Wenn es an einem Beleg gefehlt haben sollte, dass es für den neuen Trainer Sascha Blessing und seine Mannschaft des TSV Plattenhardt noch viel Arbeit gibt, seit Montagabend ist er geliefert. Und das in gleich sechsfacher Form. Das Ergebnis im finalen Testspiel? Ein 0:6. Von den klassenhöheren Young Boys Reutlingen bekamen die Filderstädter auf eigenem Platz ein halbes Dutzend eingeschenkt. Nun möchte Blessing diesen Auftritt zwar „nicht überbewerten“. Wie gesagt: eben Testphase, noch kein Ernstfall. Etwas schlucken lassen hat das Ganze allerdings schon. Die bange Frage, die sich im Weilerhau manch einer stellen mag, ist: Geht es etwa gerade so weiter wie in der vergangenen Saison?
Jene steckt jedenfalls noch in den Köpfen drin, hat Blessing in den Wochen seit seinem Amtsantritt festgestellt. „Man merkt, dass der Stachel tief sitzt“, sagt er. Und: „Das Negative müssen wir erst noch ein bisschen wegkriegen.“ Freilich, es war auch ziemlich viel, was da in diesem einen Jahr zusammengekommen ist. Und im Prinzip wirkt es nach wie vor wie ein schlechter Traum. Zur Erinnerung: Gestartet waren die Plattenhardter mit Ambitionen auf einen Spitzengruppen-Platz – ehe am Ende der Abstieg stand. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffte schließlich eine Kluft so breit wie der Grand Canyon. Zu ändern vermochten daran auch zwei Trainerwechsel nichts.
Die Plattenhardter Mentalitätsfrage
Nun ist Blessing Coach Nummer vier innerhalb von nur zwölf Monaten. Und vor allem der 35-Jährige (bisher Co-Trainer beim SV Sillenbuch) trägt auf seiner ersten Chefstation die Hoffnung auf Besserung. Er soll einen Kaderumbruch gestalten. Mit ihm soll der verloren gegangene Spaß zurückkehren. Unter Blessing auch soll sich nicht zuletzt wieder ein Imagewandel vollziehen, nachdem zuletzt ein Etikett mehr und mehr lästig an der Mannschaft klebte. Immer wieder sah sich das kickende Personal mit der Mentalitätsfrage konfrontiert. Fußballerische Qualität ja – nicht minder wichtige Attribute wie Widerstandsfähigkeit und schlichtes Ärmelhochkrempeln aber eher nein.
Aktuell ist Blessing überzeugt, dass die Mischung passt. „Alles astreine Jungs“, sagt er – welche auf dem Platz aber erst noch zu einer funktionierenden Einheit finden müssen. Immerhin 15 Spieler sind gegangen, dafür elf andere neu dabei. Der Königstransfer gelang mit der Verpflichtung des Torjägers Fatih Özkahraman. Der zweimalige Landesliga-Schützenkönig (jeweils für Oberensingen) ist als Eckpfeiler eingeplant. Aber auch mit den Rückkehrern Alperen Albayrak und Marcel Stannull sowie Vincenzo Parrinello kamen potenzielle Führungskräfte hinzu.
Vermeintlicher Topzugang sorgt für Ärger
Zwei gleichzeitige Baustellen hat der Verein derweil behoben: Als Ersatz für den nach einer Herzmuskelentzündung noch im Aufbautraining befindlichen Abwehrchef Emre Göcer fungiert bis auf Weiteres Julian Hofacker – er wechselt vom Angriff in die Innenverteidigung. Und im Tor? Dort ist der Ärger zwar noch nicht verraucht, dass der vermeintliche Topzugang Plator Gashi (TSG Balingen) die Plattenhardter an der Nase herumgeführt hat. Plötzlich wollte der Youngster doch nicht mehr. Aber der Zufall half. Neue Nummer eins ist nun der Italien-Auswanderer Kristian Grbic (22), den es zu seiner Schwester in hiesige Breitengrade zog. Zwar steht auch der Ex-Profi Daniel Wagner weiterhin im Kader, jedoch nur noch als Backup-Lösung für etwaige Notfälle. Mehr lässt seine berufliche Situation nicht mehr zu.
Alles in allem sieht Blessing eine Basis, „langfristig etwas aufzubauen“. Was kurzfristig drin liegt, in dieser Saison, bleibt abzuwarten. „Wir haben keinen Druck, setzen uns aber auch keinen Grenzen“, sagt der Trainer. Von Vereinsseite lautet das offizielle Ziel: Platz eins bis drei – trotz erwähntem 0:6. Doch ist es mit Zielen beim Filderclub wie gesagt so eine Sache. Die Plattenhardter sind da ein gebranntes Kind.
Sein Auftaktspiel bestreitet der Landesliga-Absteiger am 3. September (15 Uhr) zuhause gegen den Aufsteiger TSV Münster.
Personalien
Zugänge
Farhan Ahmad (SG Reutlingen), Alperen Albayrak, Marcel Stannull (beide TSV Bernhausen), Kristian Grbic (pausierte, zuletzt Avezzano Calcio/vierte Liga in Italien), Fatih Özkahraman (JC Donzdorf), Vincenzo Parrinello (1. FC Frickenhausen), Devrim Sefer (PSV Stuttgart), Nikolaos Tsiolakidis (TV Pflugfelden), Mark Hörz, Nico Schaschinek (beide eigene zweite Mannschaft), Luca Flurer (eigene Junioren).
Abgänge
Rico Däschler, Oliver Grun (beide VfL Pfullingen), Marko Drljo, Fatmir Karasalihovic (beide Young Boys Reutlingen), Vincenzo Giambrone (Croatia Reutlingen), Marc Hetzel (TSV Jahn Büsnau), Denis Kroer (Karriereende), Ruslans Purins (SV Hoffeld), Enrico Raupach (VfR Heilbronn), Willi Saubert (VfB Neckarrems), Arjanit Januzi (Türkspor Nürtingen 73), Maxim Haug (SV Vaihingen), Theofilaktos Spiridopoulos (Omonia GFV Vaihingen), Elvir Gashi (KF Kosova Bernhausen), Dominik Zagrovic (Ziel unbekannt).