Quo vadis SV Böblingen? Aus der aktuellen Mannschaft – auf unserem Foto ist Lennart Häßler im jüngsten Testspiel zu sehen – wird nur noch ein Teil übrig bleiben. Foto: Stefanie Schlecht
Jahrelang hatte die Fußballabteilung der SV Böblingen das klare Ziel, die Früchte ihrer Nachwuchsarbeit zu ernten. Jetzt droht alles auseinanderzubrechen. Wie konnte es so weit kommen?
Kevin Schuon
24.02.2026 - 14:29 Uhr
Seit Jahren verfolgt die SV Böblingen mit ihrem selbst ernannten Böblinger Weg ein klares Ziel: aus talentierten Spielern aus dem eigenen Nachwuchs eine starke Mannschaft formen. Damit sollte nach schweren Zeiten der Erfolg wieder an den Silberweg zurückkehren – und zwar nachhaltig.
Doch gerade jetzt, wo es so aussieht, als würde sich diese Arbeit langsam bezahlt machen, wird der Böblinger Weg zum Scheideweg. Die Frage, die sich stellt: Warum?
Dominoeffekt bei der SV Böblingen durch den Weggang des Trainers
Der Weggang von Trainer Thomas Siegmund zum VfL Sindelfingen hat offenbar einen Dominoeffekt in Gang gesetzt. Nach dem Coach werden wohl auch viele Spieler die Mannschaft im Sommer verlassen. Damit bricht ein Gerüst, das jahrelang mühsam aufgebaut wurde, innerhalb von wenigen Wochen zusammen.
Die Antwort auf die Frage, wo die Böblinger auf ihrem Weg offenbar falsch abgebogen sind, ist nicht einfach zu finden. Auch für viele Verantwortliche selbst nicht. Sie sind laut eigener Aussage nach wie vor überzeugt von ihrer Philosophie und ihrem Team. Deshalb hätten sie mit den Spielern gerne weitergemacht und haben schnell für Klarheit auf der vakanten Trainerposition gesorgt.
Jetzt sollte sich die SV Böblingen unbedingt wieder auf das Sportliche konzentrieren. Foto: Stefanie Schlecht
Der SV Böblingen drohen die Abgänge von bis zu 16 (!) Fußballern
Dennoch ist von bis zu 16 Abgängen zur Saison 26/27 die Rede. Längst nicht alle davon werden dem Ruf ihres früheren Übungsleiters folgen. Es wäre auch zu einfach, die aktuellen Probleme am Weggang von Thomas Siegmund festzumachen.
Hinter vorgehaltener Hand ist immer wieder zu hören, dass längst nicht alles im Verein rundläuft. Dass Anspruch und Wirklichkeit an manchen Stellen auseinanderklaffen, oder dass nicht immer alle an einem Strang ziehen. Das ist ein Stück weit ganz normal, und das gibt es auch in anderen Vereinen.
Verantwortliche bei der SV Böblingen tun gut daran, kritisch zu hinterfragen
Allerdings wird es knifflig, wenn die Probleme nicht konkret auszumachen sind oder klar benannt werden können. Deshalb tun die Verantwortlichen hinter den Kulissen gut daran, kritisch zu hinterfragen, weshalb viele, die sich jahrelang diesem Weg verschrieben haben, nun – angeblich ganz plötzlich – nicht mehr davon überzeugt sind.
Vielleicht ist es ganz gut, dass ab Samstag wieder das Sportliche im Vordergrund steht. Um in der Rückrunde den Klassenerhalt zu schaffen, müssen sich nämlich alle zusammenraufen: der neue Trainer, die Spieler, die Macher im Hintergrund. Denn ein Abstieg in die Bezirksliga wäre für den Verein absolut unwürdig. Was dabei sicherlich nicht hilft: die Verantwortung auf andere zu schieben oder ihnen die Qualitäten abzusprechen, wie zuletzt geschehen.
Im Fußball-Nachwuchsbereich macht die SV Böblingen einen starken Job
Das haben ganz nebenbei auch diejenigen verdient, für die die SV Böblingen nicht nur eine Durchgangsstation, sondern nach wie vor echte Herzenssache ist. Diejenigen, die im Hintergrund oder in der Nachwuchsabteilung Tag für Tag einen hervorragenden Job machen.
Dort ist die SV Böblingen nämlich tatsächlich das, was sie sich immer auf die Fahnen schreibt: die Nummer eins im Kreis. Im Aktiven-Fußball scheint sie davon aktuell jedoch weiter entfernt zu sein als jemals zuvor.