Fußball bei der SV Böblingen „Hätten Thomas Siegmund gerne als Trainer behalten“ – Plan B gab es nicht

Mit Hochdruck auf der Suche: Abteilungsleiter Detlef Büttner und die SV Böblingen brauchen einen neuen Trainer. Foto: Stefanie Schlecht

Die SV Böblingen aus der Fußball-Landesliga, Staffel II, wurde vom Abgang von Trainer Thomas Siegmund kalt erwischt. Einen Plan B gab es nicht. Jetzt muss schnell ein Nachfolger her.

Wenn Detlef Büttner in diesen Tagen einen Wunschzettel für Weihnachten schreiben würde, könnte dieser ungefähr so aussehen: ein Trainer, jung und ambitioniert, ein echter Fußballfachmann, der Lust darauf hat, erfolgreich mit einer talentierten Truppe etwas aufzubauen. Genau das verkörperte Thomas Siegmund während seiner zweiten Amtszeit für die SV Böblingen in der Landesliga, Staffel II.

 

Dass die Anfrage seines bisherigen Coaches, zum VfL Sindelfingen wechseln zu dürfen, am Mittwochabend auch für den Abteilungsleiter der SV Böblingen aus heiterem Himmel kam, daraus macht Detlef Büttner kein Geheimnis. „Wir hören natürlich immer in die Szene hinein und wussten, dass der VfL Sindelfingen nach der Trennung von seinem Trainer nach einer guten Lösung sucht“, sagt er. Weshalb er vielleicht so etwas wie eine böse Vorahnung gehabt habe.

SV Böblingen hätte Trainer Thomas Siegmund gern weiter an Bord gehabt

Doch selbst in diesem Planspiel war er davon ausgegangen, dass sich die Wege – wenn überhaupt – erst im Sommer trennen. „Wir dachten, es ginge im Gespräch mit Thomas Siegmund darum, ob er sich vorstellen kann, über die Saison hinaus mit uns weiterzumachen“, führt Detlef Büttner aus. „Wir hätten ihn auf jeden Fall gerne auch in Zukunft an Bord gehabt“, gibt er zu.

Doch Thomas Siegmund hatte ganz offensichtlich andere Pläne. Was nicht nur deshalb überraschend kam, weil der 35-Jährige die Identifikation mit der SV Böblingen vorgelebt hat wie kaum ein anderer. Bereits in der Jugend schnürte er die Kickstiefel für den Verein, war anschließend Trainer erst in der Jugend, dann über zwei lange Amtszeiten im Aktivenbereich. „Eine solche Entscheidung zu einem Wechsel trifft man natürlich nicht einfach so“, sagt er. Doch nach der Anfrage des VfL Sindelfingen sei der Gedanke für ihn schnell gereift. „Ich sehe es als große Chance mit einer langfristigen Perspektive“, erklärt er.

Auch in seiner zweiten Amtszeit bei der SV Böblingen häuften sich einige Themen an, mit denen Thomas Siegmund nicht zufrieden war. Foto: Eibner/Jani Pless

Dass er die SV Böblingen ohnehin am Ende der Saison verlassen hätte, sei rein spekulativ. Gleichzeitig ist es kein Geheimnis, dass sich auch in seiner zweiten Amtszeit immer mehr Themen anhäuften, mit denen Thomas Siegmund nicht zufrieden war. Es schien häufig so, dass der 35-Jährige den Ehrgeiz und die Professionalität, die er selbst an den Tag legt, an anderen Stellen vermisst.

Dabei sind es unter anderem genau diese Ambitionen, die auch Detlef Büttner am Coach sehr schätzt. „Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten“, sagt der Fußballchef der SV Böblingen. Was Thomas Siegmund anpackt, hat mehr als Hand und Fuß. Er verfolgt einen festen Plan. Er traut sich, Dinge schonungslos anzusprechen. Immer mit dem Ziel, besser zu werden. Dabei ist er stets in der Lage, sich selbst zu hinterfragen. Als die SV Böblingen vergangene Saison gegen den Abstieg kämpfte, war er selbst sein größter – und vielleicht sogar einziger – Kritiker im Verein.

Während sich die Nachbarn vom VfL Sindelfingen nun also einen Toptrainer gesichert haben, stehen die Verantwortlichen am Silberweg blank da. Einen Plan B hatte die SV Böblingen nicht in der Schublade. „Wir sind natürlich mit Hochdruck auf der Suche“, betont der Abteilungsleiter. Das liegt in den Händen des sportlichen Leiters Ioannis Tsapakidis. „Er ist zum Glück super vernetzt“, betont Detlef Büttner.

Auch die eine oder andere Anfrage sei bereits beim Verein gelandet. „Wir suchen jedoch nicht nur irgendeinen Trainer, sondern einen, der unseren Weg weiterverfolgt und unsere jungen Spieler voranbringt.“ Deshalb wollen die Verantwortlichen in den nächsten Tagen zunächst erneut das Gespräch mit der Mannschaft suchen, um mit dieser über Perspektiven und mögliche Pläne zu sprechen. „Eine entspannte Weihnachtszeit haben wir uns alle anders vorgestellt“, weiß Detlef Büttner. Dafür ist ein großer Weihnachtswunsch dazugekommen.

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