„Wir sind halt ein etwas anderer Verein“, sagt der Trainer Zvonimir Topalusic und lacht. „Anders“ für ihn im positiven Sinn. In einer sonst selbst auf Amateurebene daueraufgeregten Branche stellen die Sillenbucher einen Gegenentwurf dar. Sie gefallen sich als Relikt aus Zeiten, in denen am Sportplatz noch allein Bier, Bratwurst und ein Elf-Freunde-Motto die prägenden Elemente waren. Die Kickerei an sich? Hobby in purer Form. „Wer Geld verdienen will“, weiß Topalusic, „ist bei uns falsch.“ Das war schon bisher so, und diesen Prinzipien bleiben die Grün-Weißen nun auch zurück in der höheren Liga treu.
Trio kämpft um Platz im Tor
Dass sie die Staffel vor Jahresfrist verlassen mussten, hat sich im Nachhinein dennoch als bloßer Betriebsunfall herausgestellt. Die Mannschaft hat jenen umgehend repariert, zwischendurch mit einer Serie von 23 Spielen ohne Niederlage. Zugleich haben die Sillenbucher die Karenzzeit für Integrationsarbeit genutzt. Im Kader haben mehrere Spieler aus dem eigenen Nachwuchs die Entwicklung zu Stammkräften geschafft. Rund um routinierte Eckpfeiler wie den Kapitän Niklas Gerber und den Torjäger Lukas Schmidt dürfte der Aufsteiger nun eine der jüngsten Formationen auf den Rasen schicken. Zur Wunschelf gehören fünf U-20-Talente. Auch im Tor wird ein Grünschnabel stehen. Nachdem sich Simon Vögele zum Studium nach Schweden verabschiedet hat, wetteifert ein Youngster-Trio um die Nachfolge. Kurios: Einer davon, Sven Knapp, hatte verletzungsbedingt vom Keeper zum Feldspieler umgeschult. Nun switcht der frühere Juniorenakteur der Stuttgarter Kickers zurück auf seine alte Position.
Jugend als Plus, aber auch mögliches Manko
Insgesamt spricht Topalusic von „jugendlicher Leichtigkeit“ – bei welcher abzuwarten bleibt, ob jene eher zum Vor- oder Nachteil gereicht. Jugend, das steht einerseits für Tempo, Frische, Elan, andererseits aber halt zwangsläufig auch für einen Mangel an Erfahrung. „Diese fehlt uns, und da müssen wir nun mal schauen, wie es damit funktioniert“, sagt Topalusic. Allein aufgrund der üppigen Zahl von bis zu fünf Direktabsteigern rechnet er mit einer „schwierigen Saison“.
Ein Unterschied dann aber auch in diesem Punkt zur Konkurrenz: Was andernorts womöglich Sorgenfalten bereiten würde, das lässt in Sillenbuch ganz entspannt. Wie sagt Topalusic: „Steigen wir erneut ab, steigen wir halt erneut ab. Davon geht die Welt nicht unter.“ Im anderen Fall, beim Erreichen des angepeilten Klassenverbleibs, stünde wohl die nächste interne Abstimmung an.
Malle? „Wär's das geworden, wäre ich nicht mit“, sagt Topalusic und lacht erneut. Am Bodensee war er dagegen gern dabei.
Ihr Auftaktspiel bestreiten die Sillenbucher am 3. September (15 Uhr) zuhause gegen den TSV Bernhausen.
Personalien
Zugänge
Amadeus Hahn (ASV Botnang), Medin Kukavica (TSV Bernhausen II), Tim Schaul (TGV Dürrenzimmern), Sven Knapp (eigene zweite Mannschaft), Valentin Schulik, Ole Sohn (beide eigene Junioren).
Abgänge
Simon Vögele (Auslandsstudium), Lasse Bethäuser (FC Schwabing), Sascha Blessing (Trainer TSV Plattenhardt).