Neben dem Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen haben Kinder Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ausgebuddelt. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst war vor Ort.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)

Wer Kinder hat, weiß: Sie buddeln in der Erde, graben Löcher, legen Wurzeln frei, sie suchen nach Geheimverstecken oder Goldschätzen. Um so aufregender, wenn dann tatsächlich etwas ans Tageslicht befördert wird – wie jüngst geschehen in Stuttgart-Vaihingen, in einem Park neben einer Schule.

Am vergangenen Montag haben nach Informationen unserer Zeitung Schüler des dortigen Fanny-Leicht-Gymnasiums in der Erde gewühlt und sind auf Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Nach bisherigen Erkenntnissen unserer Redaktion handelte es sich dabei um Kinder aus der Unterstufe des Gymnasiums.

Kinder wollten Fund erst geheimhalten

Wann genau die Kinder die Munition am Montag gefunden haben, ist unklar. Nach Auskunft der Polizei Stuttgart wollten die kleinen Erdarbeiter ihren Fund zunächst geheimhalten und haben ihn wohl in ihrem dort ebenfalls errichteten Tipi-Zelt gebunkert, sagt ein Sprecher der Polizei. Am Nachmittag habe ein Kind dann wohl doch seinem Vater von der Entdeckung berichtet, dieser informierte daraufhin die Polizei. Die Beamten waren gegen 16 Uhr vor Ort im Fanny-Leicht-Park in Stuttgart-Vaihingen.

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Als Ralf Vendel von dem Munitionsfund hörte, war er gerade in Mannheim, sagt er. Er ist der Dienststellenleiter des Kampfmittelbeseitigungsdiensts in Baden-Württemberg. Die von der Polizei übermittelten Bilder des Funds hätten nahegelegt, dass davon grundsätzlich keine Gefahr ausgehe. Laut Vendel hätte die Polizei die Munition mit aufs Revier genommen. Am Dienstagmorgen seien die Kollegen dann direkt vor Ort gewesen und hätten die Fundstelle mit einem Suchgerät inspiziert. Dabei seien drei weitere Munitionsteile gefunden worden. Insgesamt seien es rund 20 gewesen, sagt Vendel.

War die Munition gefährlich?

War zunächst von der Schulleitung des Fanny-Leicht-Gymnasiums intern kommuniziert worden, die Kinder hätten zudem eine Waffe gefunden, so hat es sich dabei offenbar um eine Fehlinformation gehandelt, wie sowohl der Polizei-Sprecher als auch Ralf Vendel vom Kampfmittelbeseitigungsdienst sagen. Von der Munition selbst sei keine wirkliche Gefahr ausgegangen, sagt der Fachmann. Mit der Schulleitung habe man gesprochen und geraten, die Kinder zu sensibilisieren. Von Grabungen im Park nebenan werde eher abgeraten, so Vendel. Die Schule selbst war vor Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Derlei Funde seien für ihn und seine Kollegen an der Tagesordnung, so Vendel. Ungewöhnlich am Vaihinger Fall: dass die Stelle mitten in der Stadt und so nah an einer Schule liege. Insgesamt berge der Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg im Jahr 20 bis 50 Tonnen Kampfmittel – von Munition bis Bombe, sagt Vendel. Im Jahr 2012 waren es sogar fast 200 Tonnen.