Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen Fan-Rauswurf, Trainer-Wiedersehen, nach Torjubel im Krankenhaus

Die Trainer Stefan Schuon hat mit dem TSV Münster seinem langjährigen Ex-Verein ein Schnippchen geschlagen. Foto:  

Nach dem zweiten Spieltag der neuen Staffel sind nur noch zwei Teams ohne Punktverlust. In Plattenhardt kommt es zu einem Eklat. Der TSV Münster sorgt für eine Derby-Überraschung. Und einem Spieler unterläuft in der Freude ein schmerzhaftes Missgeschick, das ihn nun zum Pausieren zwingt.

Ein Vierfachtorschütze, eine Spielunterbrechung wegen Zuschauerausschreitung und ein Kicker mit einer kurios erlittenen Platzwunde – an Aufregern hat es der zweite Spieltag der neu gegründeten Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen nicht fehlen lassen. Gewinner des Sonntags sind die beiden einzigen noch verlustpunktfreien Mannschaften im 18er-Feld. Diese heißen nicht von ungefähr TSV Plattenhardt und SV Deckenpfronn. Es handelt sich um das schon vorab als Titelfavorit gehandelte Team sowie den letztjährigen Vizemeister der inzwischen nicht mehr existierenden Staffel Böblingen/Calw. Freude aber auch beim TSV Münster, ist dem Außenseiter doch im Neckar-Derby ein überraschender Auswärtscoup gelungen.

 

TSV Plattenhardt – Türkischer SV Herrenberg

Erster bleibt indes der TSV Plattenhardt. Zwei Spiele, sechs Punkte, bereits elf erzielte Tore. Zumindest rein ergebnistechnisch werden die Filderstädter bislang der erwarteten Rolle gerecht: Der Favorit liefert, nach dem 6:1 in Stammheim nun auch beim Heimauftakt mit einem 5:0 gegen den Türkischen SV Herrenberg. Freilich: Die großen Gradmesser waren vom Spielplan her noch nicht dabei. Und, festzuhalten ist: In puncto gezeigte Leistungen hat der Ex-Landesligist allemal noch Luft nach oben.

„Herrenberg war sehr giftig, hat hoch gepresst und uns teils vor Probleme gestellt“, räumt der Trainer Sascha Blessing ein. Zum klaren Erfolg kamen die Seinen erst, als bei den Gästen in der Endphase ob ihrer intensiven Spielweise die Kräfte schwanden. Freuen durfte sich der Coach schließlich über zwei Doppelpacker: Mark Hörz setzte sein Formhoch aus der Saisonvorbereitung fort und netzte ebenso zweifach ein wie der eingewechselte Alperen Albayrak. Damit kompensierten sie das erneute Fehlen der beiden eigentlichen Topscorer, Fatih Özkahraman (Entzündung im Hüftbeuger) und Aristidis Perhanidis (Muskelfaserriss).

Unschöne Geschichte am Rande: In der zweiten Hälfte musste die Begegnung vom Schiedsrichter für eine Viertelstunde unterbrochen werden. Nach dem Elfmeterpfiff vor dem 3:0 brannten einem Gästefan die Sicherungen durch. Er habe gegen Personen auf der Plattenhardter Bank handgreiflich werden wollen. Ordner geleiteten den Wüterich schließlich aus dem Stadion. „Die Atmosphäre war aufgeheizt“, sagt Sascha Krammer, Fußballchef der Gastgeber, ohne dabei dem Gegner einer Vorwurf machen zu wollen: „Die Herrenberger als Verein und Mannschaft konnten nichts dafür.“

Sportvg Feuerbach – SV Deckenpfronn

Außer den Plattenhardtern bringt es wie erwähnt nur noch der SV Deckenpfronn auf eine makellose Zwischenbilanz. Jener setzte am Sonntag durchaus ein Ausrufezeichen. Heimfestung Braun-Sportpark? Ja, so galt es bisher. Von ihren vorangegangenen 18 Ligaspielen auf dem eigenen Geläuf hatte die Sportvg Feuerbach lediglich eines verloren (0:3 im April gegen den SV Bonlanden). Nun kam mit einem 1:2 ein zweites hinzu, verbunden mit einem Erkenntnisgewinn. „Jetzt wissen wir, was uns mit den neuen Böblinger Gegnern erwartet. Körperlichkeit, Robustheit – Deckenpfronn hat das in dieser Hinsicht sehr gut gemacht“, sagt der Feuerbacher Trainer Rocco Cesarano.

Obendrein leisteten seine Elf laut Coach bei „zwei Eiertoren“ Schützenhilfe. Erst bremsten sich der Keeper Rafael Busic und sein Abwehrkollege Moise Nyamuisi gegenseitig aus, sodass der Gegner den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste. Dann fungierten gleich drei von Cesaranos Kickern bei einem Dribbling des Gästeakteurs Louis Mehl als willige Slalomstangen.

Ob es mit daran lag, dass in der Defensivreihe in Aris Moissidis der Gewinner dieser Sommerwochen fehlte? Dem Youngster war beim Spiel zuvor ein kurioses Missgeschick passiert: Torjubel auf der Bank – und dann „rums“. Er krachte mit dem Kopf gegen die Überdachung. Die Folge: Platzwunde, Krankenhaus, Fußballpause. Bereits der zweite Feuerbacher Fall fürs Kuriositätenkabinett in dieser noch jungen Saison: Im Training hatte es wie berichtet bereits den Torjäger Marin Pranjic erwischt. Er bezahlte für einen Frusttritt gegen den Torpfosten mit einer Knochenabsplitterung im Fuß.

Spvgg Cannstatt – TSV Münster

Die sportliche Überraschung des Spieltags kommt derweil aus Bad Cannstatt. Dort schlug der Trainer Stefan Schuon seinem Ex-Verein ein Schnippchen. 17 Jahre lang war er in unterschiedlichen Funktionen bei der Spvgg Cannstatt tätig, auch als Meistercoach. Inzwischen steht Schuon auf der anderen Seite des Neckars für den TSV Münster am Spielfeldrand – und feierte, anders als in den beiden vorangegangenen und verlorenen Neckar-Derbys, einen 3:1-Auswärtserfolg. Den Grundstein legte bereits in der ersten Hälfte Abdoulie Nyassi. Der Neuzugang, gekommen von der SG Untertürkheim, schnürte einen Doppelpack zur 2:0-Pausenführung.

Nach der Pause kamen die Gastgeber besser auf, Cannstatts Trainer Andreas Contino hat sogar noch Siegchancen gesehen, „hätten wir in den letzten zehn Minuten unsere Großchancen genutzt“. Eine Einschätzung, die Schuon allerdings nicht teilt. Er hat nur noch eine gefährliche Möglichkeit erkannt – und das Gegentor von Pascal Geidies, Letzteres mit anerkennendem Staunen. „Ein Wunderkind. Wie den Pascal im Rückwärtslaufen aus zwölf Metern reingemacht hat, sensationell“, schwärmt Schuon. Für die Entscheidung sorgte indes ein weiterer Heimkehrer mit langer Vergangenheit an der Hofener Straße: Marco Kreidl traf per Foulelfmeter. Perfekt war damit der Dämpfer für den Favoriten Cannstatt, bei dem Contino mit gestiegenen Ambitionen in die Saison gegangen war. Was er aktuell von seinem Team gesehen habe, erleichtere ihm die Entscheidung über die künftige Startaufstellung.

TSV Rohr – SV Bonlanden

Trainer-Wiedersehen mit Ex-Verein, Teil zwei, derweil beim 1:1 des TSV Rohr. Dessen Coach Klaus Kämmerer traf ebenfalls auf seinen Vorgänger-Club, namentlich den SV Bonlanden. Und auch in diesem Fall war es einst eine Langzeit-Ehe. Zwar nicht gleich 17 Jahre wie bei Schuon, aber immerhin zwölf, verteilt über zwei Amtszeiten – bis im Januar das plötzliche und unrühmliche Ende kam. Abpfiff, Rauswurf, und tschüss.

Heute? Da die handelnden Personen an der Humboldtstraße inzwischen andere sind, stand einem aktuell freundschaftlichen Hallo nichts im Weg. „Es war schön, den ein oder anderen wieder zu treffen“, sagt Kämmerer. Und mindestens genau so erfreulich für ihn, dass seinem jetzigen Team gegen die alten Jungs dann immerhin noch der Ausgleich gelang. Der Neuzugang Lionel Schmidt staubte bei seinem Rohrer Ligadebüt zum alles in allem leistungsgerechten Endergebnis ab. Versäumnis der Gastgeber bis dahin: „Wir sind zu spät ins Rollen gekommen“, sagt Kämmerer. Handicap freilich auch, dass auf der Fehlliste während der Begegnung dann noch gleich vier verletzungsbedingte Ausfälle hinzukamen. Für Fabio Rück, den Comebacker Jannik Maus (erster Einsatz nach 16 Monaten), Julian Eibel und Kevin Petri war jeweils vorzeitig Schluss.

Personelle Malaise allerdings nicht nur bei den Gastgebern, sondern auch beim Gegner. Bei dem musste sich der Coach Mario Kienle in Anbetracht zehn fehlender Kicker erneut mit Aushilfen aus der zweiten Mannschaft behelfen. „Zwei Spiele, vier Punkte – für diese Umstände bin ich sehr zufrieden“, sagt Kienle, für dessen Notaufgebot ein Joker stach. Philipp Heiß traf nicht einmal 60 Sekunden nach seiner Einwechslung zur zwischenzeitlichen Bonlandener Führung.

TSV Musberg – SV Vaihingen

Die größere finale Aufregung bot das Nachbarschaftsduell zweier anderer Filderrivalen. Zwischen dem TSV Musberg und dem SV Vaihingen waren bereits 94 Minuten gespielt, als eine Szene die Gemüter erhitzte. Ein Luftduell im Strafraum, ein Zusammenprall. Und der Schiedsrichter entschied zum Musberger Unverständnis auf Freistoß für die Gäste. Richtig brodelte es aufseiten des Heimteams aber erst, als daraus der späte 2:2-Ausgleich resultierte. Den folgenden Flankenball drückte der Vaihinger USA-Heimkehrer David Hug mit der Stirn ins Netz. Futsch damit der bereits sicher geglaubte Sieg.

„Wir waren da auch nicht clever genug. Aber der Vaihinger springt in unseren Spieler Florian Müller rein und lässt sich dann fallen“, beklagt der Musberger Trainer Denis Kühnle, dessen Elf somit im zweiten Saisonspiel zum zweiten Mal in der Nachspielzeit noch Zähler verlor. Schon beim 2:3 in Holzgerlingen hatte es bei den Mannen vom Turnerweg spät lange Gesichter gegeben.

Demgegenüber sagt selbst der Vaihinger sportliche Leiter Benjamin Schiffner: „Ich weiß nicht, ob man da pfeifen muss.“ Der Referee habe freilich „viele komische und diskussionswürdige Entscheidungen“ getroffen, beiderseits. Den Seinen blieb in einer ansonsten lange höhepunkt-, um nicht zu sagen niveauarmen Partie somit der Null-Punkte-Fehlstart erspart.

VfL Herrenberg – SC Stammheim

Hingegen bestätigen sich rund um den SC Stammheim die Befürchtungen nach dem Kader-Komplettumbruch dieses Sommers und in Anbetracht zudem vieler Urlauber. Ein 0:7 beim VfL Herrenberg bedeutet die nächste Klatsche. Die Bank sei mit Spielern gefüllt gewesen, die sozusagen „direkt vom Strand kamen und Platz nahmen“, berichtet der Trainer Jusuf Karabegovic. Kopfzerbrechen bereitete ihm aktuell vor allem seine Innenverteidigung. Nach dem Kreuzbandriss von Tim Hanselmann und der Muskelverletzung von Hakan Öztürk fehlen ihm die Alternativen. So sprangen Arlind Tuzi und der Kapitän Semih Gürol ein – beide eigentlich Offensivspezialisten. Nicht weiter verwunderlich: In der Viererkette habe die Abstimmung gefehlt. Immer wieder kam der Gegner mit weit geschlagenen Bällen hinter die Kette. Und einer tat sich bei ihm besonders hervor: Marvin Kennke glänzte als vierfacher Torschütze.

1:6 also gegen Plattenhardt, 0:7 in Herrenberg. „Zwei der besten Teams der Liga. Ich hoffe, dass die Aufgaben nun einfacher werden“, sagt Karabegovic.

VfL Oberjettingen – TV Echterdingen II

Ein dicker Kopf blieb ihm immerhin erspart, anders als den Spielern Julian Wolfer und Gyoel Toth. Die krachten in der Partie zwischen dem VfL Oberjettingen und dem TV Echterdingen II zusammen. Beide Akteure mussten ausgewechselt werden und Echterdingens Toth sogar ins Krankenhaus, das er am Abend mit einer leichten Gehirnerschütterung wieder verlassen konnte.

Abgesehen von dieser Begebenheit kommt Markus Müller, ein Teil des Echterdinger Trainertrios, nicht aus dem Schwärmen heraus: „Eine tolle Anlage in Oberjettingen mit zwei super Rasenplätzen und ein starker Gegner, dessen vier Offensivkräfte athletisch und schnell sind.“ Allen voran Yannick Ruß, Doppeltorschütze beim 2:2, mit nun insgesamt fünf Treffern Führender der Liga-Schützenliste. Aber auch die Leistung des eigenen Teams gab Anlass zur Zufriedenheit. „Wir haben es in Abwehr und Angriff gut gemacht“, sagt Müller. Dorde Smiljic und Ziad Masoud bereiteten ihre beiden Tore gegenseitig vor.

ABV Stuttgart – Croatia Stuttgart

Zweiter Spieltag, zweite Niederlage und einer, der sagt: „Es nervt gewaltig“ – so stellt sich die Situation unterdessen beim ABV Stuttgart dar. Der Klagende ist der Kapitän Leon Pachonik, der beim 1:5 gegen den Aufsteiger Croatia Stuttgart obendrein die Ampelkarte sah. Die erste Gelbe nach einem verursachten Elfmeter sei gerechtfertigt gewesen, die zweite nicht, sagt Pachonik angesäuert. Doch nach der Pause, also ohne ihn und in Unterzahl, hätten es seine Teamkollegen gut gemacht. Das Problem: Zu diesem Zeitpunkt führten die Gäste durch Tore von Duje Tokic, Mihael Stajduhar und David Barisic bereits mit 3:0. Später legten erneut Tokic und Nenad Stevanovic für sie noch nach. Insgesamt gab es in der Begegnung gleich drei Strafstöße, von denen der Croatia-Torhüter Mirko Perkovic einen parierte, nämlich gegen Blessing Omoregie.

Plus bei Croatia: Im Vergleich zum Fehlstart der Vorwoche waren einige Urlauber wieder an Bord. „Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit hoch gepresst und den Gegner zu Fehlern gezwungen“, lobt der Coach Mirko Sapina sein Team.

Statistik zum Spieltag

Sportvg Feuerbach – SV Deckenpfronn 1:2. Tore: 0:1 Stierle (28.), 0:2 Mehl (63.), 1:2 Alexis Moissidis (72.). Besonderes: –

SV Oberjesingen – Spvgg Holzgerlingen 2:2. Tore: 1:0 Metzger (7.), 1:1 Yilmaz (11.), 2:1 Gülcek (16.), 2:2 Schildt (49.). Besonderes: Gelb-Rot für Metzger (Oberjesingen, 67.)

TSV Musberg – SV Vaihingen 2:2. Tore: 1:0 Uhlmann (68.), 1:1 Krpan (77.), 2:1 Nita (80.), 2:2 Hug (90.+4). Besonderes: –

Spvgg Cannstatt – TSV Münster 1:3. Tore: 0:1 Nyassi (13.), 0:2 Nyassi (28.), 1:2 Geidies (87.), 1:3 Kreidl (90.+4, Foulelfmeter). Besonderes: Gelb-Rot für Ziegler (Cannstatt, 90.+2)

TSV Rohr – SV Bonlanden 1:1. Tore: 0:1 Heiß (64.), 1:1 Schmidt (74.). Besonderes: –

ABV Stuttgart – Croatia Stuttgart 1:5. Tore: 0:1 Tokic (7.), 0:2 Stajduhar (13.), 0:3 Barisic (21., Foulelfmeter), 1:3 Hein-rich (75.), 1:4 Stevanovic (79., Foulelfmeter), 1:5 Tokic (85.). Besonderes: Gelb-Rot für Pachonik (ABV Stuttgart, 45.+3); Perkovic (Croatia) wehrt Foulelfmeter von Omoregie ab (75.)

VfL Oberjettingen – TV Echterdingen II 2:2. Tore: 1:0 Yan-nick Ruß (21.), 1:1 Smiljic (51.), 1:2 Masoud (55.), 2:2 Yannick Ruß (75., Foulelfmeter). Besonderes: zehnminütige Unterbrechung und Krankenwageneinsatz nach Zusammenprall zweier Spieler (44.)

VfL Herrenberg – SC Stammheim 7:0. Tore: 1:0 Kennke (7.), 2:0 Franguere (24.), 3:0 Straub (34.), 4:0 Kennke (44.), 5:0 Franguere (49.), 6:0 Kennke (55.), 7:0 Kennke (60.). Besonderes: –

TSV Plattenhardt – Türkischer SV Herrenberg 5:0. Tore: 1:0 Hörz (16.), 2:0 Servi (34.), 3:0 Hörz (90., Foulelfmeter), 4:0 Albayrak (90.+5), 5:0 Albayrak (90.+10). Besonderes: Gelb-Rot für Moll (Plattenhardt, 80.); 15-minütige Spielunterbrechung wegen Zuschauerausschreitung (75.)

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