Viele Tore hatte das Spitzenspiel der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen nicht zu bieten – dafür aber Drama pur. Angesichts dreier (!) Platzverweise für die gastgebende Spvgg Cannstatt ging das Traumtor durch Aristidis Perhanidis, das den 1:0-Sieg für den TSV Plattenhardt besiegelte, beinahe unter. Als sich die Gemüter nach dem Abpfiff allmählich beruhigten, dürfte bei den zweitplatzierten Cannstattern auch die bittere Erkenntnis in den Vordergrund rücken: Die Meisterschaft wird dem Gegner von den Fildern wohl kaum noch zu nehmen sein.
„Über die ganze Saison betrachtet hat es sich Plattenhardt verdient, jetzt sieben Punkte vorne zu sein“, konstatiert Cannstatts Trainer Christopher Eisenhardt nach der Partie, „aber in diesem Spiel waren sie nicht besser als wir“. Und dann, bitterer Zusatz: „Vor allem wenn man betrachtet, wie wir benachteiligt wurden.“ Drei Platzverweise – das ist wohl die eigentliche Geschichte dieses Gipfelduells. Erstes Kapitel: 25 Minuten waren auf der Uhr, als Plattenhardts Toptorjäger Perhanidis sich durchs Mittelfeld tankte, dabei von Carsten Bauer gefällt wurde – und der Schiedsrichter den Cannstatter mit Glatt-Rot vom Platz stellte. Eine mindestens harte Entscheidung. Danach erwischte es Mal Hasaj, der Minuten nach seiner Einwechslung ebenfalls rot sah – vermutlich wegen Beleidigung des Schiedsrichters (79.). Kurz vor Schluss machte dann Behar Hasanaj, der sich zuvor im Laufduell mit Tim Hornung eine blutende Nase geholt hatte, das Triple voll. Der beste Schütze der Cannstatter (26 Saisontore) kassierte wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte (85.).
Für die Heimelf und deren Anhänger freilich eine katastrophale Leistung des Offiziellen. Auf der anderen Seite sah es Plattenhardt-Coach Slobodan Markovic standesgemäß anders: „Immer wieder schlagen und jedes Mal meckern, und dann drei rote Karten, das gehört nicht zum Fußball.“ Trotz der am Ende deutlichen Überzahl blieb es bis zum Abpfiff ein enges, umkämpftes Spiel. Für Markovic nicht überraschend. „Wir wussten schon vorher, dass wir 90 Minuten lang hart arbeiten und geduldig bleiben müssen“, erläutert er. „Das haben wir geschafft. Wir waren taktisch gut und haben diszipliniert gespielt.“
Bei den Cannstattern sorgte das Endergebnis dann auch für den am Ende einzigen Lichtblick. „Wir haben uns nicht abschießen lassen. Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft“, sagt Eisenhardt. Und das völlig zu Recht. Denn was die Cannstatter ablieferten, glich einer Lehrstunde in puncto Moral. Mit unbändigem Willen und großer Laufbereitschaft steckten sie nie auf, kamen selbst mit acht Mann noch zu Torchancen. Von einer Dominanz des Spitzenreiters konnte keine Rede sein, stattdessen blieb es bis zum Abpfiff ein Spiel auf Augenhöhe. „Beide Mannschaften haben eigentlich ein ordentliches Spiel gemacht, aber der Schiri hat die Partie gelenkt“, legt Eisenhardt in seiner Kritik nach.
In einem rassigen und gegen Ende hitzigen Spiel blieben lediglich die Torchancen und deren Verwandlung Mangelware. Die Ausnahme kam vom Mann des Spiels, dem umtriebigen Perhanidis. In der 81. Minute zirkelte er einen Freistoß an der Strafraumkante über die gegnerische Mauer hinweg ins Kreuzeck – der spielentscheidende Treffer, Kategorie Traumtor. Damit bringt der jetzt 30-Tore-Mann die Seinen endgültig auf Meisterkurs. „Wir stehen mit einem Fuß in der Landesliga“, weiß auch Markovic. Dessen Trainer-Gegenüber muss eingestehen: „Das wird sich Plattenhardt nicht mehr nehmen lassen.“ Für seine Cannstatter gilt es nun, den aktuellen Relegationsrang gegenüber der SpVgg Holzgerlingen zu sichern. Diese rückte durch ihren 3:1-Sieg beim VfL Oberjettingen bis auf einen Punkt heran. Was es freilich nicht einfacher macht: Ausgerechnet zum Saisonendspurt muss Cannstatt vorerst auf die drei Rotsünder verzichten.
Spvgg Cannstatt: Januzi – Bauer, Lurz, Ziegler, Ajolbek (46. Al Hariri) – Schulz, Ala (Krijestorac), Caruso (82. Miller), Jordan (58. Ipowitz) – Hammoud (75. Hasaj), Hasanaj. TSV Plattenhardt: Grbic – Pein, Göcer, Markovic, Grun – Zugac (64. Hörz), Blazek (90. Vöhl), Eiberger, Hornung (90. Straub) – Perhanidis, Servi (87. Moll).