Fußball-Bezirksliga Eiskalt vom Punkt – Musberg ist gerettet
Julien Kappeler behält in der Schlussphase die Nerven und lässt die Bezirksliga-Fußballer des TSV Musberg jubeln. Dagegen herrscht Tristesse in Münster.
Julien Kappeler behält in der Schlussphase die Nerven und lässt die Bezirksliga-Fußballer des TSV Musberg jubeln. Dagegen herrscht Tristesse in Münster.
Endgültige Klarheit in Sachen Abstieg hat er gebracht, der 33. und vorletzte Spieltag der Bezirksliga Stuttgart/Böblinger. Neben den zuvor feststehenden Absteigern SC Stammheim, SV Oberjesingen, TSV Rohr, Sportvg Feuerbach und ABV Stuttgart gehört nun auch der TSV Münster als letztes Team dem bedauernswerten Kreis an. Fest steht zudem: der Türkische SV Herrenberg bleibt auf dem Relegationsplatz. Somit stellt sich noch die finale Frage: Wer sichert sich die Vizemeisterschaft und damit den Aufstiegsrelegationsplatz?
Und eben dieser Showdown für die Extraschicht zur Landesliga steigt am kommenden Samstag zwischen der Spvgg Holzgerlingen und der Spvgg Cannstatt – oder zwischen dem Dritten und dem Zweiten. Trotz des 2:2 im Heimspiel gegen den SV Deckenpfronn haben die Kicker von der Hofener Straße die besseren Karten. Denn auch die Holzgerlinger mussten sich mit einem 3:3 beim abgestiegenen TSV Rohr begnügen und somit beträgt der Cannstatter Vorsprung vor dem „Endspiel“ einen Punkt. Auch wenn die Spvgg gerne gewonnen hätte, „war die Partie gegen starke Deckenpfronner ein kleines Vorspiel auf die K.O.-Begegnung“, sagt der Coach Christopher Eisenhardt, dessen Team am Samstag ein Unentschieden zur Saisonverlängerung reichen würde. Aber: „Rechenspiele haben noch nie was gebracht, wir spielen auf Sieg“, so Eisenhardt, der in Holzgerlingen weiter auf seinen Toptorjäger Behar Hasanaj (Nasenbeinbruch) verzichten muss. Frühestens in der möglichen Relegation könnte er wieder dabei sein, weiß der Spvgg-Trainer.
Darüber hinaus wird im Showdown wichtig sein, wer seine Nerven besser im Griff hat. Der Tabellendritte Holzgerlingen hatte damit laut Rohrs Trainer Klaus Kämmerer vor allem im ersten Abschnitt große Probleme. „Man hat ihnen deutlich angemerkt, dass es bei ihnen noch um was geht“, sagt Kämmerer und die Seinen hätten dies auch genutzt – bis zur 3:1-Führung nach 57 Minuten. Dann ging seinem Team aber die Puste aus und die Gäste kamen noch zum Ausgleich.
Während bei Cannstatt oder Holzgerlingen erst nach dem letzten Spieltag gejubelt werden kann, hatte der TSV Musberg bereits am aktuellen Spieltag Grund zum Feiern. Und dies ebenfalls in einem Endspiel - zu Hause gegen den Türkischen SV Herrenberg. Lange sah es aber danach aus, als ob die Zitterpartie um den Klassenverbleib erneut vertagt werden müsste. Doch zittern war für Julien Kappeler keine Option, als er in der 83. Minute zum Elfmeter antrat und zum 2:2-Endstand und zur weiteren Musberger Bezirksliga-Zugehörigkeit traf. Und dies, obwohl Lukas Zug eigentlich für die Strafstoß-Angelegenheiten zuständig ist. Doch der Schütze zum zwischenzeitlichen 1:1 saß zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Bank. Weiche Knie ob des Ersatzschützens Kappeler bekam das scheidende Musberger Trainerduo Dominik Mayer/Denis Kühnle aber nicht. „Julien ist ein souveräner Elferschütze und hat auch diese besondere Drucksituation hervorragend gemeistert“, sagt Mayer, der weiß: „Die Mannschaft hat den Klassenverbleib aufgrund einer starken Rückrunde hoch verdient.“ Trotz des Remis sind die Herrenberger als Verlierer aus dem Duell hervorgegangen, müssen sie nun doch über die Extraschicht versuchen in der Bezirksliga zu bleiben.
Derweil hat der TSV Münster diesen Hoffnungsschimmer nicht mehr, sondern herrscht seit Sonntag Tristesse am Neckar. Nach dem 2:2 beim VfL Oberjettingen steht das Team von Trainer Andreas Contino als letzter Absteiger fest, muss nach zwei Spielzeiten wieder runter in die Kreisliga A. „Das war mein erster Abstieg, das tut weh“, sagt Contino. Für den Coach war die aktuelle Partie sinnbildlich für die Begegnungen der Seinen, seit seinem Einstieg am 25. Spieltag: „In der zweiten Hälfte ein Spiel auf ein Tor, insgesamt ein deutliches Chancenplus, aber eben eine viel zu geringe Ausbeute.“
Das Schicksal Münsters ereilte den ABV Stuttgart bereits vor zwei Wochen. „Trotz des Abstiegs wollen wir die Saison ordentlich zu Ende bringen und das haben wir auch gezeigt“, sagt der Kapitän Leon Pachonik nach dem 1:1 im Heimspiel gegen den SV Vaihingen. Bei Letzterem ist „die Luft schon etwas raus“, hat der Trainer Jeremiah Geywitz erkannt. Die Gastgeber-Führung durch Benedict Baumgartner glich Maximilian Eisentraut aus, während Top-Torjäger Fabijan Krpan leer ausging.
Und das torlose Wochenende hat für Krpan Folgen, ist er doch nicht mehr Führender der Bezirksliga-Schützenliste. Aristidis Perhanidis trug sich beim 7:1-Sieg des Meisters T SV Plattenhardt beim SV Oberjesingen fünfmal in die Torschützenliste ein. Er steht damit bei 38 Buden, einen Treffer vor seinem Vaihinger Konkurrenten. Derweil hat Meistertrainer Slobodan Markovic klare personelle Vorstellungen für die Landesliga: „So zwei bis drei erfahrene Verstärkungen hätte ich schon gerne noch.“ Der Wunschkandidat Denis Lübke vom Regionalliga-Absteiger Göppinger SV hat abgesagt und unter dem Hohenstaufen verlängert.
Klare Vorstellungen von dem abschließenden Heimspiel hatte der TV Echterdingen II. Das direkte Duell mit Croatia Stuttgart wollte das Team gewinnen, um damit die Runde als bester Neuling abzuschließen. Das hat mit einem 4:1 geklappt. „Wir hatten ein schönes Spiel auf einem toll gepflegten Rasen, einen Stadionsprecher und gutes Wetter. Im Prinzip war alles perfekt“, sagt der TVE-Trainer Martin Kittelberger. Die Gäste von Croatia haben derweil die sechste Niederlage aus den vergangenen acht Partien kassiert, nachdem sie zu Beginn der Rückrunde noch in Richtung Aufstieg geschielt hatten. „Die Niederlage beim TVE geht in Ordnung, aber sie fällt etwas zu hoch aus“, sagt der Interimscoach Branimir Bresic.
Nüchtern kommentiert indes Trainer Carmine Napolitano die 1:3-Niederlage seines SV Bonlanden beim VfL Herrenberg: „Die Gastgeber waren einfach besser als wir und haben deshalb verdient gewonnen. Punkt.“ Zwei Minuten vor Schluss kamen die Filderstädter durch einen verwandelten Foulelfmeter von Agonis Berisha (22. Saisontor) immerhin noch zum Ehrentreffer.
Nur in der Anfangsphase hatte die ebenfalls bereits abgestiegene Sportvg Feuerbach beim 7:1-Sieg gegen das Schlusslicht SC Stammheim Probleme, „aber dann haben wir gezeigt, dass wir doch in die Liga gehören würden“, sagt der Interimstrainer Kai Marquardt. Gute Nachrichten: 15 Akteure aus dem aktuellen Kader werden auch in der Kreisliga A den Talkrabben die Treue halten.
Das Schlusslicht kassierte derweil nach dem ersten Punktgewinn bei Croatia eine Woche zuvor nun die 32. Saisonniederlage und die Gegentore Nummer 202 bis 208.
TV Echterdingen II – Croatia Stuttgart 4:1. Tore: 0:1 Dzakmic (16.), 1:1 Inthasane (37.), 2:1 Sapina (62.), 3:1 Smiljic (63.), 4:1 Bulajevs (86.). Besonderes: –
Sportvg Feuerbach – SC Stammheim 7:1. Tore: 1:0 Kalkat (6.), 2:0 Pranjic (10.), 2:1 Gürol (19.), 3:1 Birn (40.), 4:1 Nyamuisi (45. + 3), 5:1 Srihi (79.), 6:1 Srihi (85.), 7:1 Moissidis (89.). Besonderes: –
VfL Herrenberg – SV Bonlanden 3:1. Tore: 1:0 Atis (2.), 2:0 Atis (44.), 3:0 Franguere (55.), 3:1 Berisha (88., Foulelfmeter). Besonderes: –
VfL Oberjettingen – TSV Münster 2:2. Tore: 1:0 Flister (20.), 2:0 Seeger (59.), 2:1 Weiß (69.), 2:2 Kreis (87.). Besonderes: –
ABV Stuttgart – SV Vaihingen 1:1. Tore: 1:0 Baumgartner (17.), 1:1 Eisentraut (54.). Besonderes: –
TSV Rohr – Spvgg Holzgerlingen 3:3. Tore: 0:1 Kastrati (10.), 1:1 Leimbach (22.), 2:1 Giampiero Lampeschi (54.), 3:1 Accardi (57.), 3:2 Horn (68.), 3:3 Horn (72.). Besonderes: Gelb-Rot für Holzgerlingens Hatt (90. + 4).
Spvgg Cannstatt – SV Deckenpfronn 2:2. Tore: 1:0 Krijestorac (13.), 1:1 Schwarz (45. + 1), 2:1 Jordan (53.), 2:2 Wetsch (90. +1). Besonderes: -
TSV Musberg – Türkischer SV Herrenberg 2:2. Tore: 0:1 Yüksel (9.), 1:1 Lukas Zug (31.), 1:2 Lukic (66.), 2:2 Kappeler (83., Foulelfmeter). Besonderes: Gelb-Rot für Herrenbergs Yaprak (90.).
SV Oberjesingen – TSV Plattenhardt 1:7. Tore: 0:1 Perhanidis (36.), 0:2 Perhanidis (50.), 0:3 Perhanidis (54.), 1:3 Röhm (58.), 1:4 Perhanidis (64.), 1:5 Blazek (66.), 1:6 Perhanidis (73.), 1:7 Hörz (83.). Besonderes: –