Fusion in der Immobilienbranche Deutsche Annington will Gagfah schlucken

Von , Berlin 

Der größte deutsche Wohnungskonzern Annington will die durch die Übernahme des Konkurrenten Gagfah noch größer werden. Wenn das Kartellamt zustimmt, wächst das Annington-Portfolio auf 350 000 Wohnungen. Der Mieterbund appelliert an den Konzern, die Interessen der Bewohner zu wahren.

„Schön, hier zu wohnen“, lautet der Slogan der Deutschen Annington. Der Mieterbund appelliert an den Konzern,  die Interessen der Bewohner   auch nach der Übernahme zu wahren. Foto: dpa
„Schön, hier zu wohnen“, lautet der Slogan der Deutschen Annington. Der Mieterbund appelliert an den Konzern, die Interessen der Bewohner auch nach der Übernahme zu wahren. Foto: dpa

Berlin - Auf dem deutschen Wohnungsmarkt steht die nächste große Fusion von zwei börsennotierten Konzernen bevor. Der Marktführer Deutsche Annington Immobilien SE will den Konkurrenten Gagfah S.A. komplett übernehmen und dafür 3,9 Milliarden Euro zahlen. Die Gagfah-Aktionäre sollen 18 Euro je Aktie bekommen und der Ehe bis zum 21. Januar zustimmen. Bis Weihnachten werde man ein offizielles Übernahmeangebot vorlegen, erklärte Annington-Chef Rolf Buch. Entstehen würde ein Immobilienriese mit 350 000 Wohnungen im Wert von rund 21 Milliarden Euro, der auf dem europäischen Kontinent die Nummer zwei wäre.

Die Deutsche Annington mit Sitz in Düsseldorf ist mit 210 000 Wohnungen bereits das größte private Wohnungsunternehmen in Deutschland und beschäftigt 3400 Mitarbeiter. Die Gagfah ist eine Aktiengesellschaft nach luxemburgischen Recht und besitzt 145 000 deutsche Mietunterkünfte. Die ehemals gemeinnützige Berliner Gesellschaft besaß die 81 000 Wohnungen des Rentenversicherers BfA und wurde 2004 vom Bund an den US-Investor Fortress verkauft. Beide Unternehmen sind durch Finanzinvestoren entstanden, die bundeseigene, kommunale und firmeneigene Wohnungen kauften, die Bestände auf Rendite trimmten und die Konzerne dann mit hohen Gewinnen an die Börse brachten.

Kritik am Geschäftsmodell

Dieses Geschäftsmodell löst in Deutschland seit Jahren viel Ärger und Kritik aus. Beide Konzerne trafen wiederholt Vorwürfe, dass die Mieten erhöht, aber Sanierungen und Investitionen verschleppt würden, um möglichst hohe Gewinne aus den Quartieren zu ziehen. Man hoffe, dass Annington aus den bisherigen Fehlern lerne und verstärkt in die Instandhaltung investiere, sagte der Chef des Deutschen Mieterbundes (DMB), Lukas Siebenkotten, in Berlin. Der Konzern werde der mit Abstand größte Vermieter Deutschlands sein und habe schon deshalb eine besondere Verantwortung.

Beim Bundeskartellamt ist die Fusion bisher nicht angemeldet worden, wie ein Sprecher bestätigte. Möglicherweise sind auch die europäischen Kartellbehörden zuständig. Die deutschen Wettbewerbshüter hatten erst im August die Übernahme des Berliner Immobilienriesen GSW durch die Nummer zwei im deutschen Markt, die Deutsche Wohnen, ohne Auflagen genehmigt. Dieser Konzern besitzt nun rund 147 000 Wohnungen und will seinen Gewinn in diesem Jahr fast verdoppeln.

Der Mieterbund weist ausdrücklich darauf hin, dass solche Immobiliengeschäfte keine unmittelbaren Auswirkungen für die Mieter haben. „Die abgeschlossenen Mietverträge bleiben wirksam“, betont Siebenkotten. Auch die Miete könne nicht einfach erhöht werden. Der Vermieter bleibe verpflichtet, Instandsetzungen durchzuführen und Mängel abzustellen. Man erwarte, dass die Ankündigung von Annington-Chef Rolf Buch, Wertsteigerungen durch „Mieterorientierung“ erreichen zu wollen, tatsächlich erfüllt werde. Vordringlich seien die Schaffung altersgerechter Wohnungen und die energetische Sanierung der Bestände zu bezahlbaren Preisen.

Einsparungen in Millionenhöhe

Annington-Chef Buch will nach eigenen Worten einen „nationalen Champion von europäischer Dimension schaffen“. Die Ehe mit der Gagfah soll Einspareffekte von 84 Millionen Euro pro Jahr im operativen Geschäft und bei der Finanzierung bringen. Unter den Fusionsberatern des Konzerns ist auch die US-Bank JP Morgan. Die Deutsche Annington ist seit Mitte 2013 an der Börse und Mitglied im M-Dax. Wie bei der Gagfah, die seit 2006 börsennotiert ist, haben die früheren Finanzinvestoren ihre Anteile inzwischen komplett versilbert.

Chef des fusionierten Konzerns soll Buch werden, der vor anderthalb Jahren an die Spitze der Deutschen Annington gerückt ist. Sein Stellvertreter soll künftig Gagfah-Chef Thomas Zinnöcker sein. Die beiden Vorsitzenden der Aufsichtsräte, Wulf Bernotat und Gerhard Zeiler, sollen ihre Aufgabe künftig gemeinsam wahrnehmen. Die Fusion würde gelingen, wenn mindestens die Hälfte der Gagfah-Aktionäre zustimmt. Das Angebot von insgesamt 18 Euro je Aktie liege 16 Prozent über dem letzten Schlusskurs, wird betont.

Annington will die Übernahme je zur Hälfte aus einer Kapitalerhöhung und aus einem Kredit von JP Morgan finanzieren. Der Gewinn soll in diesem und im nächsten Jahr deutlich steigen. Erst im Herbst hatte der Konzern den Kauf von 5000 Quartieren in Berlin, Leipzig, Dresden und Erfurt bekanntgegeben und zuvor rund 41 000 Wohnungen von Dewag und Vitus übernommen. Die Deutsche Annington startete als Ableger der britischen Annington Homes 2001 mit dem Kauf von 65 000 Eisenbahner-Wohnungen vom Bund, danach folgten die Übernahme der Heimbau AG in Kiel mit 10 000 Quartieren, von 4500 RWE-Wohnungen und der Viterrra AG mit mehr als 150 000 Unterkünften. Der Finanzinvestor Terra Firma Capital Partners verkaufte in diesem Frühjahr nach 13 Jahren seine letzten Anteile.

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