Fußball bei SpVgg Holzgerlingen Abwehrchef Steffen Wagner hat die Kickstiefel an den Nagel gehängt

So sahen die Hotze-Fans Steffen Wagner am liebsten: Der Defensivspezialist konnte dank Kopfballstärke öfter mal über einen eigenen Treffer jubeln – wie hier im Relegationshalbfinale bei seinem Führungstor kurz vor Abpfiff der Verlängerung. Foto: Eibner/Cornelius Mann

Steffen Wagner, langjähriger Abwehrchef bei Fußball-Bezirksligist SpVgg Holzgerlingen, hat seine Karriere beendet. Das i-Tüpfelchen zum Abschluss blieb ihm jedoch verwehrt.

Die SpVgg Holzgerlingen, Vizemeister der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen, muss künftig ohne Abwehrrecke Steffen Wagner auskommen, der laut eigener Aussage nur einmal in seiner Karriere vom Platz geflogen ist. Der 34-Jährige hat diesen Sommer seine Kickstiefel an den Nagel gehängt, wird dem Verein, für den er elfeinhalb Jahre lang auf dem Platz stand, aber weiterhin verbunden bleiben. „Eine Dauerkarte für die anstehende Saison habe ich bereits beantragt. Ich werde versuchen, die Jungs so oft wie möglich als Zuschauer anzufeuern“, betont er.

 

Der Aufstieg in die Landesliga zum Abschluss seiner Laufbahn blieb ihm verwehrt. „Natürlich wäre es der Hammer gewesen, mich damit zu verabschieden. Auch wenn es nicht gereicht hat, war die entscheidende Relegationsbegegnung ein super Erlebnis. Besser hätte ich mir das Ende nicht vorstellen können“, denkt er trotz der 2:5-Niederlage gegen den 1. FC Eislingen gerne an seinen finalen Einsatz zurück. Eine Woche zuvor hatte er Hotze kurz vor Abpfiff gegen den SV Neresheim überhaupt erst in dieses Duell geköpft. Auch das letzte reguläre Punktspiel hat er noch in guter Erinnerung: „Es war ein schöner Abschied vor heimischer Kulisse beim 8:2 gegen die SpVgg Cannstatt.“

Damit ging für Steffen Wagner eine kräftezehrende Saison zu Ende, die er wegen eines Muskelfaserrisses, an dem er von Mitte März bis Ende April laborierte, nicht durchgängig bestreiten konnte. „Ich habe mich ehrlich gesagt von Spiel zu Spiel gehangelt. Mit über 30 fängt der Körper an, sich zu melden. Die Regeneration dauert länger“, erklärt er. Das ist aber nicht der Grund für sein Ausscheiden. „Es kommen mehrere Faktoren mit rein. Die Familie – ich werde bald zum zweiten Mal Vater. Der Beruf – ich bin bei einem Automobil-Zulieferer angestellt. Der Wohnort – ich wohne seit sechs Jahren in Echterdingen, nachdem ich früher fast direkt beim Sportplatz mein Zuhause hatte.“

In Holzgerlingen ist der Defensivmann schnell heimisch geworden, als er Anfang 2014 in der Winterpause von der SV Böblingen dorthin gewechselt ist. „Ich weiß noch, dass beim Herrenberger Hallenturnier der erste Kontakt zustande kam. Meine alten Mannschaftskollegen wie Thomas Hahn, Malte Bonertz, Scott Rogers und Simon Hauth haben mich überzeugt, zu wechseln“, erzählt er, dass er die Entscheidung nie bereut hat, da die SpVgg für ihn ein besonderer Verein ist: „Das Umfeld ist super, es fühlt sich an wie eine Großfamilie. Zu vielen Menschen habe ich ein tolles Verhältnis, es sind zahlreiche Freundschaften entstanden.“ Zuvor war er nur für einen Verein aufgelaufen – eben jene SV Böblingen. Als A-Junior sogar eine Runde in der Oberliga. 2010 wurde er in den Kader der Aktiven übernommen und wurde gleich im ersten Jahr Landesliga-Meister. „Auch wenn ich nicht so viel gespielt habe, bekomme ich heute noch direkt eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Erfolg zurückdenke.“ Damals war übrigens Timo Paetzold Kapitän der Meisterelf, der später auch bei Hotze gelandet ist.

2011/2012 folgten 13 Verbandsliga-Einsätze und ein Tor für Steffen Wagner, 2012/2013 stand er achtmal auf dem Feld, 2013/2014 waren es erneut 13 Auftritte und ein Treffer. „Ich war immer wieder verletzt. Aber ich habe viel gelernt, und als junger Kerl war es toll, in dieser Klasse zu kicken“, blickt er freudig zurück. Bei den Grün-Weißen habe er sich mehr Zeit auf dem Rasen versprochen, „deswegen war der Schritt nach unten in die Landesliga für mich kein Problem“.

Bezogen auf den unglücklichen Abstieg von dort 2015/2016 – obwohl Steffen Wagner im Saisonendspurt gegen Young Boys Reutlingen sogar doppelt getroffen und die KRZ damals „Wagner-Festspiele statt Schwanengesang“ getitelt hatte – erwähnt der Mittdreißiger lobend die gute Kameradschaft: „Wir haben uns gesagt, dass wir zusammenbleiben und gleich wieder aufsteigen wollen.“ Gesagt, getan – nach einer Saison war die Truppe vom Schönbuchrand wieder in der Landesliga. „Die Traktorfahrt ist unvergessen“, schwärmt Wagner von der Meisterfeier.

2022 ging es sang- und klanglos wieder eine Etage tiefer. „Das war schon schwer, weil wir echt mehrmals ordentlich die Hucke voll bekommen haben“, erinnert sich Steffen Wagner mit Schaudern an die 148 Gegentore als Tabellenletzter zurück. „Aber die Fans haben uns immer wieder auf die Schulter geklopft und Mut zugesprochen.“ Inzwischen sind dank vieler junger Wilder wieder bessere Zeiten eingekehrt, für den Routinier gehört die SpVgg Holzgerlingen deshalb in die Landesliga. „Ich drücke die Daumen, dass sie wieder ganz oben mitmischt.“

Dann mit Dauerkarteninhaber Steffen Wagner und dessen dreijährigem Sohn hinter der Bande. „Ganz ohne Fußball geht es nicht. Ich habe mich auch schon mit der AH beschäftigt oder will mit meinen Kumpels zusammen kicken“, wird der Kopfballspezialist hin und wieder die Böller vom sprichwörtlichen Nagel holen. Aber auch andere Sportarten nimmt er in den Fokus. „Einen Marathon zu laufen oder Triathlon zu absolvieren, kann ich mir gut vorstellen.“

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