Fußball-Bezirksliga Spvgg Cannstatt Die Cannstatter Frage: alles auf Angriff?

Nur drei Punkte Abstand zur Spitze – was liegt für den Kapitän Marco Schulz (links) und dessen Cannstatter Teamkollegen in der Rückrunde drin? Foto: Archiv/Günter Bergmann

Teil fünf unserer Rückrundenvorschau. Warum der Trainer Damian Nagler zahlen muss und welche zwei unterschiedlichen Meinungen es innerhalb der Mannschaft gibt.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Diese Form von Schulden hat Damian Nagler gerne beglichen. Einmal Pizza für die ganze Mannschaft – vor zwei Wochen, nach dem 5:2-Testspielsieg gegen den FV Plochingen, brachte der Trainer seinen Teil der Wette ein. Diese hatte gelautet: Nagler zahlt, wenn seine Kicker in der Rückrundenvorbereitung entsprechend Gas geben. Gesagt, getan. Insgesamt 800 Laufkilometer, verteilt auf verschiedene Gruppen, waren vom Coach als Hausaufgaben vorgegeben. Erhalten hat er den Leistungsbeleg schließlich fein säuberlich dokumentiert per Screenshots und App. Und so scheint nun vor dem fußballerischen Wiederbeginn zumindest eines schon einmal garantiert: An der Fitness wird es beim Bezirksligisten Spvgg Cannstatt nicht fehlen.

 

Überhaupt hat Nagler eine „erfreuliche“ Trendwende registriert. Hatte der 37-Jährige im vergangenen Sommer als Neueinsteiger ob Trainingsbeteiligung und Urlaubsplanung der Seinen noch zwischen Ernüchterung und Fassungslosigkeit geschwankt, so ist er aktuell voll des Lobes: „Die Jungs sind alle top motiviert.“ Einige vielleicht sogar noch mehr als die anderen. In einem Punkt scheiden sich laut Nagler jedenfalls gerade die internen Geister. Die Frage der Fragen: Was ist für den Tabellenvierten möglich in dieser Saison? „Nur“ ein guter Spitzengruppenplatz wie bislang? Ist dies das realistische Maximum? Oder geht noch eine Schippe drauf? Ergibt sich womöglich gar die Chance zum großen Wurf, die es beim Schopf zu packen gilt? Frei unter dem Motto, wenn vorne drei sich streiten, lacht am Ende ein Vierter. Letztmals und zum bislang einzigen Mal klopften die Neckarstädter vor vier Jahren ernsthaft an die Landesliga-Tür. Damals unterlagen sie als Vizemeister erst in den Aufstiegsspielen.

„Rund eine Hälfte des Teams sagt: Wir wollen jetzt oben angreifen. Die andere geht es zurückhaltender an“, berichtet Nagler – und macht keinen Hehl daraus, dass er selber eher zur zweiten Fraktion gehört. Inwieweit auch aus taktischen Gründen, sei dahingestellt. Aus der Außenseiterrolle agiert es sich allemal einfacher als aus jener eines selbst ernannten Mitfavoriten. „Top fünf, das wäre super“, sagt der Trainer, „alles darüber hinaus traumhaft“. So oder so sieht er sich weiterhin als „Ausbilder“ und seine Mannschaft in einem Entwicklungsprozess. Umgekrempelt hat Nagler bereits in der Hinserie einiges. Taktische Ausrichtung, Spielsystem. „In der Königsdisziplin, im Ballbesitz, sind wir schon gut“, konstatiert er. Nun erkennt er vor allem im Umschaltverhalten und in der Defensive noch Steigerungspotenzial.

Eben für die Abwehr haben die Cannstatter denn auch personell nachgelegt. Devrim Azad Sefer (Außenverteidiger, vom Landesligisten TSV Plattenhardt) und Zama Tibu Fru Gustave (Innenverteidiger, vom TSV Schmiden) sind als Startelfkandidaten neu dabei. Der dritte Wintereinsteiger, der Youngster Jonas Neumann, wird dagegen frühestens im April zur Verfügung stehen. Studienbedingt eigentlich in Stuttgart gelandet, absolviert er gerade ein Praxissemester in seiner Heimatregion Köln.

Für alle anderen des Kaders geht es am Sonntag (15 Uhr) mit einem Heimspiel gegen die Spvgg Holzgerlingen wieder los – dies mit nur drei Punkten Rückstand auf Platz eins, nachdem der Tabellenführer TV Darmsheim im Nachholspiel gegen den SV Bonlanden gepatzt hat (4:4). „Normalerweise werden Darmsheim und der SV Vaihingen den Meistertitel unter sich ausmachen“, glaubt Nagler dennoch. Normalerweise. Aber läuft im Fußball immer alles normal?

Personalien

Zugänge
Devrim Azad Sefer (21, Abwehr, TSV Plattenhardt), Zama Tibu Fru Gustave (24, Abwehr, TSV Schmiden), Jonas Neumann (19, Mittelfeld, FSV Schwarz-Weiß Neunkirchen-Seelscheid/Landesliga Mittelrhein). Bereits während der Hinrunde: Dennis Schmidt (Mittelfeld, pausierte/zuletzt TV Pflugfelden).

Abgänge
Arjanit Januzi (TSV Bernhausen), Al Baraa Al Hariri, Mal Hasaj (beide TSV Musberg), Jeffrey Frimpong (Ziel unbekannt).

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