Marcel Pfeffer hat in seiner Trainer-Laufbahn schon einige Spiele gesehen. Doch der Auftritt seiner Spvgg Renningen gegen FV Dersim Sport Ludwigsburg gehört im persönlichen Ranking des 42-Jährigen „zu den verrücktesten Spielen“. 3:6 lag seine Mannschaft 20 Minuten vor Schluss gegen das Spitzenteam zurück, glich zum 6:6 aus und hatte am Ende noch zwei Topchancen auf einen siebten Treffer. „Es war ein Spiel, in dem alles drin war, und es spricht für die Moral der Jungs, dass sie einen Drei-Tore-Rückstand aufgeholt hat“, lobte Pfeffer, der das Remis als gewonnenen Punkt verbuchte.
Die Ludwigsburger waren in der ersten Hälfte nach Standardsituationen zweimal (8., 15.) in Führung gegangen, Muhammed Sivri (9.) und Quentin Klett (36.) glichen jeweils nach schönen Kombinationen aus. Zur Pause lag die Spvgg vorn, weil Sivri eine Minute vor der Halbzeit mit einem Heber aus 40 Metern über den weit vor seinem Tor stehenden Dersim-Keeper erfolgreich war.
In Hälfte zwei zeigten die Gäste dann aber ihre offensiven Qualitäten und machten mit vier Treffern in Folge (50., 53., 60., 69.) aus dem Rückstand eine scheinbar komfortable 6:3-Führung. Zweimal traf der 1,96 Meter-Hüne Edison Qenaj, zweimal Orhun Öztürk – zuletzt mit einem Freistoß aus 20 Metern an die Unterkante der Latte.
Doch als Felix Dietrich mit einem Distanzschuss aus 20 Metern eine Minute später das 4:6 erzielte, witterten die Gastgeber Morgenluft. „Dersim hat sich vielleicht zu sicher gefühlt und den starken Öztürk ausgewechselt“, mutmaßte Pfeffer. In den letzten 20 Minuten sahen die Zuschauer Einbahnstraßen-Fußball in Richtung des Gästetores – und tatsächlich deckten Philipp Sachs (74.) und Kaan Ekmen (85.) mit ihren Treffern die Defensivschwächen bei Dersim auf. Am Ende verpassten Ekmen und Aaron Berhalter sogar den Siegtreffer für Renningen. Einziger Wermutstropfen: Ebenso wie ein Dersim-Akteur ist auch Sivri nach einer Gelb-Roten Karte für die nächste Partie gesperrt.
Start-Ziel-Sieg für den SV Leonberg/Eltingen
Die richtige Reaktion auf die erste Saisonniederlage in der Vorwoche in Marbach hat Tabellenführer SV Leonberg/Eltingen mit einem klaren 5:0-Auswärtserfolg beim nächsten Kellerkind SV Salamander Kornwestheim gegeben. „Wir wollten ein Ausrufezeichen setzen, das ist uns gelungen“, freute sich SV-Trainer Robert Gitschier. Mann des Tages war dabei Marco Gritsch, der an den ersten vier Treffern beteiligt war.
Bereits nach fünf Minuten traf er zur frühen Führung, als er nach Vorarbeit von Patrik Hofmann aus zwölf Metern den Ball im SV-Tor versenkte. Das 1:0 gab dem SV allerdings keine Sicherheit, sondern animierte die Gastgeber zu mehr Offensivaktionen, von denen jedoch keine große Gefahr ausging. Nach einer halben Stunde setzte Gritsch Kapitän Marco Seufert mit einem Diagonalball in Szene, der zum 2:0-Halbzeitstand traf.
Die zweite Hälfte dominierte der SV klar: Einen Eckball von Gritsch versenkte Joshua Trefz per Kopf nach einer Stunde zum 3:0. „Danach hat Kornwestheim resigniert“, meinte Gitschier. Treffer Nummer vier markierte Gritsch wieder selbst (78.), ehe Hofmann in der Schlussminute für den Endstand sorgte. „Das war der schönste Treffer des Tages. Es ging mit ganz wenigen Kontakten aus der eigenen Abwehr nach vorne“, freute sich Gitschier, der dann noch ergänzte: „Jetzt wollen wir am nächsten Wochenende die Herbstmeisterschaft klar machen“.
Ärger über den Schiri beim TSV Merklingen
Nicht wirklich über den Punkt freuen konnte sich Trainer Gianluca Crepaldi nach dem 2:2 des TSV Merklingen bei der Spvgg Besigheim. Seine Elf beherrschte die Partie klar und lag nach Treffern von Kai Woischiski (13.) und Saisontor Nummer zehn von Dzanan Mehicevic (47.) 2:0 vorne. Fahrlässiger Umgang mit den Chancen führte dazu, dass die Führung nicht höher war – so verpassten Thomas Babel und Woischiski den richtigen Zeitpunkt zum Abschluss, der Schuss von Mehicevic wurde auf der Linie geblockt. In der zweiten Hälfte war erneut ein Verteidigerbein bei einem Schuss von Woischiski kurz vor der Torlinie im Weg, dann köpfte Babel über das Besigheimer Tor.
In der letzten halben Stunde haderte Crepaldi mit dem Unparteiischen: In der 61. Minute entschied er vor der Strafraumgrenze des TSV auf Freistoß, nachdem ein Ball aus 40 Metern an den Rücken von Melvin Schöll geprallt war. „Der Schiedsrichter hat auf einen Zuruf von reagiert“, monierte Crepaldi.
Osman Kodal traf zum 2:1 und weckte die Lebensgeister bei der Spvgg Besigheim. Auch beim 2:2-Ausgleich in der Schlussminute durch Pascal Wolter haderte der TSV-Coach mit dem Schiri. „Er hatte den Ball zuvor mit der Hand gestoppt gehabt, das war klar zu sehen“, meinte er. So blieb ein ernüchterndes Fazit: „Wir haben gut gespielt, uns aber nicht belohnt.“