Funklöcher Wo das mobile Internet im Kreis Esslingen lahmt

Wenn das Funknetz lahmt, hilft auch das modernste Smartphone nichts. Foto: Roberto Bulgrin

Die Mobilfunkanbieter in Deutschland wollen Funklöcher stopfen. Wie ist die Situation im Landkreis Esslingen? Ein Blick auf zwei Gemeinden, die zuletzt zu den digitalen Sorgenkindern gehörten.

Dass in Deutschland die Mobilfunkabdeckung ausbaufähig ist, merkt man spätestens, wenn man die größeren Städte verlässt. Und in Funklöcher gerät, wie die Gebiete mit schlechtem Empfang im Volksmund genannt werden. Das heißt: Das Smartphone kann keine Verbindung zum Internet aufbauen und das Telefonieren ist gar nicht oder nur eingeschränkt möglich. Auch im Landkreis Esslingen gibt es Gebiete, in denen das Handy keinen Balken anzeigt. Doch sind Funklöcher im Kreis noch ein ernstes Problem?

 

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Deutschland zählt im europaweiten Vergleich zu den Ländern mit den meisten Lücken in der Mobilfunkabdeckung. Das soll sich nun bessern. Die Anbieter Telekom und Vodafone arbeiten mittlerweile sogar zusammen, installieren und teilen sich Antennen, damit sich die Funklöcher allmählich schließen. Mehr als 2000 dieser sogenannten grauen Flecken seien im vergangenen Jahr verschwunden, teilten die Unternehmen kürzlich mit. Auch im Landkreis Esslingen hat sich der Empfang deshalb teils deutlich verbessert.

„Es tut sich etwas“

Die Bundesnetzagentur, die unter anderem den Netzausbau hierzulande fördert und reguliert, stellt auf ihrer Webseite eine interaktive Karte zur Verfügung. Sie ist als sogenannte „Heat Map“ aufgebaut, stellt guten Empfang in Rottönen und schlecht abgedeckte Bereiche in kalten Farben wie Hellblau dar. Wie die meisten Bereiche in der Region Stuttgart erscheint der Kreis Esslingen auf dieser Karte weitgehend rot. Zwei Gemeinden stechen mit ihrer hellblauen Farbe aber heraus: Wolfschlugen und Lichtenwald.

Doch: „Es tut sich etwas“, sagt der Wolfschlugener Bürgermeister Matthias Ruckh. „Der LTE-Ausbau ist mittlerweile erfolgt.“ Das Rathaus sei zudem in Gesprächen mit den beiden Anbietern, diese planten, jetzt das Netz auf 5G auszubauen. Wer durch den Ort laufe, habe in der Regel keine Probleme, mobil im Internet zu surfen, so Ruckhs Erfahrung. Doch das war nicht immer so.

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„Es gab schon Probleme mit dem Mobilfunk“, sagt der Rathauschef. Diese Zeiten habe Wolfschlugen aber weitgehend hinter sich gelassen, momentan lägen ihm keine Beschwerden vor. Dass die Gemeinde eine schlechtere Abdeckung hat als Nachbarkommunen, könnte mehrere Gründe haben. Zum einen erinnert Ruckh an die topografische Lage, denn Wolfschlugen liegt in einer Mulde. Zum anderen sei der Antennenstandort eines Betreibers entfallen. Es habe Unstimmigkeiten mit dem Grundstücksbesitzer gegeben, weshalb dieser den Vertrag habe auslaufen lassen. Dies habe dazu geführt, dass der Betreiber den Mast abbaute und eine Notantenne aufstellte. Laut der Karte der Bundesnetzagentur ist das beste Signal, das man in Wolfschlugen derzeit empfangen kann, 4G. Das Gleiche gilt für Lichtenwald.

Große Unterschiede zwischen Anbietern

Auf den ersten Blick erscheint dies für die meisten Anwendungen ausreichend. Und tatsächlich kann von einem Funkloch im engen Sinn bei vorhandener 4G-Abdeckung keine Rede sein. Doch handelt es sich bei den Angaben der Bundesnetzagentur offenbar um das maximal Mögliche. Die eigentliche Abdeckung ist nämlich vom jeweiligen Netzanbieter abhängig. Das zeigt vor allem das Beispiel Lichtenwald.

Dort, so erklärt Bürgermeister Ferdinand Rentschler, gebe es große Unterschiede zwischen den Anbietern. Während einer das Gemeindegebiet sehr gut mit mindestens LTE versorgt und teils sogar schon 5G verfügbar ist, haben zwei andere Provider offenkundig Nachholbedarf. Im einen Netz ist die Abdeckung in Thomashardt recht gut und in Hegenlohe relativ schlecht. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Sendeanlage im Norden Lichtenwalds befindet. Auch beim dritten Anbieter läuft es nicht rund. Im Gemeindegebiet sei die Abdeckung in beiden Ortsteilen nur durchschnittlich. Immerhin baut das Unternehmen derzeit eine Antenne zwischen den beiden Ortsteilen. „Da der neue Sendemast auch für weitere Betreiber ausgelegt ist, habe ich die Hoffnung, dass sich auch kurzfristig etwas tut bezüglich des Empfangs in Hegenlohe“, sagt Rentschler.

Region steht im Vergleich gut da

„Wir haben ein umfangreiches Digitalisierungsprogramm für Wirtschaft und Gesellschaft gestartet“, sagt Markus Grupp. Als Wirtschaftsförderer des Landkreises verantwortet er auch den Zweckverband Breitbandausbau. Dabei sei das Thema Mobilfunk ein Baustein des Programmes, der Fokus liege aber auf dem Glasfaserausbau. Dieser ist nämlich nötig, um moderne Mobilfunkstandards wie 5G einzurichten. Grupp erklärt: „Aufgrund unseres Digitalisierungsprogramms sind auch die Telekommunikationsunternehmen bereits verstärkt mit Investitionen in unserem Landkreis aktiv.“

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Im deutschlandweiten Vergleich ist der Netzausbau in der Region weit fortgeschritten, das zeigt eine weitere Karte, die die Telekom bereitstellt. Wolfschlugens Rathauschef Matthias Ruckh erinnert jedoch daran, dass auch der Datenverbrauch der Nutzer steige. Die Anbieter könnten dem steigenden Bedarf also noch einige Zeit hinterherhinken. Um dem entgegenzuwirken, versucht Ruckh die Menschen zu sensibilisieren: „Es ist wichtig, dass wir bei der Nutzung verantwortungsbewusst handeln.“

So schnell ist das Surfen mit dem Smartphone

LTE
  Grundlegend kann man die verschiedenen Mobilfunkstandards anhand ihrer Download-Geschwindigkeit auseinanderhalten. Das gilt auch für LTE und 4G, die häufig fälschlicherweise als Synonyme verwendet werden. Denn LTE, das steht für Long Term Evolution, gehört noch zur dritten Mobilfunkgeneration (3G), erhielt die Kennung 3.9 G, und hat mittlerweile eine Übertragungsrate von 150 Mbit pro Sekunde.

4G
Die vierte Generation des Mobilfunkstandards (4G). Zu ihr zählt die optimierte LTE-Varianten Advanced (LTE -A oder LTE+). Damit stießen die Anbieter in den Gigabitbereich vor. Sie stellten also eine Downloadrate von mehr als 1000 Mbits pro Sekunde zur Verfügung. Um diese Generation nutzbar zu machen, konnten recht simpel bestehende Systeme umgerüstet werden.

5G
Die aktuellste Generation ist die fünfte. Sie nutzt eine komplett andere Technologie, weswegen auch neue Anlagen installiert werden müssen. Doch das hat auch große Vorteile: Mit 5G können Geschwindigkeiten von bis zu 100 Gbits pro Sekunde erreicht werden. Das wäre etwa hundert Mal schneller als 4G.

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