Funkloch-App Digitale Wüsten rund um Stuttgart: Wo sind die schlimmsten Funklöcher?

, aktualisiert am 26.05.2025 - 09:41 Uhr
Im Wald, auf dem Feld, auf der Landstraße: An manchen Orten in der Region Stuttgart ist das Handynetz schlecht. Foto: Imago/Zoonar/Stefan Ziese

Schon wieder kein Netz! In der Region Stuttgart hapert es beim Mobilfunk noch immer. Eine exklusive Auswertung zeigt, wo der Handy-Empfang besonders schlecht ist.

Digital Desk: Jonas Schöll (jo)

Gutes Netz? Fehlanzeige, heißt es in vielen Gegenden oder entlang von Straßen. Im Digitalzeitalter hapert es beim Mobilfunk in der Region Stuttgart vielerorts noch immer. Die Freundin am Handy versteht man nicht so richtig. Bis ein Foto heruntergeladen ist, dauert es ewig. Das Video ruckelt auch. Es gibt immer noch solche sogenannten weißen Flecken, an denen Handynutzer keinen Empfang haben. Jetzt gibt es die Chance, die Lücken per Funkloch-App zu melden, damit es künftig besser werden kann.

 

Wie groß die Kluft zwischen Stuttgart und den umliegenden Landkreisen ist, zeigt nun eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox. Die Grundlage dafür ist das aktuelle Mobilfunk-Monitoring der Bundesnetzagentur. Das ist eine interaktive Karte, die genau zeigt, wie gut der Empfang bei Telekom, Vodafone, Telefónica (O2) und 1&1 ist.

16 Prozent Netzlücken im Rems-Murr-Kreis

In der Region Stuttgart kämpft vor allem der Rems-Murr-Kreis mit Netzproblemen. 16,3 Prozent der Fläche weist die Bundesnetzagentur hier als als „graue Flecken“ aus. Das sind genauer gesagt Gebiete, in denen nicht alle Netzbetreiber ihr Datennetz zur Verfügung stellen, jedoch mindestens einer. Der Wert im Rems-Murr-Kreis liegt noch über dem Bundesdurchschnitt aller Stadt- und Landkreise (14,0 Prozent).

Im Rems-Murr-Kreis gibt es die meisten grauen Flecken. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

„Wer hier von seinem Anbieter kein Datennetz empfängt, kann lediglich über das alte 2G-Netz telefonieren oder SMS versenden – das entspricht einer Mobilfunknutzung wie in den 1990er Jahren“, erklärt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. Filme streamen oder Videos versenden? Fehlanzeige!

Experte: „erhebliche Netzlücken“ im Süden

In den benachbarten Kreisen schaut es etwas besser aus: Im Kreis Böblingen weisen den Angaben zufolge 10,9 Prozent der Fläche graue Flecken aus, im Kreis Esslingen sind es 10,3 Prozent. In der Praxis bedeutet das: Wer beispielsweise bei O2 unter Vertrag ist, aber nur Vodafone vor Ort ein Netz anbieten kann, hat keine mobile Datenverbindung.

„Gerade in Deutschlands Süden haben Verbraucher immer noch mit teils erheblichen Netzlücken zu kämpfen. In Baden-Württemberg sind 20 Prozent der Landesfläche unterversorgt, also ein Fünftel“, sagt Verivox-Experte Schamberg.

Gute Mobilfunkversorgung in Stuttgart

Es gibt aber auch Positivbeispiele: So kann der Kreis Ludwigsburg mit einer Unterversorgung von 4,9 Prozent am ehesten mit der Landeshauptstadt gleichziehen. In Stuttgart herrscht laut Verivox nur noch an wenigen Stellen eine Unterversorgung mit mobilem Breitband: Nur 1,5 Prozent der Stadtfläche weisen graue Flecken auf.


Mobilfunkkunden aller großen Netzbetreiber – Telekom, Vodafone und O2 – werden inzwischen auf einem Großteil der Stadtfläche lückenlos versorgt. 1&1-Kunden surfen per National-Roaming-Vereinbarung im Vodafone-Netz. Regionen ganz ohne ein Mobilfunknetz sind zwar selten geworden. Im Kreis Böblingen entspricht der Funkloch-Wert mit 2,0 Prozent der Fläche in etwa dem deutschlandweiten Schnitt (2,1 Prozent).

„Echte“ Funklöcher seltener, aber dafür hartnäckig

Laut der Bundesnetzagentur wird ein Großteil dieser bestehenden Funklöcher auch in den kommenden 12 Monaten nicht beseitigt werden. Denn es bestehen keine Ausbaupläne. Allein im Südwesten gibt es laut Verivox für 1057 Quadratkilometer auch mittelfristig keine Hoffnung – das entsprecht fünf Mal der Fläche Stuttgarts.

„Viele Menschen, gerade in ländlichen Gebieten, werden noch lange auf eine zeitgemäße Mobilfunkversorgung warten müssen“, sagt Verivox-Experte Schamberg. „Die Zeiten, in denen schnelles mobiles Internet ein Privileg der Städte und Ballungsräume war, sollten eigentlich längst vorbei sein“, kritisiert er.

Doch immer noch hinkten selbst stark wachsende Kreise wie der Rems-Murr-Kreis bei einer durchgängigen mobilen Breitbandversorgung hinterher.

Dieser Artikel erschien erstmals am 23. April 2025 und wurde am 26. Mai um das Thema Funkloch-App aktualisiert.

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