Tim Lehle ist in der Vorsaison mit dem TSV Dagersheim aufgestiegen. Nun kämpft sein Aufgebot um den Ligaverbleib. Foto: Eibner/Lars Neumann
Der TSV Dagersheim ist ungeschlagen in die Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen aufgestiegen. Nun steht er dort tief im Keller. So blickt Coach Tim Lehle auf die verkorkste Hinrunde.
Es war eine Traumbilanz, mit der die Fußballer des TSV Dagersheim im Sommer dieses Jahres den Sprung aus der Kreisliga A, Staffel III, Stuttgart/Böblingen in die Bezirksliga verwirklichten. 22 Siege, sechs Unentschieden, keine einzige Niederlage. Und 72:17 Tore. Nach der Hinrunde in der neuen Klasse sieht es komplett anders aus. „Die Euphorie vom Aufstieg ist weg. Jetzt sind wir in der Realität angekommen“, sagt Trainer Tim Lehle.
Seine Mannschaft steht im Bezirksoberhaus mit sieben Zählern und 16:44 Treffern aus 14 Partien auf dem vorletzten Rang, befindet sich im Abstiegskampf, das rettende Ufer ist weit weg. Nach den vier Remis zum Start riss die Ungeschlagenserie im September mit dem 3:4 gegen Mitaufsteiger SV Nufringen. „Ich hatte keine Lust mehr darauf, dass jeder darüber spricht, wie lange wir nicht verloren haben. Mir wurde das selbst etwas zu viel“, meinte Lehle danach. „Das nervt mich rückblickend immer noch“, sagt er heute. Denn was war, interessiere nicht mehr. Am Spieltag darauf holten seine Mannen mit dem 3:1 gegen Schlusslicht VfL Oberjettingen ihren bislang einzigen Dreier.
Aufsteiger TSV Dagersheim steckt im Abstiegskampf
Als Kipppunkt sieht Tim Lehle das Viertrunden-Bezirkspokalduell beim SV Nufringen an. Nach zwei knappen Niederlagen in der Liga unterlag der TSV Dagersheim an jenem 22. Oktober auswärts mit 2:9. „Seitdem sind wir komplett erfolglos. Das nagt natürlich an einem. Wir können nicht sagen, dass wir in irgendeiner Weise zufrieden sind“, räumt der Coach ein. Es folgten sechs weitere Niederlagen, darunter ein erneutes 2:9 – diesmal gegen den VfL Herrenberg, der zwar besser dasteht, sich aber ebenfalls im unteren Tabellenbereich befindet. Schon nach 37 Minuten lag der Gäuklub mit 7:0 vorn. „Das darf dir nicht passieren. Da zweifelt man sehr“, blickt Tim Lehle zurück.
Einen Grund für die Niederlagenserie sieht der 33-Jährige, der das Team zusammen mit Marco Bernhardt (34) coacht, in der Personalsituation. Die habe sich quasi ab der Niederlage im Pokal verschlechtert. Unter anderem die beiden Torhüter Tobias Widmaier und Marco Walz verletzten sich, auch Kapitän und Abwehrakteur Yannick Dannecker konnte nicht mehr mitwirken. „Das trifft eine Mannschaft natürlich hart“, weiß der Übungsleiter. Es ist „nicht zu packen, wenn fünf, sechs Spieler nicht spielen können.“
Marco Bernhardt ist ebenfalls Coach des TSV-Teams. Foto: Eibner/Andreas Ulmer
Als weitere Erklärung führt er das höhere Niveau im Vergleich zur Kreisliga A an. „Machst du in der Bezirksliga zwei Aufbaufehler, steht es 2:0 für den Gegner“, sagt Tim Lehle. Er nennt auch die Körperlichkeit sowie die technische Klasse der Teams aus dem Raum Stuttgart sowie des TV Darmsheim. Und meint zusammenfassend: „Bei uns fehlt einfach auch deren Cleverness.“
Sicherlich auch in Sachen Defensive. „Individuelle Fehler brechen uns gerade das Genick. Wir spielen Hochrisikobälle und kriegen so die Gegentore“, bezieht sich der Coach beispielsweise auf das 0:5 gegen das Topteam des TV Darmsheim, das durch so einen Aussetzer der Dagersheimer erst in der 55. Minute in Führung ging. Danach habe seine eigene Truppe den vorgegebenen Pfad verlassen.
In Bezug auf besagtes 2:9 gegen den VfL Herrenberg meint Tim Lehle zwar, dass man sich auch als Kicker mal hinterfragen müsse, doch letztendlich sagt er ebenso in Bezug auf die Trainer: „Wir sind auf der Kommandobrücke, tragen Verantwortung und stellen uns schützend vor die Mannschaft.“ Dazu, sich an die eigene Nase zu fassen, sei das Team ebenso bereit. Nur: „Gerade führt es noch nicht ganz zum Erfolg.“
Das soll aus Dagersheimer Sicht ab Sonntag klappen, wenn der TSV zum Hinrundenabschluss und letzten Duell des Kalenderjahres den ASV Botnang empfängt. Oder spätestens dann ab März, wenn es in der Rückrunde weitergeht und die Wunden – so der Plan – geleckt sind. Denn: „Wir wollen das, was wir uns vorige Saison in akribischer Arbeit aufgebaut haben, nicht einreißen“, betont Tim Lehle, der darauf hofft, dass sich die Personalsituation bessert.
„Wir müssen einfach an der Cleverness arbeiten, und vielleicht muss sich die Mannschaft auch erst auf die Bezirksliga einstellen“, mutmaßt der Coach. Nun gehe es darum, Charakter zu zeigen und an die ersten Spiele anzuknüpfen. In diesen habe man das Gefühl gehabt, in der neuen Klasse mithalten zu können. Punkte muss der Aufsteiger jedenfalls einige sammeln, um den Rückstand aufzuholen. „In der Winterpause ist noch keine Mannschaft abgestiegen, aber es wird halt immer schwieriger“, sagt Tim Lehle, der weiter auf seine Jungs baut: „Ich weiß, was die Mannschaft kann.“