Fußball-Bezirksliga: Saisonvorschau SV Bonlanden Nach Wandel vom Vorzeige- zum Chaosverein – was kommt nun?

Der Trainer Mario Kienle steht beim amtierenden Vizemeister vor einem notgedrungenen Neuaufbau. Foto: Günter Bergmann

Beim Vizemeister hoffen alle, dass nach zahlreichen Turbulenzen endlich wieder Ruhe einkehrt. Klar ist: Nach dem unerwarteten Ausstieg mehrerer Leistungsträger braucht es einen Neuaufbau, für welchen zumindest der neue Trainer optimistisch ist.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Nicht wenige hätten in Anbetracht der Ausgangslage wohl dankend abgewunken. Mario Kienle nicht. Der musste nach eigener Aussage „erst gar nicht überlegen“, als die Anfrage kam. „Es ist eine Ehre für mich, dass ich so einen Traditionsverein trainieren darf“, sagt der 55-Jährige. Und so kommt es, dass der Stettener und einstige Oberliga-Kicker des SSV Reutlingen nun derjenige ist, der beim SV Bonlanden die schwere Aufgabe des notgedrungenen Neuaufbaus anleitet.

 

Ja, Vizemeister waren die Bonlandener in der vergangenen Saison noch. Nur knapp verpassten sie die sofortige Rückkehr in die Landesliga. Doch Schlagzeilen gemacht haben die Schwarz-Weißen in der jüngeren Vergangenheit mehr durch den erstaunlichen Wandel vom vormaligen Vorzeige-Club zum steten Problemkandidaten. Finanzkrise, Steueraffäre, überraschender Trainerrauswurf, nun seit Kurzem die vierte neue Abteilungsleitung innerhalb von nur drei Jahren – zuletzt waren die hausgemachten Turbulenzen Programm. Gegipfelt sind sie aktuell darin, dass fünf Leistungsträger nach eigentlich bereits zugesichertem Verbleib doch noch gegangen sind (Ehret, Hornung, Pehlivan, Zugac, Pein). Vorausgegangen war, wie zu hören ist, eine hausinterne Ankündigung der Verantwortlichen des Gesamtvereins, fortan die Sparte Fußball wie die anderen Abteilungen mehr unter Breitensport- als Leistungssportgedanken zu sehen. Zusätzlicher Effekt: Somit erkannte auch der spielende Coach Timo Stehle keine ausreichende Perspektive mehr und warf nach nur sechsmonatiger Amtszeit die Brocken hin. Bereits zuvor war obendrein das beruflich bedingte Karriereende des wichtigsten Akteurs, des Kapitäns Andreas Pottmeyer, festgestanden.

Rechnet man hinzu, dass es unter den wenigen verbliebenen Eckpfeilern zwei weitere Sorgenkinder gibt, ist klar, was die Stunde geschlagen hat: Der Torjäger Nils Große Scharmann fällt wegen einer Schambeinentzündung auf unbestimmte Zeit aus, und der zum Abwehrchef aufgestiegene Tobias Scharnreithner steht aus Studiengründen nur noch bis Oktober zur Verfügung.

Doch ist der Trainereinsteiger Kienle keiner, der zum Lamentieren neigt. Er wusste, worauf er sich einlässt. Und er nimmt die Gegebenheiten nüchtern-pragmatisch an. „Es interessiert mich nicht, was alles gewesen ist. Bezirksligatauglich ist unser Kader in jedem Fall“, ist er überzeugt. Seine Aufgabe sieht er nun darin, ein neues Team zu formen. Der Torhüter Luca Wiedmann, der zum Spielführer beförderte Routinier Jonathan Baur und der Mittelfeldrackerer Ricardo Pinto Lino sollen dabei eine Achse bilden. Bauen kann Kienle zudem auf immerhin acht externe Zugänge. Unter jenen sticht der Name Ryan Christiansen (zuvor Calcio und TSV Bernhausen) heraus.

Steigerungsbedarf sieht Kienle vor allem im Spielaufbau und Ballbesitzspiel. „Da ist mir zu viel Langholz drin. Ich lasse lieber Fußball spielen“, sagt er. Betonung auf „spielen“.

Zu was es dann in der Tabelle reichen kann, bleibt abzuwarten. Das offizielle Ziel lautet: ein einstelliger Platz. Für alle Unkenrufer, die eher einen Absturz vom Aufstiegs- zum Abstiegskandidaten für denkbar halten, hat Kienle einstweilen folgende Botschaft parat: „Wir sind nicht so schlecht, wie manch einer glaubt.“ Und: „Wir müssen jetzt die Kritiker überzeugen“, flankiert von einem sehnlichen Wunsch. Wäre schön, wenn darüber hinaus im Verein endlich wieder einmal Ruhe einkehren würde. Manch einer fürchtet ja schon: Was kommt als Nächstes?

Eckdaten

Zugänge
Dacian Burz (SV Hoffeld), Ryan Christiansen (TSV Bernhausen), Philipp Heiß (TSV Harthausen), Yannic Poet (TV Nellingen), Ruslans Purins (TSV Rohr), Alex-Daniel Vasiu (Türkspor Stuttgart), Dimitris Arsos (Junioren SV Hoffeld), Polykarpos Deliannidis (Junioren TSV Bernhausen), Moritz Borsdorf (eigene Junioren).

Abgänge
Andreas Pottmeyer, Timo Stehle (bei beiden Fußballpause), Jakob Ehret (TV Echterdingen), Rüchan Pehlivan (FV Neuhausen), Tobias Hornung, Kevin Pein, Danijel Zugac (alle TSV Plattenhardt), Damian Bogacz, David Cantarero Rubio (beide TSV Rohr).

Trainer
Mario Kienle (pausierte/bis Oktober TSV Harthausen) für Timo Stehle (pausiert).

Spielstätte
Humboldtstraße 11, 70794 Filderstadt.

Saisonziel
ein einstelliger Tabellenplatz (Platzierung in der vergangenen Saison: 2. Bezirksliga Stuttgart).

Meistertipp
TSV Plattenhardt.

Auftaktspiel
zuhause gegen ABV Stuttgart (Sonntag, 18. August, 15 Uhr).

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