Funde bei Böblingen Giftköder verunsichern Hundehalter

Achtung, wenn der Hund etwas am Wegesrand frisst. Foto: Archiv/Müller

Zuletzt sind vermeintliche Giftköder in Gärtringen, Ehningen, Darmsheim, Deckenpfronn und Hildrizhausen gemeldet worden. Ein Hund verstarb, andere wurden krank. Die Hundehalter sind beunruhigt, die Polizei sieht nicht zwingend Tierhasser am Werk.

Böblingen: Robert Krülle (rok)

Hört man sich bei der Hundemesse um, die am vergangenen Wochenende in der Sindelfinger Stadthalle stattfand, wird schnell klar: Die Giftköder-Funde in letzter Zeit haben die Hundehalter verunsichert, viele schütteln entsetzt den Kopf und fragen sich, wer dafür verantwortlich sein könnte. Seit Wochen laufen die Whatsapp-Gruppen und Internetforen zu diesem Thema heiß – all jene Gebiete, wo in letzter Zeit vermeintliche Giftköder Hunde in Gefahr brachten, werden nun gemieden. Oder zumindest lassen die Gassigeher erhöhte Vorsicht walten.

 

„Ich beteilige mich eigentlich nicht an Panikmache, aber zurzeit bin ich schon vorsichtig“, sagt Isabella Klotz aus Ehningen, „in Bereichen, wo etwas gefunden wurde, lasse ich meinen Hund nicht von der Leine.“ Zudem könne man verstärkt mit dem Tier trainieren, nicht alles ins Maul zu nehmen, was gerade so am Wegesrand herumliegt. Genau dies stellt für Ludger Göcke eine große Herausforderung dar, denn seine Hündin Kaja ist erst ein Jahr alt und sehr verspielt. „Die nimmt eigentlich alles auf“, sagt der Holzgerlinger, der zurzeit eher in Richtung Waldenbuch seine Spaziergänge macht. Die Konsequenz: „Ich habe sie jetzt fast nur an der Leine.“ Werner Schneider aus Bondorf, der seit 40 Jahren Berner Sennenhunde züchtet, kennt dieses Problem, dass die jungen Tiere alles fressen, was herumliegt. „Wir haben vor kurzem Giftköder-Maulkörbe gekauft“, berichtet er, „das ist wie ein Netz – für den Hund keine große Belastung, aber er kann eben nichts aufnehmen.“

Polizei nimmt Hinweise auf, tut sich mit dem Giftköder-Thema aber schwer

Im Februar hatte ein Hund einen vermeintlichen Giftköder beim Spaziergang nordwestlich der Gärtringer Schwarzwaldhalle aufgenommen und war später tatsächlich verendet. Vierbeiner mit Erbrechen und Durchfall waren zuletzt zudem in Darmsheim, Deckenpfronn und Hildrizhausen gemeldet worden, auch bei Ehningen waren angebliche Giftköder gefunden worden.

Bei aller Aufregung der Hundehalter tut sich die Polizei schwer mit einer eindeutigen Einschätzung – denn nicht alles, was als Giftköder gemeldet würde, sei das auch mit Sicherheit. „Solche Funde werden im Regelfall immer sofort als sogenannte Giftköder bezeichnet, ohne dass ein konkreter Nachweis darüber besteht“, stellt Polizeisprecher André Kielneker fest. Wenn Hunde Durchfall hätten oder spucken müssten, könnten die Tierärzte eine Vergiftung meist nicht ausschließen – was Hundehalter bei der Polizei dann als Fakt vortragen würden.

Über die einschlägigen Social-Media-Kanäle würde die vermeintliche Giftköder-Problematik schnell verbreitet, doch „im Regelfall wird keine Aufnahme explizit beobachtet“, so Kielneker. Grundsätzlich sei der Nachweis einer Vergiftung sehr schwierig, ohne dass ein Fressköder oder Erbrochenes oder Kot genau untersucht wird – was häufig eben nicht passiert.

Zudem betont die Polizei, dass es sich bei einer Vergiftung des Tieres nicht zwingend um das Attentat eines Hundehassers handeln müsse. Denn Spuren von Rattengift oder Schneckenkorn können eben auch so am Wegesrand zu finden sein. Zudem könne es zu einer sogenannten „Sekundärvergiftung“ kommen, wenn ein Hund eine tote Maus oder Ratte aufnimmt, die ihrerseits vergiftet wurde. Gelegentlich handele es sich bei manchem „Giftköder“ gar nur um weggeworfenes Brot oder Wurststücke.

Dennoch nehme man die Anzeigen und Mitteilungen der Hundehalter ernst, die sich nach den Funden im Kreis Böblingen zuletzt an die Polizei wendeten. „Zum Teil wurde verdächtiges Material aufgefunden und der Polizei übergeben“, berichtet Kielneker. „Die Ermittlungen, ob es sich hierbei tatsächlich um Giftköder handelt, sind wie gesagt schwierig und dauern aktuell an.“

Leider wird viel Müll in die Natur geschmissen, was Tieren schaden kann.

Carola Majer gehört zum Vorstand der Sindelfinger Hundefreunde und ist mit diesem Thema häufig konfrontiert. „Der Hund hat für die Menschen einen hohen Stellenwert, da ist die Angst schnell da, es könnte etwas passieren“, sagt sie und richtet den Blick auf ein generelles Problem in der Natur: „Es ist insgesamt ein Thema, dass die Leute alles Mögliche wegschmeißen – da kann natürlich immer auch etwas dabei sein, was für Tiere gefährlich ist.“

Keine zu großen Sorgen will sich Yvonne Schulte machen. „Ich bin zwar vorsichtiger, aber der Hund muss trotzdem laufen dürfen“, sagt die Besitzerin eines Goldendoodle. Dass sich einige Nicht-Hundehalter über die Tiere aufregen, erlebt die Aidlingerin selbst gelegentlich. Aber gleich Giftköder auslegen? Man weiß es nicht. „Für manchen Ärger habe ich sogar Verständnis“, sagt Schulte, „wenn jemand seinen Hund mitten auf den Weg machen lässt und das nicht wegräumt, ist das nicht in Ordnung.“

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