Über all die Jahre wirkte es harmonisch, dann der Paukenschlag. Carmine Napolitano ist nach fünf Jahren nicht mehr Trainer der Spvgg Cannstatt. Er selbst hat das Handtuch geworfen, und zwar nach der 1:4-Testspielschlappe gegen den TSV Rudersberg. Der bisherige Co-Trainer Andreas Contino, im Winter von Napolitano geholt, steigt zum Nachfolger auf.
Was ist passiert? Laut dem Spielleiter Thomas Ipowitz gab es „Unstimmigkeiten mit Teilen des Mannschaftrats, weswegen Carmine zurückgetreten ist“. Der mittlerweile Ex-Coach spricht ebenfalls von Unstimmigkeiten mit manchen Spielern, hauptsächlich mit dem ein oder anderen Arrivierteren, der die Verjüngung und Vergrößerung des Kaders als falschen Weg angesehen, ihm sogar die Zerstörung des Mannschaftsgefüges vorgeworfen habe, sagt Napolitano.
„Ich hatte mir den Aufstieg als Ziel gesetzt, dazu ist ein großer Kader dringend notwendig, auch mit Blick in die Zukunft, wenn Routiniers irgendwann aufhören werden.“ Letztlich sei der Auslöser für den Rücktritt aber ein hitziger Disput mit einem Akteur nach der Rudersberg-Partie gewesen, in dessen Verlauf „ich mich sicherlich auch nicht richtig verhalten habe“, gesteht Napolitano. Es sei aber nichts gewesen, was man nicht aus der Welt räumen hätte können, weshalb ein Rücktritt vom Rücktritt im Raum stand. Doch daraus wurde nichts. Bei einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand sprachen sich „einige Teile der Mannschaft gegen den Trainer aus“, sagt Ipowitz, der betont: „Carmine hat hier fünf Jahre lang gute Arbeit geleistet.“
Die Neubesetzung des Cheftrainerpostens mit dem bisherigen Co Andreas Contino ging schnell über die Bühne. „Er hat unser vollstes Vertrauen“, sagt Ipowitz. Und der Neue selbst? „Ich war von Carmines Entscheidung überrascht, weil er Fußball durch und durch lebt“, sagt der 35-jährige Contino, der auch schon die zweite Mannschaft von Calcio Leinfelden-Echterdingen trainiert hat. Er habe sich aber über die Anfrage des Vereins gefreut und nicht lange überlegen müssen. An der bisherigen Philosophie, Probleme spielerisch zu lösen, will er festhalten, die Arbeit gegen den Ball aber noch intensivieren. Ebenso hält er Napolitanos Zielsetzung Aufstieg nicht für utopisch, auch wenn er das Thema nicht so offensiv angeht. „Der Kader hat die Qualität, um aufzusteigen, aber wir schauen von Spiel zu Spiel“, sagt Contino und verweist auf die Neuen. Allen voran Marcel Avdic (SG Schorndorf). Der 33-Jährige, der schon Profi in Rumänien war, wird nicht nur auf der Zehn spielen, sondern steigt neben Markus Lurz als zweiter spielender Co-Trainer ein.
Darüber hinaus greift nach einer fast einjähriger Pause der starke Mittelfeldspieler Pascal Geidies wieder dauerhaft ein – laut Contino „eine Bereicherung für unser Spiel“. Gleiches gelte für den Innenverteidiger Mal Hasaj, wobei seine Verpflichtung mittlerweile einem notwendigen Ersatz gleichkommt. Denn der Platzhirsch Florent Buzhala hat sich erneut das Kreuzband gerissen – Zukunft ungewiss. Aber auch sonst habe man sich sinnvoll verstärkt, die Qualität des Kaders gesteigert.
Für Contino bedeutet die Neustrukturierung der Bezirksliga im Vergleich zu vielen seiner Amtskollegen kein Neuland. Denn er stammt aus Böblingen, hat gute Kontakte zu den künftigen Gegnern. Für ihn gibt es Unterschiede zwischen den einstigen Bezirken: „In Stuttgart wird Fußball gespielt, in Böblingen gekämpft.“
Eckdaten
Zugänge
Mal Hasaj (ASV Botnang), Mehmet Karakus (SSV Zuffenhausen), Mergon Ramaj (TB Untertürkheim), Tyrone Mengesha (Spfr. Charlottenburg-Wilmersdorf/per Zweitspielrecht), Marcel Avdic (SG Schorndorf), Nelson Burr, Leonidas Karipidis (beide Junioren FSV Waiblingen), Dominik Miller, Robin Jordan (beide eigene Junioren).
Abgänge
Lazaros Papadopoulos, Antonios Papadopoulos (beide GFV Ermis Metanastis Stuttgart), Florent Buzhala (Sportinvalide/Karriereende), Ediz Krijestorac (eigene zweite Mannschaft), Stefano Zambito (PSV Stuttgart), Raffaele Napolitano, Antonios Tsiouralis (bei beiden Ziel unbekannt).
Trainer
Andreas Contino (bisher Co-Trainer) für Carmine Napolitano (pausiert).
Saisonziel
einstelliger Tabellenplatz (Platzierung in der vergangenen Saison: 4. Bezirksliga Stuttgart).
Meistertipp
TSV Plattenhardt, SV Deckenpfronn.
Auftaktspiel
auswärts beim SV Vaihingen (Sonntag, 18. August, 15 Uhr).