Fußball-Bezirksliga Der Jüngste ärgert den Spitzenreiter, ein Coach hält es mit Box-Legende Rocky

Drei späte Torschützen, dreimal zum Endstand von 2:2. Von links: der Musberger Jacob Schele, der Vaihinger Rüchan Pehlivan und der Bonlandener Agonis Berisha. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Außerdem vom 11. Spieltag: ein weiterer Cannstatter Neuzugang, ein überragender Bonlandener Torhüter und ein mögliches Echterdinger Gedankenspiel.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Ein 19-Jähriger, der den Spitzenreiter ärgert. Eine Gastgeber-Aufholjagd im Vaihinger Derby trotz Unterzahl. Und ein Trainer, der seine Mannschaft auf den Spuren von Film-Boxlegende „Rocky“ Sylvester Stallone sieht. Das sind die Schlagzeilen zum elften Spieltag in der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen, die rein sportlich eine Wundertüte bleibt. Vier Wochen vor Hinrundenende ist weiterhin völlig offen, wer als Halbzeitmeister in die Winterpause gehen wird. Vom Ersten bis zum Sechsten in der Tabelle sind es gerade einmal fünf Punkte. Hinter dem nur noch knapp führenden TV Darmsheim haben sich im TV Echterdingen II und dem TSV Jahn Büsnau zwei Überraschungsteams positioniert.

 

SV Vaihingen – TSV Jahn Büsnau

Gleichwohl wollte in den Reihen des Aufsteigers TSV Jahn Büsnau an diesem Sonntag keine Freude aufkommen. Ganz im Gegenteil. „Ich bin sehr angefressen aus dem Spiel gegangen“, berichtet der Torjäger Sebastian Lenhardt nach dem Stadtbezirk-Duell beim SV Vaihingen. Und auch eine Nacht Schlaf samt wieder gesenktem Adrenalinspiegel machte die Dinge nicht wirklich besser.

2:0 hatte der Klassenneuling im Schwarzbachstadion bereits geführt. Nicht nur das: Nach der Ampelkarte für David Hug wegen wiederholten Foulspiels hatte er zudem einen Kicker mehr auf dem Platz. Der nächste Ausrufezeichen-Coup war also zum Greifen nah. Ja, eigentlich alle Zeichen standen auf Derby-Auswärtssieg – ehe Lenhardt und den Seinen der Erfolg in der letzten Viertelstunde doch noch aus den Händen glitt. Endstand: 2:2. Nur ein Punkt statt drei. „Insgesamt ein faires Ergebnis, aber am Schluss für uns einfach ärgerlich“, sagt der Angreifer, der selbst diesmal leer ausging. Die beiden Büsnauer Torschützen hießen Johannes Schneider und Nahuel Cascia Rica, jeweils per Abstauber.

Als wohl keiner mehr damit rechnete, schlugen die Gastgeber zurück. „Dass der Mannschaft in dieser Situation ein solches Comeback gelingt, ist überragend“, lobt der Vaihinger Co-Trainer Marco Eichler. Erst ließ der eingewechselte Toluwani Dreher-Adenuga mit seinem Anschlusstreffer neue Hoffnung aufkeimen. Dann sorgte Rüchan Pehlivan sogar noch für finalen Jubel der Männer in Rot. Er verwandelte einen an Max Schilling verursachten Elfmeter zum Remis beim Bezirksliga-Premierenvergleich der beiden Nachbarn. Zum bislang letzten Mal waren diese in der Saison 2016/17 in Punktspielen aufeinander getroffen, damals noch in der Kreisliga A. Die Ergebnisse seinerzeit: ein 4:1 und ein 6:0 für den SV Vaihingen. Aktuell, wer hätte es gedacht, muss der Favorit gegen den Wachwechsel ankämpfen.

TV Darmsheim – TSV Musberg

Was Happy-End-Gefühle betrifft, war das Schumann/Eichler-Team indes nicht allein. Duplizität der Ereignisse bei zwei anderen Filderclubs: Auch der TSV Musberg und der SV Bonlanden machten kurz vor Ultimo aus einem drohenden tristen noch einen tatsächlichen tollen Sonntag, und auch in ihren Begegnungen stand unter dem Strich ein 2:2. Im Musberger Fall war es dabei der Jüngste, der den Spitzenreiter TV Darmsheim ärgerte. Jacob Schele, in der vergangenen Saison noch A-Jugendlicher, kam, sah und traf sehenswert zum späten Ausgleich – nämlich mit einem Lupfer aus rund 20 Metern über den Torhüter.

„Enorm schnell, super Abschluss, immer großer Einsatzwille“, nennt der Trainer Christopher Eisenhardt die Qualitäten seines Youngsters. Dass jener in dieser Saison dennoch noch kein einziges Mal in seiner Startelf stand und auch nicht so schnell stehen wird, hat zwei Gründe. Erstens: Bis in den Oktober hinein brummte Schele erst einmal eine Acht-Spiele-Rotsperre ab – ein bitteres Überbleibsel aus der vorigen Runde, nachdem er im Relegationsfinale der zweiten Mannschaft einen Gegenspieler per Fallrückzieher im Gesicht getroffen hatte. Zweitens: Nun verabschiedet er sich für mehrere Wochen in den Urlaub. Schlechtes Timing irgendwie.

Insgesamt, keine Frage, hatten die Musberger aktuell nicht nur Schele, sondern auch das nötige Quäntchen Glück. Nach dem eigenen Pausenführungstreffer durch einen Freistoß von Julien Kappeler wurde der Druck des Gegners immer größer. Jener, 2025/2026 zuhause bislang makellos (fünf Spiele, fünf Siege), scheiterte allein dreimal am Torgebälk. Schon nicht mehr dabei war zu diesem Zeitpunkt der Abwehrmann Kasim Minhas. Eisenhardt hatte ihn wegen akuter Gelb-Rot-Gefahr notgedrungen bereits nach 23 Spielminuten vom Feld geholt.

SV Rohrau – SV Bonlanden

Gar noch mehr blies dem SV Bonlanden der Wind um die Ohren. Oder, um es mit dem Trainer Carmine Napolitano zu sagen: „In der ersten Hälfte sind wir vermöbelt worden wie Rocky von Apollo Creed.“ Übersetzt für alle Jüngeren, denen es an Erinnerung fehlt: Seine Elf befand sich im Spiel beim Landesliga-Absteiger SV Rohrau auf verlorenem Posten. „Null Zugriff, in allen Zweikämpfen hinterher, gefühlt hatte der Gegner zwei Mann mehr auf dem Platz“, sagt Napolitano. Dass es zur Pause trotzdem noch 0:0 stand, war nur zwei Umständen zu verdanken: ebenfalls dem Aluminium des eigenen Kastens – siehe Musberg. Und: vor allem dem überragenden Torhüter Luca Wiedmann.

Doch, um zu den cineastischen Box-Mythen zurückzukehren: In den Stallone-Rocky-Zeiten war die Geschichte damit ja nicht fertig erzählt – und für die Bonlandener auch noch nicht. Auch sie erhoben sich schließlich strahlend aus dem Ringstaub. Durchgang zwei? Plötzlich alles anders. Zuletzt konnten die Gäste außer Wiedmann auch ihren Angreifern Agonis Berisha und Christian Weiller auf die Schultern klopfen. Der eine wartete mit zwei Torbeteiligungen auf, der andere stach als Joker. Nach Langzeitverletzung weiter in der Aufbauphase, war der oberligaerprobte Sommerzugang nach einer Berisha-Flanke spät mit dem Kopf zur Stelle.

TV Echterdingen II – VfL Oberjettingen

In der Tabelle verhinderten die Filderstädter damit eine größere Luft zu den vorderen Plätzen, auf denen der Gewinner des Sonntags allerdings ein anderer ist: der TV Echterdingen II. Mit ihrem 5:0 gegen das Schlusslicht VfL Oberjettingen, dem fünften Dreier in Serie, klettern die Gelb-Schwarzen auf Rang zwei. Ein umso erstaunlicheres Resultat in Anbetracht dessen, dass das Trainertrio Kittelberger/Blessing/Müller drei seiner wichtigsten Spieler (Ajvazi, Acholonu, Theobaldt) ja mittlerweile zur ersten Mannschaft abgegeben hat.

Wird die „Zweite“ am Ende gar überhaupt zum Retter für den Verein? In den Sinn kommen könnte einem jedenfalls allmählich ein Gedankenspiel: Bleibt Team eins in der Landesliga auf Worst-Case-Kurs und steigt am Ende tatsächlich ab, springt dann im Rahmen der Schadensbegrenzung die Reserve ein? Hausinterner Startplatz-Tausch sozusagen, Echterdinger Aufsteiger ersetzt Echterdinger Absteiger? „Bei uns bisher kein Thema“, blockt Sascha Blessing ab. Klar, es wäre ja eine gleichzeitige Desaster-Spekulation ums kriselnde Landesliga-Aufgebot, an der sich in den Goldäckern zum jetzigen Saisonzeitpunkt zumindest offiziell niemand beteiligen will.

„Stolz“ immerhin ist Blessing darauf, „dass wir es mit der jungen Truppe so gut hinbekommen“. Nach dem erwähnten internen personellen Aderlass habe die Botschaft an die Mannschaft gelautet: „Jetzt können wir zeigen, dass wir nicht von Einzelspielern abhängig sind, sondern mit unserem breiten Kader als Team funktionieren.“ Gesagt, getan. Jakob Wörne und Felix Steyer stellten mit zwei Standardtoren die Weichen. Ein Freistoß, ein Elfmeter. Beide Male half der glitschig-nasse Rasen mit. Dem Gästekeeper flutschten die Bälle durch.

Spvgg Cannstatt – TSV Dagersheim

Öfter als die Echterdinger netzte nur die Spvgg Cannstatt ein. Die Neckarstädter machten beim 6:1 gegen den TSV Dagersheim das halbe Dutzend voll – für den Aufsteiger Niederlage Nummer fünf am Stück. Bei seinem Spieler des Tages bewies der Trainer Damian Nagler dabei ein glückliches Händchen. Als Sechser und als Innenverteidiger hatte er seinen Kapitän Marco Schulz bereits aufgestellt. Aber als Stürmer? Warum nicht! Der Routinier unterstrich seine Allzweckwaffen-Tauglichkeit und glänzte in neuer Rolle mit drei Toren. Wobei: ganz so neu auch wieder nicht. Einst, auf seiner vorherigen Station Münster, war er sogar Schützenkönig der Stuttgarter Bezirksliga (2014/2015, damals 31 Saisontore).

Heute lässt Schulz’ Trefferlauf die Cannstatter auf den dritten Tabellenplatz springen – aller bisherigen Launenhaftigkeit dieser Runde zum Trotz. Und zusätzlich optimistisch stimmt ein Startelf-Debütant: Dennis Schmidt kickte schon beim Landesligisten TV Pflugfelden unter Nagler. Nun, nach einem Kreuzbandriss, wagt der Mittelfeldmann an der Hofener Straße einen Neuanfang. Die nur noch drei Zähler Abstand zum Ersten Darmsheim? „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen“, sagt Nagler – „aber wenn wir vorne landen würden, würden wir uns natürlich nicht dagegen wehren.“

ASV Botnang – Croatia Stuttgart

Einstweilen lautet die Devise: punkten, punkten, punkten – alles mitnehmen, was geht. In dieser Hinsicht macht auch der ASV Botnang keine Ausnahme. Dessen Zähler steht seit Sonntag bei runden 25. Sprich: 25 Liga-Heimspiele am Stück ohne Niederlage (22 Siege, drei Unentschieden). Beim aktuellen 2:0 war Croatia Stuttgart der nächste Gegner, der am Vorhaben scheiterte, die Festung Furtwängler Straße zu knacken. Ari Ilhan und der Urlaubsrückkehrer Felix Dieringer entschieden die Begegnung mit ihren Treffern, Erstgenannter im Zuge der Rehabilitation. Vor Wochenfrist, verrät sein Trainer Alexander Schweizer, hatte er seinen Angreifer noch deutlich kritisiert: „Mir hatte von ihm der Input gefehlt.“

Freilich: Schützenhilfe leistete ein Stück weit auch der Kontrahent. Dessen Verteidiger Mihael Stajduhar traf beim Klärungsversuch statt des Balls den Gegner. Die Folge: Gelb-Rot. In Unterzahl ging bei den Gästen nichts mehr. Nicht jeder dreht nurmehr zu zehnt plötzlich so auf wie der Staffelrivale Vaihingen – siehe oben. Der Croatia-Coach Niki Oroz merkt nüchtern an: „Zum Zuschauen war es teils schlimm.“ Beiderseits. Und: „Wir sind im Abstiegskampf. Da verliert man dann halt auch mal.“ Vielleicht wird’s ja besser, wenn in dieser Woche die verletzten Torjäger Duje Tokic und David Vukovic wie erhofft wieder im Training einsteigen.

Die Statistik zum 11. Spieltag

TV Echterdingen II – VfL Oberjettingen 5:0. Tore: 1:0 Wörne (42.), 2:0 Steyer (47., Foulelfmeter), 3:0 Gaspar (70.), 4:0 Gaspar (80.), 5:0 Cosic (84.). Besonderes: –

SV Nufringen – Spvgg Holzgerlingen 3:0. Tore: 1:0 Müller (15.), 2:0 Schmolla (65.), 3:0 Berner (83.). Besonderes: –

ASV Botnang – Croatia Stuttgart 2:0. Tore: 1:0 Ilhan (47.), 2:0 Dieringer (72.). Besonderes: Gelb-Rot für Stajduhar (Croatia, 53.)

TV Darmsheim – TSV Musberg 2:2. Tore: 0:1 Kappeler (45.), 1:1 Lindner (58., Foulelfmeter), 2:1 Esteves (78.), 2:2 Schele (86.). Besonderes: –

Spvgg Cannstatt – TSV Dagersheim 6:1. Tore: 1:0 Ipowitz (13.), 1:1 Neumann (18.), 2:1 Schulz (38.), 3:1 Schulz (40.), 4:1 Caruso (48.), 5:1 Lizoain Garayoa (52.), 6:1 Schulz (80.). Besonderes: –

SV Vaihingen – TSV Jahn Büsnau 2:2. Tore: 0:1 Schneider (67.), 0:2 Cascia Rica (69.), 1:2 Dreher-Adenuga (77.), 2:2 Pehlivan (80., Foulelfmeter). Besonderes: Gelb-Rot für Hug (Vaihingen, 63.)

VfL Herrenberg – SV Deckenpfronn 1:2. Tore: 0:1 Zervas (11.), 1:1 Vargas Müller (23.), 1:2 Kevin Wolf (74., Foulelf-meter). Besonderes: –

SV Rohrau – SV Bonlanden 2:2. Tore: 0:1 Berisha (48.), 1:1 Hellmann (55.), 2:1 Simon Kamm (84.), 2:2 Weiller (86.). Besonderes: –

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Bezirksliga SV Vaihingen ASV Botnang