Fußball Bezirksliga Robert Gitschier hat keine Angst vor der Bierdusche
Der SV Leonberg/Eltingen kann am Sonntag die Meisterschaft samt Aufstieg in die Fußball-Landesliga perfekt machen. Trainer Robert Gitschier ist allerdings vorsichtig.
Der SV Leonberg/Eltingen kann am Sonntag die Meisterschaft samt Aufstieg in die Fußball-Landesliga perfekt machen. Trainer Robert Gitschier ist allerdings vorsichtig.
Zwei Spieltage noch, drei Punkte Vorsprung und ein um 24 Treffer besseres Torverhältnis als Verfolger Germania Bietigheim – für den Bezirksliga-Spitzenreiter SV Leonberg/Eltingen ist vor dem Heimspiel am Sonntag (15 Uhr) gegen Salamander Kornwestheim eigentlich alles angerichtet zur Meisterfeier. „Die Partie muss noch gespielt werden, wir müssen erst noch gewinnen“, warnt Trainer Robert Gitschier.
Herr Gitschier, zum Aufstieg zu gratulieren ist verboten, oder?
Das geht auf gar keinen Fall. Diesen einen Sieg brauchen wir noch. Könnte ja auch passieren, dass wir verlieren und dann im letzten Spiel beim TSV Schwieberdingen unter Erfolgsdruck stehen.
Zwei Chancen für einen Sieg – was kann da noch schiefgehen?
(Lacht.) Sport ist manchmal verrückt, das wissen wir alle. Man kann verkrampfen, Fußball ist auch eine Kopfsache. Deshalb habe ich der Mannschaft schon nach dem wichtigen Sieg beim TV Aldingen gesagt, dass sie jetzt locker bleiben muss. Die Jungs haben ja die gesamte Saison über bewiesen, dass sie kicken können. Sie müssen konzentriert und fokussiert bleiben – und deshalb wollen wir dieses Heimspiel gewinnen, dann ist das Thema durch. Wir sind natürlich in einer hervorragenden Ausgangssituation.
Das Team ist mental offenbar gefestigt, die 1:2-Niederlage im Topspiel bei TASV Hessigheim hat sie gut weggesteckt.
Genau. Ich habe gesagt, es gibt noch viele Spiele, die wir gewinnen können. Klar, wir waren enttäuscht, aber eine Unsicherheit ist als Folge nicht aufgekommen. Die Mannschaft lässt sich nicht unterkriegen, das ist eine ihrer großen Stärken. Gegen den TSV Merklingen lagen wir kurz vor Schluss 1:3 zurück und haben mit neun Mann noch den Ausgleich erzielt. Dieser Punkt ist jetzt enorm wichtig gewesen. Die Mannschaft ist klasse zusammengewachsen. Sie weiß, dass sie das Spiel nicht in der ersten Viertelstunde entscheiden muss. Sie weiß, dass sie auch Rückschläge wegstecken kann – und sie ist immer hungrig.
Der Star ist die Mannschaft. Oder?
Ja, wir kommen über das Kollektiv, wir haben nicht den einen Spieler drin, der über den anderen steht. Jeder kämpft für jeden, der Teamspirit ist unser Trumpf.
Diese Breite macht den SV schwerer ausrechenbar.
Kann man sagen. Wir haben Patrik Hoffmann, der mit 16 Toren unser bester Torschütze ist – 16 sind schon eine gute Ansage. Mit ihm haben wir einen Bomber, einen Wandspieler, der die Gegner gut abblocken kann. Da sind aber auch die schnellen Flügelspieler Finlay Strahl und Marco Seufert, die immer wieder für Tore gut sind. Dann haben wir Marco Gritsch, der sehr effektiv vor dem Tor ist. Vorn drin sind wir schon sehr gut aufgestellt. Wir können wirklich locker reingehen ins Spiel.
Und dann ist es ein Heimspiel.
Eben. Wir schauen, dass wir auch in den Social Media Werbung machen für dieses Spiel, damit wir die Zuschauer in den Sportpark locken – und natürlich mit dem Hintergedanken, dass wir Meister werden können. Zudem darf man nicht vergessen: Germania Bietigheim muss im Derby gegen den FSV 08 Bissingen II unbedingt gewinnen, um noch eine Chance zu haben. Wir haben es in der eigenen Hand und schauen nur auf uns.
Für die Kornwestheimer geht es um nichts mehr – ist das eine latente Gefahr oder doch ein Vorteil?
Genau, aber das bedeutet auch, dass sie befreit aufspielen können. Eine Mannschaft, für die es um nichts mehr geht, ist mitunter doch schwer zu bespielen – aber nochmal: Wir müssen einfach locker ins Spiel gehen und dürfen nicht verkrampfen. Auch die Kornwestheimer werden gewinnen wollen, da bin ich mir sicher. Aber am Ende müssen wir den Sieg um die paar Prozentpunkte mehr wollen als der Gegner.
Für Sie wäre es auch ein toller Erfolg, wenn gleich im ersten Trainerjahr beim SV Leonberg/Eltingen am Ende der Landesliga-Aufstieg stünde.
Ja, das ist für mich eine Riesensache. Der SV ist mein Heimatverein und allein die Tatsache, dass ich Trainer der ersten Mannschaft sein darf, ist etwas Besonderes. Ich habe nie von außen Druck bekommen und konnte mich ganz meiner Arbeit widmen. Dass es gleich im ersten Jahr aber so erfolgreich ist und wir die Saison mit der Meisterschaft krönen könnten, ist für mich schon etwas Außergewöhnliches.
Dann würden Sie den Betriebsunfall mit dem Abstieg in der Relegation gegen Aramäer Heilbronn von 2022 beheben.
Wenn Sie es so sehen. Damals gab es einen verschärften Abstieg und mussten mit einem Mittelfeldplatz, ich glaube wir waren Siebtletzter, in die Relegation. Dass die dann so endete, war sehr schade. Aber jetzt schauen wir nach vorn.
Gerne. Sind denn die Meister-T-Shirts schon fertig?
(Lacht.) Da bin ich völlig raus. Schon nach dem 10:2 über Marbach hat mich jemand gefragt, ob da was in diese Richtung läuft. Das dürfen andere Leute im Verein machen. So lange nichts endgültig entschieden ist, bin ich vorsichtig.
Bereiten Sie sich schon mal geistig zumindest auf eine Bierdusche am Sonntag vor?
Da wäre ich nicht abgeneigt, das ist klar. Es ist egal, ob im vorletzten oder im letzten Saisonspiel. Ich hoffe natürlich, dass es jetzt gegen Kornwestheim klappt – und dann nehme ich die Bierdusche gerne in Kauf.