Emotionale Szene: Paul Lubig (am Boden) weint nach dem Aufstieg mit dem SV Nufringen Freuden- und Abschiedstränen. Foto: Schuon
Die Bezirksliga-Rückkehr des SV Nufringen war eine ganz emotionale Angelegenheit. Insbesondere für Torschütze Paul Lubig und Daniel Supper, die sich mit dem Aufstieg verabschieden.
Kevin Schuon
23.06.2025 - 16:38 Uhr
Es war ein Abend der ganz großen Emotionen. Drei Jahre nach dem Abstieg aus der Bezirksliga kehrt der SV Nufringen nach dem 2:0-Erfolg im Relegationsspiel gegen den Türk SV Herrenberg in die Bezirksliga zurück.
Zum Matchwinner wurde dabei Paul Lubig, der in der 77. Minute das erlösende 1:0 erzielte. Schon beim Torjubel konnte er seine Emotionen kaum im Zaum halten. Nach Abpfiff lag er auf dem Rasen von Weilimdorf, schluchzte und schlug die Hände vors Gesicht. „Es bedeutet mir einfach unheimlich viel“, erzählte er. Es war das letzte Spiel des 37-Jährigen für die erste Mannschaft des SVN. In der kommenden Runde wird er die zweite Mannschaft coachen.
„Das sind genau meine Situationen“, ging er auf den wichtigen Treffer ein. Timo Tropsch hatte den Ball vom rechten Flügel in die Mitte gebracht, am ersten Pfosten verpasste Calvin Ludolph haarscharf. Die Kugel landete auf dem Schlappen von Lubig, der gekonnt vollendete. Es sind diese Geschichten, die nur der Fußball schreibt. „Das ist natürlich Fußballromantik pur“, sagte auch Spielertrainer Dustin Kappus. „Dass ausgerechnet er dieses Tor macht.“
Vor drei Jahren war das Spielertrainer-Duo Dustin Kappus und Daniel Supper gekommen, um die Nufringer wieder zurück in die Bezirksliga zu führen. Zuvor hatten sie mit dem SV Deckenpfronn bereits den Landesliga-Aufstieg geschafft. Dass es in Nufringen nun drei Jahre bis zum Ziel gedauert hat, bezeichnete Kappus als gesund. „Wir hatten einen Umbruch und sind an der Aufgabe gewachsen“, erklärte er. Dass sich die Mannschaft auch in der Bezirksliga nicht verstecken muss, dafür hat sie am Samstag den besten Beweis abgeliefert. „Ich glaube, dass wir mithalten können“, meinte der Coach. Die Truppe bleibt fast vollständig zusammen, Tim Rieker und Davide Meola kommen vom FC Gärtringen dazu.
Auch für Daniel Supper, dem zweiten Abgang neben Lubig, war es ein emotionaler Abschied. „Das mit meinem Heimatverein zu erreichen, war immer mein Traum“, betonte er. Der 35-Jährige ist in Nufringen aufgewachsen, hat beim SVN das Fußballspielen gelernt. Anschließend spielte er lange Zeit in der Verbands- und Landesliga beim FC Gärtringen, ehe er beim SV Deckenpfronn seine ersten Schritte als Spielertrainer machte.
Vor drei Jahren kehrte er dann zu seinem Heimatverein zurück. Nicht, um die Karriere langsam ausklingen zu lassen, sondern nochmal etwas zu erreichen. Bereits vor dieser Saison ist er einen Schritt kürzergetreten, hat das Amt als zweiter spielender Trainer an Timo Tropsch übergeben und wollte sich in seiner letzten Saison ganz aufs Kicken konzentrieren. „Meine Karriere jetzt so zu beenden, besser geht es nicht.“
Früher gestartet als geplant: Neu-Trainer Harun Güney konnte den Abstieg des Türk SV Herrenberg nicht verhindern. Foto: Schuon
Auf der anderen Seite hatte sich der neue Trainer Harun Güney seinen Start beim neuen Verein sicherlich anders vorgestellt. Der neue Coach des Türk SV Herrenberg stand im Relegationsspiel erstmals an der Seitenlinie, weil Interimstrainer Gaetano Intemperante bereits im Urlaub war. „Das war so eigentlich nicht geplant, hatte sich jedoch angeboten“, erklärte Güney. Der 32-Jährige kennt die Mannschaft bereits seit mehreren Wochen, ist seit der Rückrunde fester Bestandteil des Teams und hat keine Trainingseinheit verpasst. Doch sein Wechsel vom GSV Hellas Reutlingen ging zu spät über die Bühne, weshalb er nicht auf dem Rasen eingesetzt werden konnte.
Da sein Debüt am Samstag eher ungeplant und kurzfristig zustande kam, hätte er nicht viel Zeit gehabt, neue Dinge einzustudieren. Er hielt an bewährten Abläufen fest, wollte über eine sichere Defensive zum Erfolg kommen. Am Ende stand jedoch die große Enttäuschung. Inzwischen hat der Verein auch Gewissheit, dass sie in der kommenden Runde in der Kreisliga A, Staffel III, antreten muss. „Wir sind natürlich sehr enttäuscht“, sagte er. Gleichzeitig verspürt er große Lust auf die kommende Saison: „Wir wollen schnell Fortschritte machen.“ Ihm schwebt dabei eine offensive und schnelle Spielidee vor. Diese wolle er so schnell wie möglich auf den Rasen bringen – und damit die Kreisliga aufmischen.