrere Stämme gegliederten Azteken schufen sich eine umfassende Götterwelt, deren Hauptgott Huitzilopochtli sie Zehntausende Menschen opferten.




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