Coach Thomas Wohland (re.) und Co-Trainer Christopher Paurevic (li.) verlassen den GSV Maichingen nach Saisonende. Foto: Eibner/Andreas Ulmer
Thomas Wohland ist nur noch bis Sommer Trainer bei Fußball-Landesligist GSV Maichingen. Warum der Verein sich für die Trennung entschieden hat, und wie der Coach darauf reagierte.
Auf die Gründe dafür angesprochen, betont Abteilungsleiter Werner Klauß zunächst, dass der Abschied nicht sofort erfolgt: „Oft ist es in diesem Geschäft üblich, dass man sich in der Winterpause von Trainern trennt. Das war bei uns überhaupt kein Ansatz“, sagt er. „In einem kleinen Gremium sind wir zu dem klaren Ergebnis gekommen, dass die derzeitige sportliche Lage nicht an den Trainern liegt.“
GSV Maichingen hat in der Fußball-Landesliga, Staffel II, nur 17 Punkte auf dem Konto
„Das ist die zweite Saison hintereinander, in der wir um den Klassenerhalt kämpfen, das muss sich ändern“, erklärt Werner Klauß, verweist aber auch auf den Umbruch vor dieser Runde mit zwölf Neuzugängen: „So ein Wandel geht nicht von heute auf morgen. Da muss man schon Geduld haben. Es wird drei, vier Jahre dauern, bis wir da hinkommen, wo wir hinwollen. Die Trainer tun alles, damit wir erfolgreich sind, deshalb wollten wir auf jeden Fall mit ihnen bis zum Saisonende weiter zusammenarbeiten.“
Abteilungsleiter Werner Klauß weiß, dass ein Umbruch Zeit benötigt, will aber auch neue Impulse setzen. Foto: Stefanie Schlecht
Bliebe die Frage, warum es trotz der geforderten Geduld und des Engagements der Trainer nicht gemeinsam weitergeht. „Wir wollten einen neuen Impuls setzen“, antwortet der Abteilungsleiter. „Wir möchten in Zukunft jemanden haben, der sich mit um die Jugend kümmert.“ Bei den Junioren müsse ein Schwerpunkt gesetzt werden, damit auch deutlich mehr davon im Aktivenbereich für den GSV auflaufen. „Wir machen eine wahnsinnige Jugendarbeit, aber oben kommt nichts an. Viele gehen in der D- oder C-Jugend zu benachbarten Vereinen.“ Um das zu ändern, bedürfe es der Unterstützung von Vereins- und Jugendleitung sowie eben der Aktiventrainer, schildert Werner Klauß.
Nun hat Thomas Wohland allerdings nicht gerade eine schlechte Bilanz, was die Integration von Nachwuchskickern im Kader der ersten Mannschaft angeht. Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2024 als Nachfolger des damals entlassenen Giuseppe Iorfida brachten es Dzan Komarica direkt aus der A-Jugend sowie Alexander Schmidt, Leandro Orfeo und Keeper Mehmet Colak über den Umweg zweite Mannschaft auf einige Einsätze in der Landesliga.
Dass der angestrebte schärfere Fokus auf die Jugend einer der Gründe des Vereins für die baldige Trennung von den Trainern ist, dürfte manchen Beobachter also durchaus erstaunen. „Die Argumentation wundert mich auch ein bisschen, wir haben viele Junge eingebaut und wollten das auch weiter tun“, meint Thomas Wohland selbst. Dass dies ein steiniger und holpriger Pfad sein kann, sei ganz normal. „Viele der Jungs sind beim Übergang zu den Erwachsenen halt noch nicht ganz so weit, wie sie es sich selbst wünschen. Aber ich denke schon, dass wir diesen Weg bereits eingeschlagen haben.“
Waren die Vereinsverantwortlichen dennoch der Ansicht, der Coach und sein Co-Trainer könnten das Anforderungsprofil in Sachen Nachschub aus der Jugend nicht erfüllen? „So will ich das nicht sagen“, verneint Werner Klauß auf Nachfrage und bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel: „Es geht aber auch einfach um Kontakte, die man hat oder nicht hat. Das soll allerdings kein Vorwurf sein.“ In diesem Hinblick stimmt Thomas Wohland teilweise zu: „Es mag sein, dass ich kein Mega-Netzwerk habe“, räumt er ein und fügt dann hinzu: „Aber bei diesem Thema sind auch die Verantwortlichen vom Verein gefragt.“
Überrascht habe ihn sein Aus nach den Gesprächen, in denen er mit den Fußballchefs die Hinrunde Revue passieren ließ, nicht. „Es ist schade, weil mir die ganze Geschichte mit dem GSV am Herzen liegt“, gibt er einen Einblick in seine Gedanken. „Ich hätte gerne weitergemacht, aber auf der anderen Seite muss man Realist sein. Wir stehen punktemäßig nicht so da, wie wir es uns vorgestellt hatten. Zu diesem Zeitpunkt ist das zu wenig.“ Thomas Wohland ergänzt: „Ich hätte mir gewünscht, dass ich länger Zeit bekomme, weiß aber auch, dass der GSV einen anderen Anspruch hat. Ich bin fein mit der Situation und kann gut damit leben.“
Wie es für ihn persönlich weitergeht? Darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht und lässt alles auf sich zukommen. Die Maichinger haben derweil bereits einen Nachfolger im Blick, doch noch ist nichts spruchreif. Mit Vollzug ist demnächst zu rechnen, denn der Neue soll natürlich auch in die Kaderplanung für 26/27 eingebunden werden, die bereits jetzt startet.