Fußball bei der SpVgg Aidlingen Grenzenlose Leere nach dem Tod von Torhüter Dominik Wheeler

Die SpVgg Aidlingen trauert um ihren Fußball-Torhüter Dominik Wheeler, „einen wundervollen, lieben Menschen“. Foto: Eibner/Silas Schüller

Wie es nach dem Tod von Torhüter Dominik Wheeler bei den Fußballern der SpVgg Aidlingen weitergeht, ist bislang unklar. Aktuell ist an Sport nicht zu denken. Die Anteilnahme von den anderen Vereinen im Kreis Böblingen ist groß.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Der Tag, der nicht nur die Aidlinger Fußballer in tiefe Trauer, Ohnmacht und immense innere Leere stürzte, er verlief am Freitagabend gegen 19 Uhr zunächst ganz heiter mit einem Erinnerungsfoto. Weil sich zwei weitere Torhüter nach überstandenen Verletzungen frisch im Training zurückgemeldet hatten, standen Tobias Lindner, dem Trainer des Kreisliga-A-Klubs SpVgg Aidlingen, auf dem Trainingsgelände am Vogelherdle plötzlich fünf Keeper zur Verfügung. „Fünf Torhüter, so etwas hatte ich noch nie – also haben wir das im Bild festgehalten“, sagt Lindner. Auf dem Foto zu sehen ist auch die Nummer eins der ersten Mannschaft, Dominik Wheeler. „Mit einem ganz fröhlichen Lächeln“, wie Lindner über seine verstorbene Nummer eins erzählt.

 

Ein Wochenende ist inzwischen vergangen seit den dramatischen Szenen, die sich am Freitagabend nach Trainingsende rund anderthalb Stunden später am Rande des Trainingsplatzes abgespielt haben. Das eigentlich für den Sonntag angesetzte Ligaspiel gegen die SV Böblingen II hat die SpVgg Aidlingen abgesagt. Wie es nun weitergeht – so genau weiß das bei den Schwarz-Gelben aktuell niemand. „Auch ich betrete hier absolutes Neuland, als Trainer, Freund und als Mensch“, sagt Tobias Lindner.

Immer hilfsbereit, aufgeschlossen und für alles zu haben

Denn die schnell eingeleiteten Wiederbelebungsversuche der Mitspieler, der Notärzte sowie der Transport an die Uniklinik Tübingen sind letztlich erfolglos geblieben. Dominik Wheeler, der nach dem Ende des leichten Abschlusstrainings noch ein paar Abschläge übte, ehe er auf dem Weg zur Teambesprechung am Rande des Platzes zusammenbrach, ist in der Nacht auf Samstag verstorben. Mit 36 Jahren.

„Die SpVgg Aidlingen trauert um unseren Torhüter, Co-Kapitän, Freund und vor allem um einen wundervollen, lieben Menschen“, heißt es in der Mitteilung des Vereins: „Er war immer hilfsbereit, aufgeschlossen und für alles zu haben. Wir können es noch immer nicht in Worte fassen und wünschen Deiner Familie viel Kraft.“

Sport rückt in schwierigen Zeiten in den Hintergrund

Tobias Lindner ist am Sonntag ans Vogelherdle zurückgekehrt. „Ich musste an den Ort des Geschehens zurück, um anzufangen, alles zu verarbeiten“, sagt der Aidlinger Coach, dem die unzähligen Reaktionen anderer Klubs, Spieler und Funktionäre vom Samstag und Sonntag die Tränen in die Augen getrieben hatten. „Es zeigt, dass die Sportszene im Kreis eine ganz tolle Gemeinschaft ist, in welcher der Sport in schweren Zeiten in den Hintergrund rückt.“ Für diesen Dienstag hat Lindner ein Treffen der Mannschaft anberaumt, ein loses Kommen und Gehen für jeden, der will.

„Aktuell ist an Fußball nicht zu denken“, sagt Lindner, der am Freitag noch 30 Spieler im Training hatte. Gemeinsam hatten sich vier, fünf Spieler sofort daran gemacht, ihren Torhüter nach dem Zusammenbruch wiederzubeleben. Auch ein Defibrillator, der im benachbarten Tennisheim hängt, weil er dort rund um die Uhr zugänglich ist, war schnell zur Stelle. Letztlich wurde er auch eingesetzt. Allerdings nach kurzem Zögern, weil bekannt war, dass Wheeler einen Herzschrittmacher eingesetzt bekommen hatte.

Notärzte kämpfen auf dem Platz eine Stunde um sein Leben

Nach dem Eintreffen der Notärzte, die allein auf dem Platz rund eine Stunde um das Leben des Torwarts kämpften, ehe sie ihn nach Tübingen verlegten, sowie der drei Seelsorger des Roten Kreuzes verbrachte das Team die Stunden des Hoffens und Bangens gemeinsam im Vereinsheim. Lindner selbst ging erst um vier Uhr nachts, immer mit der Hoffnung, alles würde sich noch zum Guten wenden, ehe ihn auf dem Heimweg die Todesnachricht erreichte. „Es ist ganz schlimm, wenn du alles probierst, aber es reicht nicht“, sagt er rückblickend.

Über die Wege, wie die Mannschaft das Erlebte mit Blick in die Zukunft am besten verarbeiten kann, ist noch nicht final entschieden. Über professionelle psychologische Unterstützung für die Spieler, Trainer und Offiziellen wird nachgedacht. Im Kreis des Teams sind die ersten Reaktionen ganz unterschiedlich. „In dieser Runde spiele ich nicht mehr“, finden einige. „Dome hätte gewollt, dass wir weitermachen“, sagen andere.

Einen komplett klaren Kopf hat dabei noch keiner. „Es ist immer noch nicht ganz real“, heißt es in der Erklärung des Klubs. Zu tief sitzt der Schock. Schließlich haben die SpVgg-Fußballer nach einer lockeren Einheit am Freitag einen ihrer Mitspieler direkt vor ihren Augen verloren. Unklar ist daher auch, ob und wann der Punktspielbetrieb der SpVgg Aidlingen in der Fußball-Kreisliga A, Staffel II, fortgesetzt sowie das Halbfinale im Bezirkspokal ausgetragen wird. In der Liga ginge es am Sonntag zum FC Unterjettingen, im Pokal stehen die Schwarz-Gelben unter den besten vier Teams, sollen auf heimischem Platz am Dienstagabend der kommenden Woche gegen den Bezirksliga-Spitzenreiter SV Rohrau antreten.

Ob es zu diesem Spiel so früh nach dem tragischen Verlust ihres Torhüters für die Aidlinger kommen wird, ist äußerst ungewiss. Fest steht derweil, dass die SpVgg ohne Dominik Wheeler nicht im Halbfinale des Bezirkspokals stehen würde. Denn der Keeper hatte im Achtelfinale gegen den FC Gärtringen im entscheidenden Elfmeterschießen drei Elfer gehalten.

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