Fußball: ASV Botnang Der ewige Zweite vor der Krönung
Für den ASV Botnang ist der Meistertitel in der Kreisliga A zum Greifen nah – womit für den Trainer Alexander Schweizer ein persönlicher Traum in Erfüllung gehen würde.
Für den ASV Botnang ist der Meistertitel in der Kreisliga A zum Greifen nah – womit für den Trainer Alexander Schweizer ein persönlicher Traum in Erfüllung gehen würde.
Es soll ein Sonntag für die Ewigkeit werden. „Wenn alles klappt, werden wir unseren Kindern noch von diesem Tag erzählen“, sagt Alexander Schweizer, Trainer des ASV Botnang, über das vorletzte Saisonspiel in der Staffel 1 der Fußball-Kreisliga A an diesem Sonntag (15 Uhr) gegen den TV 89 Zuffenhausen. Nur ein Punkt fehlt dem Spitzenreiter noch zum lang ersehnten Triumph: der Rückkehr in die Bezirksliga nach 15 Kreisliga-Jahren, und das als Meister. Zuletzt dreimal Zweiter im Endtableau, wollen die West-Stuttgarter endlich ihren „Vizekusen“-Ruf abschütteln. Ob der Gegner zum erhofften Statisten im finalen Akt eines turbulenten Titelrennens wird, bleibt abzuwarten. Schweizer ist jedenfalls guter Dinge: „Wir grinsen dem Wochenende entgegen.“
In den vergangenen drei Spielzeiten war die Gemütslage am jeweiligen Ende noch eine gänzlich andere. „Die Schmerzen in so einer verlorenen Relegation sind enorm“, erinnert sich der Coach an die in der Zusatzschicht gescheiterten Aufstiege 2022 und 2023, ehe im vergangenen Bezirksreformjahr die Zweiten dann überhaupt leer ausgingen. Auch das hat Spuren hinterlassen, als Croatia Stuttgart ungeschlagen durch die Liga marschierte und die Botnanger trotz starker Runde abermals in die Röhre schauten.
Und in dieser Saison sah es lange so aus, als sollte die Geschichte sich wiederholen. Diesmal Türkspor Stuttgart statt Croatia als übermächtiger Rivale? Das Hinrundenduell gewann der mit Hochkaräter-Personal gespickte Bezirksliga-Absteiger krachend mit 5:1. „Ab da wussten wir: Wir sind der Underdog. Türkspor war wirklich unfassbar stark“, erinnert sich Schweizer. Früh war klar: Die eigenen Kaderabgänge lassen sich nicht eins-zu-eins ersetzen. Vielmehr musste sich der zuvor so spielstarke ASV Botnang neu erfinden. Schweizer impfte den Seinen eine neue Spielanlage ein: „Wir haben nicht mehr die Dominanz von früher, wir kommen jetzt durch den Kampf und den Zusammenhalt – und eine brutale Effizienz“, sagt der Coach.
So wie die Mannschaft in den vergangenen Jahren gereift ist, hat sich auch Schweizer zum Taktikfuchs gemausert. Als Botnanger Urgestein ist er seit seinem sechsten Lebensjahr im Verein, zur Saison 2017/18 übernahm er die erste Mannschaft. „Damals war ich vielleicht noch etwas zu jung“, sagt der heute 34-Jährige, der seine Kicker nach holprigen ersten Jahren aber zu einem Spitzenteam der Liga formte. „Und irgendwann kam ich auf die Idee: Komm, wir steigen jetzt auf!“, sagt der Trainer lachend. Mit ins Boot holte er seinen vier Jahre jüngeren Bruder Daniel. „Er durfte gar nicht daran zweifeln“, sagt er. „Er musste sich die Geschichte vom Aufstieg jedes Mal am Frühstückstisch anhören.“ Mit 23 Toren ist Daniel aktuell drittbester Schütze der Staffel und hinter Mirlind Kamberi Co-Kapitän.
„Ohne die beiden hätten wir uns von der Türkspor-Klatsche nicht erholt“, weiß Alexander Schweizer. Tatsächlich rappelte sich das Team rasch wieder auf und fuhr wie der große Gegner unbeirrt Punkte ein. Im Rückspiel dann ließen die Botnanger erstmals den Türkspor-Nimbus des Unbezwingbaren bröckeln. Beim 3:3 hatten sie ihren Kontrahenten am Rande der ersten Saisonpleite, die schließlich drei Partien später gegen den TV Zazenhausen erfolgen sollte (1:3). „Das hat den Stein ins Rollen gebracht und der Liga gezeigt, dass sie zu schlagen sind“, konstatiert Schweizer. Mittlerweile überhaupt die Wende: Zwei Spieltage vor Schluss liegen die Botnanger sechs Punkte vorn – und steht ihr Trainer vor der Verwirklichung eines lange gehegten Traums. „Es ist ein Gänsehautmoment, mit dem Verein, bei dem ich mein Leben lang war, jetzt die Chance auf die Meisterschaft zu haben“, sagt er.