Fußball Bezirksliga Ein Schritt fehlt dem TSV Merklingen noch

In der Hinrunde siegte der TSV Merklingen mit 3:0 im Derby gegen die Spvgg Renningen: Thomas Wogh vom TSV (li.) gegen Kaan Ekmen Foto: Andreas Gorr

Der TSV Merklingen kann mit einem Erfolg bei der Spvgg Renningen den Klassenverbleib fix machen. Trainer Talmon warnt vor trügerischer Sicherheit.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Niko Kovac hat’s gesagt, der Trainer von Borussia Dortmund. Und auch Horst Hrubesch, einst Kopfball-Ungeheuer und Coach der Frauen-Nationalmannschaft hat diese Worte in den Mund genommen. Sogar der Österreicher Philipp Semlic vom Bundesligisten WSG Tirol kennt diesen Satz, der da lautet: „Der letzte Schritt ist immer der schwerste.“

 

Thorsten Talmon befindet sich also in allerbester Fußball-Gesellschaft, wenn er vor dem Spiel des TSV Merklingen bei der Spvgg Renningen an diesem Samstag (17 Uhr) eben jene Worte im Gespräch auspackt. Der letzte Schritt, den der TSV in der Liga noch gehen muss, das ist der zum sicheren Klassenverbleib – und dafür ist, um alle Eventualitäten auszuräumen, ein Sieg nötig. Basta.

Auf dem Weg zum Klassenverbleib: Thorsten Talmon Foto: Andreas Gorr

Denn eigentlich würden wohl nur ein Hasser des TSV Merklingen, ein absolut Fußball-Ahnungsloser oder ein wahnwitziger Hasardeur 100 Euro auf einen Sieg der Spvgg Renningen im Derby setzen – der TSV ist seit fünf Spielen ungeschlagen, die Renninger sind als Schlusslicht längst abgestiegen. „Ich bin lange genug im Fußball dabei“, sagt Talmon, „ich weiß, was alles passieren kann.“ Aber für den 53-Jährigen ist eine Feststellung dabei wichtig: „Wir haben es selbst in der Hand und müssen nicht auf andere schauen.“

Thorsten Talmon sucht die Herausforderung

Diese Tatsache ist mit ein Verdienst des Mannes, der Ende April nach der Trennung von Spielertrainer Gianluca Crepaldi eingesprungen ist als Feuerwehrmann, der den aufkommenden Abstiegsbrand löschen sollte. Nach zwei Niederlagen zum Start folgten drei Remis sowie zwei Siege, was belegt, dass Talmon das Zeug zu einem Brandbekämpfer in Sachen Fußball besitzt. Obwohl er schon zahlreiche Mannschaften in der Region trainierte, noch nie war er als potenzieller Retter in einer laufenden Saison an Bord geholt worden. „Ich musste mich auch erst mal in diese Situation reinfinden“, bekennt er.

Harter Schlag für den TSV Merklingen: Der SV Leonberg/Eltingen (in Gelb) erzielt in doppelter Unterzahl in der Nachspielzeit das 3:3. Foto: Andreas Gorr

Thorsten Talmon, der beim SV Leonberg/Eltingen im Vorstand aktiv ist und als Scout für den Bundesligisten VfB Stuttgart arbeitet, sah in dem Jobangebot des TSV eine spannende Herausforderung, die er nicht ablehnen wollte. „Ja“, sagt er, „es hat mich sehr gereizt, diese Aufgabe anzugehen.“ Aber er schiebt sogleich nach: „Wenn ich in der Mannschaft nicht das Potenzial gesehen hätte, dass der Klassenverbleib gelingen könnte, dann hätte ich ganz bestimmt meine Finger davon gelassen.“

Die Zeit war sein größter Gegner, acht Partien hatte er noch, um den TSV Merklingen im sicheren Fahrwasser bis zum 7. Juni in den Bezirksliga-Hafen zu manövrieren. Selbst die beiden Niederlagen nach Dienstantritt gegen Kornwestheim (2:4) und Aufstiegsmitfavorit Aldingen (1:5) hatten ihm nicht den Mut geraubt, im Rückblick stellt er fest: „Das 1:5 war ernüchternd, doch ich habe einen Aufwärtstrend im Auftritt der Mannschaft erkannt.“ Es sieht ganz so aus, als habe er sich nicht getäuscht – seitdem ist der TSV in fünf Spielen ungeschlagen.

Gegen den FC Marbach gelang dem TSV mit einem 2:2 der ersten Punktgewinn unter Thorsten Talmon: Thomas Wogh (li.) im Zweikampf. Thomas Wogh Foto: Andreas Gorr

Und wenn sich die TSV-Kicker (im übertragenen Sinn) eine blutige Nase holten – gegen Meister SV Leonberg/Eltingen führte der TSV 3:1 und kassierte in der Nachspielzeit gegen neun Mann noch das 3:3 – ließen sie sich nicht zu Boden fallen, sondern zogen daraus neue Motivation. Dabei war Talmon die treibende Kraft. „Klar, das 3:3 tat sehr weh“, erzählt der 53-Jährige, „aber ich habe das Team aufgebaut: Unsere Taktik hat 89 Minuten funktioniert, wir waren auf Augenhöhe – wir können es.“ Und tatsächlich ist das Team um den spielenden Co-Trainer Kai Woischiski nach bitteren Lehren in sich gewachsen, wurde stabiler und cleverer.

Thorsten Talmon hat die Skeptiker zurecht gewiesen, die den TSV wieder in der Kreisliga A gesehen hatten – ganz am Ziel ist der Club noch nicht. Trainer und Team müssen in Renningen den allerletzten Schritt meistern. „Wenn Merklingen das Spiel gegen den Absteiger Renningen nicht gewinnt“, sagt ein hochrangiger Funktionär des Fußball-Bezirks, „dann haben sie es auch nicht verdient, in der Bezirksliga zu spielen.“ Der letzte Schritt ist immer der schwerste.

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