Fußball-Bezirksliga Stuttgart Bernhausener Meisterparty mit einer mutigen Trainer-Ankündigung

Der TSV Bernhausen feiert den Wiederaufstieg. Foto: Günter Bergmann

Die „Veilchen“ feiern den Wiederaufstieg. Kommen nun noch zwei „Raketen“ als neue Spieler? Derweil bangen im Abstiegskampf zwei Teams weiter, holt der TSV Rohr einen überraschenden neuen Trainer. Und dann ist da noch die Sache mit einem „Güllefass“.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Mehrere Bierduschen für den Trainer, dann Party bis tief in die Nacht – seit Sonntag kurz vor 17 Uhr ist vollbracht, woran mittlerweile eh keiner mehr zweifeln konnte. Der TSV Bernhausen steht als Meister der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga fest und kehrt damit nach nur einem Jahr in die Landesliga zurück. Mit ihrem aktuell 17. Punktspielsieg in Serie haben die Filderstädter eine rauschende Saison gekrönt, in der nun aber noch zwei weitere Ziele bleiben. Gleichzeitig am Feiern ist die SGM ABV/TSV 07 Stuttgart, die sich der Abstiegssorgen entledigt hat. So steht vor dem letzten Spieltag am nächsten Sonntag lediglich noch eine wichtige Entscheidung aus: Wer schafft es auf den unter Umständen ebenfalls rettenden viertletzten Tabellenplatz? Der SV Sillenbuch oder der TSV Rohr? Letzterer freut sich einstweilen über die Klärung seiner Trainerfrage – und zwar mit einer allemal überraschenden Lösung.

 

TSV Bernhausen – SC Stammheim

Der inoffizielle Titel als Feierbiester der Staffel geht indes unstrittig an den TSV Bernhausen. „Die Jungs haben mich überrascht, dass sie auch das so gut können. Sie haben quasi die Kabine auseinandergenommen“, sagt ein lachender Trainer Roko Agatic, der die Risiken und Nebenwirkungen einer schließlich durchzechten Thekennacht am eigenen Körper zu spüren bekam. Schwere Beine, schwerer Kopf, und auch die Stimme wirkte am Tag danach angekratzt. Aber da muss man dann durch.

Was für eine Saison! „Dabei hatten uns viele am Anfang schon abgeschrieben“, weiß Agatic. Nach vier Spieltagen hatten die Seinen drei Niederlagen auf dem Konto und grüßten von einem Abstiegsplatz. Umso beeindruckender, was seitdem geschehen ist. Und passend nun das Meisterstück. Selbst ein Gegner wie der SC Stammheim, als Vize des vergangenen Jahrs wahrlich keine Laufkundschaft, bekam sechs Stück eingeschenkt. Endstand: 6:1. Die Aufstiegsparty begann praktisch schon zur Halbzeitpause. In Anbetracht eines früh erreichten Vier-Tore-Vorsprungs habe er seinen Kickern bereits da zum Titel gratuliert, verrät Agatic. Der Rest war Schaulaufen, nach welchem an den beiden nächsten Wochenenden das Gaspedal aber weiter durchgedrückt werden soll.

Zwei Vorhaben bleiben wie erwähnt. „Jetzt“, sagt Agatic, „wollen wir auch noch die 100-Tore-Marke schaffen.“ Momentan steht der Zähler bei 98. Und darauf folgt ja als abschließende Zugabe das Pokalendspiel, nun, Leverkusen lässt grüßen, als Double-Chance – jene mit einem schnellen Wiedersehen. Am 8. Juni in Vaihingen werden erneut die Stammheimer der Gegner sein. Deren Coach Marc Wegner verspricht: „Dann werden wir mit einer anderen Ein- und Aufstellung antreten. Das wird ein ganz anderer Fight.“

Ansonsten auch von Wegner Glückwünsche an den neuen Meister, für den es am Jubel-Wochenende dann nur einen Wermutstropfen gab. Fest steht inzwischen, dass doch einer der Leistungsträger verloren geht. Der Angreifer Werner Hottmann hört auf. Bei ihm gilt fortan: Familie statt Fußball. Er wird Vater von Zwillingen. Unabhängig von diesem „großen Verlust“, wie Agatic es nennt, halten die Bernhausener nach weiteren Neuzugängen die Augen auf. Den Fehler von vor zwei Jahren, als der Fleinsbachclub mit einem quantitativ und qualitativ zu dünn besetzten Kader in das Abenteuer Landesliga startete, will man nicht wiederholen. Grundsätzlich wird es laut dem Spielleiter Danijel Baric auf dem eingeschlagenen Jung-hungrig-wild-Weg weitergehen, sollen aber auch noch erfahrene Verstärkungen kommen. Agatic spricht von „vielleicht ein, zwei richtigen Raketen“. „Schließlich möchten wir keine Fahrstuhlmannschaft werden.“

SGM ABV/TSV 07 Stuttgart – TSV Plattenhardt

Einer solchen Gefahr hat auch die SGM ABV/TSV 07 Stuttgart vorgebeugt, der zweite große Gewinner des Spieltags. Für die Degerlocher ist mit einem 4:1-Erfolg gegen den vormaligen Aufstiegsfavoriten TSV Plattenhardt das Zittern beendet. Endstation Sehnsucht, Klassenverbleib geschafft. „Die Mannschaft hat alles reingeworfen und Charakter gezeigt“, sagt der Trainer Milos Pojic, der als Retter in die Vereinsannalen eingehen darf. Als er im Januar antrat, war sein Team noch Letzter. Während der gesamten Hinrunde war gerade einmal ein einziger Sieg gelungen, in der Rückserie nun immerhin sechs. Aktuell machte Joa Kauderer als Doppeltorschütze das Fehlen des eigentlichen Topscorers Blessing Omoregie (Urlaub) wett.

Freilich, zugute kam den Gastgebern dabei auch, dass dem Gegner seit seinem Aus im Titelrennen offenbar der Stecker gezogen ist. Rien ne va plus. Nichts geht mehr. „Die Enttäuschung sitzt so tief drin, dass wir gerade nichts mehr auf die Kette kriegen“, konstatiert der Pojic-Gegenüber Sascha Blessing, der sich diesmal in der Not selbst einwechselte. Half aber auch nichts. Dreimal tief Luft geholt im Weilerhau, wenn das Spieljahr in Kürze beendet ist. Dann hofft Blessing auf einen Neuanfang, auch personell. Klar ist für ihn: „Wir brauchen zumindest einen kleineren Umbruch mit jungen, frischen Leuten.“ Zum Beispiel wie Lean Winter (20, Abwehr/Mittelfeld), der vom FC Gärtringen kommen wird.

SG Untertürkheim – TSV Rohr

Im Tabellenkeller ergibt sich derweil fürs bevorstehende Saisonfinale ein Fernduell. SV Sillenbuch oder TSV Rohr? Das sind die beiden Teams, denen noch der Hoffnungsschimmer Platz elf bleibt. Jener elfte Rang wird zur Qualifikation für die künftige Bezirksliga Stuttgart/Böblingen reichen, wenn der Wackelkandidat MTV Stuttgart in der Landesliga seinerseits den Klassenverbleib schafft. Allerdings nur dann. Daumendrücken also in Richtung Kräherwald.

Nach jetzigem Stand würden die Rohrer profitieren. Sie sind nach einem 1:0-Duselsieg bei der SG Untertürkheim drei Punkte voraus – ein Vorsprung, der sich ob des Restprogramms jedoch relativiert. Während der Mitbewerber Sillenbuch zum Abschluss aufs Kanonenfutter-Aufgebot von Türkspor trifft, ist für die      Mannschaft der Lapeschi-Brüder gegen zuletzt formstarke Feuerbacher zumindest ein weiterer Zähler nötig.

Einstweilen schert sich der Rohrer Abteilungschef Holger Schroeder nicht um die Umstände: „Mit Fußball hatte das von uns nicht viel zu tun“, sagt er. Aber egal. Am Ende zählte nur das Ergebnis. Für dieses zeichneten vor allem zwei eigene Spieler verantwortlich: der Torschütze Tim Schürg und der Keeper Daniel Jocic. Letzterer wechselt im Juli vollends zu seinem Zweitverein SC Staig und steht eigentlich gar nicht mehr zur Verfügung. Als Aushilfskraft wartete er aber mit diversen Paraden auf, zum Kopfschütteln des gegnerischen Coachs Alexander Erne. Der hält es mit Blick auf die erneut vergeblichen Offensivbemühungen seiner inzwischen abgestiegenen Elf mit Andy Brehme: „Wenn dessen Spruch stimmt: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß, dann ist es bei uns ein ganzes Güllefass.“

Was demgegenüber die Rohrer Laune zusätzlich hebt: Geklärt hat der Verein die Trainerfrage für die nächste Saison. Die Antwort lautet, Überraschung, tatatatam: Klaus Kämmerer. Nun also doch. Der 63-Jährige, oberligaerfahren, mehrfach titeldekoriert und bis Jahresbeginn noch beim Staffelrivalen SV Bonlanden engagiert, kehrt an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Aufhorchen lassen hatten die Rohrer mit diesem vermeintlichen Coup bereits vor sechs Wochen – damals mit der stolzen Ankündigung, Kämmerer steige mit sofortigen Wirkung als sportlicher Berater ein, worauf vom Betroffenen aber ein promptes Dementi kam.

Inzwischen? „Der Verein ist hartnäckig geblieben und hat immer wieder nachgefragt. Und in meinem Urlaub habe ich mir das noch einmal durch den Kopf gehen lassen“, sagt Kämmerer. Einsteigen wird er unabhängig von der Klassenzugehörigkeit. Seine langjährigen Ex-Schüler Fabio und Giampiero Lapeschi, das bisherige Trainerteam, wird die Assistentenrolle übernehmen.

TSV Münster – SV Sillenbuch

Enttäuschung dagegen beim SV Sillenbuch. Jener hat seine bis dato bessere Ausgangsposition mit einer 1:2-Niederlage beim TSV Münster verspielt. Bitter zudem, weil die eigene Mannschaft durch ein von Lukas Schmidt genutztes Strafstoß-Geschenk zunächst noch in Führung ging. Dann aber, in der Endphase, schlug der Gegner zurück. „Ein absoluter Witz-Elfer. Der Schiri hat alles gegen uns gepfiffen“, knurrt der Münsterer Coach Stefan Schuon, „das hat bei uns noch einmal etwas rausgekitzelt.“ Das finale Motto: So, liebe Freunde der Sonne, so nicht.

Geht für die Sillenbucher besagte Sonne nun derweil unter? Deren Spielleiter Hans-Georg Spies sieht es so: „Unwahrscheinlich, dass wir die Klasse jetzt noch halten. Offensiv sind wir einfach nicht effektiv genug.“

Sportvg Feuerbach – Spvgg Cannstatt

Letzteres beklagt auch die Spvgg Cannstatt, in deren Fall freilich mit weitaus weniger gravierenden Folgen. Für sie führte die Großzügigkeit im Chancenauslassen lediglich dazu, dass im Auswärtsspiel bei der Sportvg Feuerbach am Ende eine Nullnummer stand. Dabei verballerte Marco Schulz sogar einen Elfmeter, den Moise Nyamuisi per Notbremse verursachte. Ein Schuss neben das Tor, während das sonstige unüberwindbare Hindernis in eben diesem Tor zu Werke war. Kommentar des Cannstatter Trainers Carmine Napolitano: „Das war Cannstatt gegen Raphael Kugel.“ Der Schlussmann der Gastgeber wuchs im Duell der Trainerkumpel Rocco Cesarano und Napolitano über sich hinaus.

SV Bonlanden – SV Vaihingen

Bleiben noch vier Mannschaften, für die es am Sonntag bereits ebenfalls im Prinzip um nichts mehr ging. Wobei: Der SV Bonlanden sicherte sich mit einem 3:0 gegen den SV Vaihingen immerhin noch die Vizemeisterschaft, auch wenn es für diese mangels Relegation heuer nichts zu gewinnen gibt. Beim frühen Führungstor von Rüchan Pehlivan hielt der Gästeroutinier Maximilian Eisentraut mit einem missratenen Dribbling am eigenen Strafraum den Steigbügel. Außerdem unter den Torschützen: Andreas Pottmeyer, der damit einen gelungenen Heimabschied feierte. Der Bonlandener Kapitän beendet wie berichtet seine Karriere.

Sorgen macht an der Humboldtstraße darüber hinaus, dass beim eigentlichen Knipser vom Dienst, Nils Große Scharmann, der Verdacht auf eine Schambeinentzündung besteht. Dem 28-Jährigen könnte eine längere Pause drohen.

Türkspor Stuttgart – TSV Musberg

Das höchste Ergebnis des Spieltags gelang schließlich dem TSV Musberg. Jener ballerte sich beim Schlusslicht Türkspor Stuttgart zu einem 8:0. Die Begegnung begann mit einer Viertelstunde Verspätung, weil der Gegner zunächst nur sieben Spieler hatte, ehe noch einige weitere eintrudelten.

Der nach seinem personellen Radikalumbruch sportlich tief gestürzte Vorjahresdritte bildet in dieser Saison das unfreiwillige Kontrastprogramm zum Hurrateam des TSV Bernhausen. 17 Siege am Stück? Die Türkspor-Serie beläuft sich inzwischen auf 16. Sechzehn Spiele nacheinander ohne Sieg. Einmal noch, dann werden auch die Türken die Spielklasse verlassen, allerdings in die andere Richtung.

Die Statistik zum Spieltag

TSV Bernhausen – SC Stammheim 6:1. Tore: 1:0 Hottmann (16.), 2:0 Matanovic (28.), 3:0 Alber (35.), 4:0 Lujic (45.), 5:0 Milos (85., Foulelfmeter), 6:0 Alber (89.), 6:1 Biebl (90.). Besonderes: Fall (Stammheim) scheitert mit Foulelfmeter am Pfosten (44.)

SG Untertürkheim – TSV Rohr 0:1. Tore: 0:1 Schürg (35.). Besonderes: Gelb-Rot für Jochum (Rohr, 75.)

Sportvg Feuerbach – Spvgg Cannstatt 0:0. Tore: – . Besonderes: rote Karte für Nyamuisi (Feuerbach, 69./Notbremse); Schulz (Cannstatt) schießt Foulelfmeter am Tor vorbei (70.)

SGM ABV/TSV 07 Stuttgart – TSV Plattenhardt 4:1. Tore: 1:0 Köberle (20.), 1:1 Hofacker (45.), 2:1 Kauderer (64.), 3:1 Egunjopi (74.), 4:1 Kauderer (82.). Besonderes: –

SV Bonlanden – SV Vaihingen 3:0. Tore: 1:0 Pehlivan (8.), 2:0 Pottmeyer (26., Handelfmeter), 3:0 Sinesi (88.). Besonderes: –

TSV Münster – SV Sillenbuch 2:1. Tore: 0:1 Schmidt (76., Foulelfmeter), 1:1 Weiß (82.), 2:1 Etogo Essama (86.). Besonderes: Gelb-Rot für Djelassi (Münster, 87.)

Türkspor Stuttgart – TSV Musberg 0:8. Tore: 0:1 Zirfaß (19.), 0:2 Weller (30.), 0:3 Raff (54.), 0:4 Simon (78.), 0:5 Pinheiro Martins (80.), 0:6 Minhas (85.), 0:7 Lukas Zug (87.), 0:8 Pinheiro Martins (89.). Besonderes: –

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