Ja, zwischendurch hat es durchaus Momente gegeben, in denen Danijel Baric befürchtete, dass ihm der ganze Laden um die Ohren fliegt. Oder, anders formuliert: dass die Karre nun vollends gegen die Wand fährt. Nicht nur rein sportlich. In dieser Hinsicht war bereits bei seinem Einstieg im Frühjahr als neuer Spielleiter am Fleinsbach praktisch klar, dass es für den TSV Bernhausen keine Rettung mehr geben kann. Aber drohte jetzt noch mehr? Zusätzlich zum Abstieg der personelle Zerfall?
Heute, einige Wochen später, vermag sich Baric bei diesem Thema einigermaßen entspannt zurückzulehnen. „Zum Glück haben wir die Handbremse noch gefunden“, sagt er. Inzwischen Gewissheit: Der große Scherbenhaufen ist ausgeblieben. Mehr noch, bei den Filderstädtern ist mittlerweile sogar wieder eine Aufbruchstimmung zu verspüren. Von nun an soll gelten: neue Saison, neue Spielklasse, neue Chance. Auch wenn dieses eine Jahr in der Landesliga freilich trotzdem Spuren hinterlassen hat.
2023 noch ohne Punktgewinn
Kurze Rückblende: 15 Spiele hat die Mannschaft zuletzt in Serie verloren. Im Kalenderjahr 2023 ist sie noch ohne jeden Punktgewinn. Dazu die Entlassung des vorherigen Meistertrainers Christopher Eisenhardt. Dazu ein fast schon abenteuerlich zu nennendes Verletzungspech, das vom Schien- und Wadenbeinbruch bis zu diversen Bänderrissen alles beinhaltete. Diese Begebenheiten in der Summe schüttelt man nicht mal auf die Schnelle aus den Klamotten. Balsamgleiche Wirkung hatte es, dass in der aktuellen Saisonvorbereitung nun endlich auch einmal wieder Erfolgserlebnisse gelungen sind. Im VfL Pfullingen bezwangen die Bernhausener sogar einen Verbandsligisten.
Überhaupt wieder in positive Bahnen lenken soll den fußballerischen Teil der neue Coach. Die nötigen Empfehlungen dafür bringt Roko Agatic mit. Der 43-Jährige war einst Erstliga-Profi in Bosnien. Zuletzt stand er beim Ortsnachbarn TSV Harthausen als Spielertrainer unter Vertrag, ehe Barics Anruf kam – dies zur Enttäuschung eines anderen. Intern hatte der Kapitän Michel Forzano auf eine Beförderung gehofft. Ein Amt, das ihm Baric jedoch mangels Amtserfahrung nicht anvertrauen wollte.
Matanovic neuer Kapitän
Die Konsequenz: Forzano ging. Er, der Keeper Luis Miguel Rodrigues und der Abwehrroutinier Yasin Arslan sind Größen, die letztlich weggebrochen sind. Viele andere haben sich dann aber entgegen aller Befürchtungen für einen Verbleib entschieden, allen voran der Torjäger und neue Spielführer Ivan Matanovic. „Er ist in der Bezirksliga immer für 20 bis 30 Saisontore gut“, schätzt Baric. Hinzugerechnet viel versprechende Neuzugänge wie Agatics Harthausen-Mitbringsel Oliver Lujic (Innenverteidigung) und Milan Sasa Milic (Angriff), sieht der Spielleiter die Seinen überhaupt gut aufgestellt. Seine Überzeugung: „Hätten wir schon vergangene Saison so einen Kader gehabt, wären wir nicht abgestiegen.“
Stellt sich die Frage, was aktuell möglich ist. Das Ziel lautet: Top fünf, oben mitspielen. Es wäre der Weg, das Frustjahr 2022/23 vergessen zu machen. Wobei die Meinungen auseinandergehen dürften, ob am Ende ein „ganz vorn“ erstrebenswert wäre.
Erneut Landesliga? Warum nicht, wenn sich die Chance ergäbe, meint Baric. „Hilfe, nein!“, mögen andere sagen. Noch zu frisch sind die schmerzhaften Erinnerungen.
Ihr Auftaktspiel bestreiten die Bernhausener am 3. September (15 Uhr) auswärts beim SV Sillenbuch.
Personalien
Zugänge
Ryan Christiansen (Calcio Leinfelden-Echterdingen), Milan Sasa Milic, Oliver Lujic, Omar Khader, Lukas Walz (alle TSV Harthausen), Alessio Palmieri (TSV Oberboihingen), Ante Glibo (Junioren Stuttgarter Kickers), Cono Lombardo (von den eigenen Junioren).
Abgänge
Alperen Albayrak, Marcel Stannull (beide TSV Plattenhardt), Luis Miguel Rodrigues (TSV Oberensingen), Yasin Arslan (FV Neuhausen), Leke Babaj, Besart Veseli (beide KF Kosova Bernhausen), Stefan Bauer (FV Bisingen), Michel Forzano, Benjamin Folgmann (beide TSV Harthausen), Fabian Kopanka (FSV Waldebene Stuttgart-Ost), Ali Al Hashimi (Schweiz).